Ausfahrt im BMW Z4 M40i

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Das können andere Hersteller auch – aber die Connected-Drive-Services stellen fast alles andere in den Schatten. Man kommt sich im Z4 vor wie im Cockpit eines ICE; denn so wie Lokführer ihren EBuLa https://de.wikipedia.org/wiki/EBuLa (Elektronischer Buchfahrplan und Langsamfahrstellen) haben, der rechtzeitig vor Signalen, Weichen und Bahnhöfen angibt, was zu tun ist – genau so macht der BMW das auch. In 500 Metern wird die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben oder verschärft? Weiß der Z4-Pilot schon vorher. Wegen Baustelle endet nach der Kurve die rechte Spur in der Innenstadt? Kein Problem, steht rechtzeitig im Display. Das ist eine Unterstützung, die im Gegensatz zu häufig idiotisch agierenden Brems-, Spurhalte- und Lenkassistenten einen echten Mehrwert bietet. Auch für gute Fahrer.

Perfekt ist der Z4 M40i nicht. Nein, dazu ist er schlicht nicht schön genug. Ein zweisitziger, sündhaft teurer Sportroadster mit Standardantrieb und Reihensechszylinder sollte auch schön sein. Während mir die in Toyota-Kooperation entstandene Z4-Reihe G29 wie eine japanisierte, aufgequollene und nachgefaltete Studie auf Basis des Mercedes AMG-Roadsters vorkommt. Leider wird es innen nicht besser: Ein Kombidisplay, das die klare Schönheit der bisherigen BMW-Kombiinstrumente einer hässlichen Unablesbarkeit opfert, ist bestimmt modern, aber leider ein Grund weniger, sich für einen BMW zu entscheiden.

Hinzu kommen Verarbeitungsmängel wie billig wirkende Zierteile auf der Mittelkonsole, die so aussehen, als habe man Pappe mit einer Fototapete überzogen. Richtig schlimm ist das „kleine Handschuhfach“ links von der Lenksäule. Während es in meinem 3er der Baureihe E46 noch gut eingepasst und innen mit Filz bezogen war, wirkt es jetzt wie ein Teil von der Resterampe, das nur halbherzig in das Cockpit eingepasst wurde.

Doch beim Druck auf den Startknopf hellt sich die Miene schon auf. Der Sound des Reihensechsers macht an, ohne peinlich zu wirken. Dazu passt die souveräne Beschleunigung, die perfekt von der Achtgang-Automatik verwaltet wird. Da stellt sie sich ein, die Perfektion und sie zieht sich auch beim Fahrwerk durch.

In der Vergangenheit hatte ja BMW ein paar Probleme damit, den Z4 richtig abzustimmen. Wurden sie beim ersten Z4 (E85) von der Presse für ihre Härte gescholten, machte der Aluklappdach-Z4 (E89) durch seine verfehlte Weichheit den SLK zum besseren Sportwagen und Bestseller. Beim G29 hat BMW aber wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Das adaptive Fahrwerk und die intuitive Lenkung sind auf einer freien Runde am Nürburgring genau so perfekt, wie beim Cruisen im Stadtverkehr oder auf einer langen Autobahnpassage. Das Zusammenspiel seiner Komponenten macht mich dabei auch emotional an. Man kann die Perfektion spüren.

FĂĽr das Gebotene sind 11,6 Liter, die ich bei wilder Hatz brauchte nicht zu viel. FĂĽr einen Roadster ist der Kofferraum groĂź und gut nutzbar. Im Vergleich zu einem teureren Porsche 718 Boxster hat der BMW zwei Zylinder mehr sowie bessere Allroundeigenschaften. Langweiliger ist er aber nicht. Vielleicht ist er doch perfekt.

Das elektrische Verdeck öffnet in 10 bis 12 Sekunden, sogar während der Fahrt. Hören Sie es auch? Dieses leise Kichern eines Mazda MX-5-Fahrers, der das mit etwas Übung innerhalb von drei bis vier Sekunden von Hand erledigt – es ist symptomatisch für ein Rennen, das der BMW Z4 nicht gewinnen kann. Dabei kann er fast alles besser, bis auf eine einzige Disziplin: Das Weglassen. Leider ist es aber gerade das, was einen wirklich guten Roadster ausmacht, jener Mut, es nicht jedem recht machen zu wollen.

Der BMW Z4 kann, gerade mit dem Sechszylinder, vieles sehr, sehr gut. Der brabbelnde Klang ohne Härte im Ton kann zweifelsohne begeistern. Gleiches gilt uneingeschränkt für das Zusammenspiel von Motor und der Achtgang-Wandlerautomatik von ZF. BMW hat das über die Jahre zu einem Genuss optimiert. Die möglichen Fahrleistungen lassen sich kaum gänzlich ausschöpfen. Der Z4 ist mit diesem Sechszylinder bei Bedarf schlicht und ergreifend sauschnell. Wer mäkeln mag, wird sicher etwas finden, doch viel Konkurrenz hat der Z4 in diesem Bereich nicht.

Nun kann man vortrefflich darüber philosophieren, ob man gerade in einem offenen Auto 340 PS benötigt, um Freude am Fahren zu haben. Der Basis-MX-5 beantwortet diese Frage meines Erachtens brutal eindeutig. Nein, 131 PS sind für den Roadster-Gedanken in seiner ursprünglichen Form völlig genug. Mehr ist möglich, steigert für mich aber nicht im gleichen Maß den Fahrspaß.