Ausprobiert: Harleys Infotainment-System "Boom! Box GTS"

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Das Navi routet mit Verkehrseingaben aus TMC. Bessere Verkehrsdaten (etwa aus der gekoppelten App) gibt es derzeit nicht. Eingaben geschehen auf dem Touchscreen, es gibt keine Sprachsteuerung. [Update:] Falsch, es gibt auch eine Offline-Sprachsteuerung. Entschuldigung für den Fehler, vor Ort hieß es "Spracheingabe nur mit Siri". Harleys eigene Spracheingabe folgt festen Befehlen mit Hierarchien und entsprechenden Auswahlanzeigen dazu. [/Update] Um die Bedienung zu erleichtern, kann der Kunde Routen oder Punkte von der Harley-App an die Boombox schicken, sobald das Telefon über Bluetooth gekoppelt ist. Das Navi liest zudem Routen von USB-Sticks ein, die in den Port gesteckt werden (“Import“-Funktion im Menu benutzen). Alles in allem ein solides System. Es kommt jedoch mit einem unerwarteten Sahnehäubchen.

Als wir „unterstützt Apple Carplay“ lasen, dachten wir schon: „Das wird schon so ein Rotz werden.“ Auf der Goldwing konnte ich Carplay nicht ausprobieren, weil zum Test nirgends ein Bluetooth-Headset verfügbar war. Apple verlangt für Carplay aber nicht nur, dass so ein System vorhanden und gekoppelt ist, sondern auch, dass es nicht stummgeschaltet wurde. Bei Harley muss der Kunde das „Wireless Headset Integration Module“ WHIM für 335,50 Euro plus eine Stunde Mechanikerzeit kaufen, damit diese Bedingungen überhaupt erfüllt werden können.

Ganz ehrlich: Wir mussten ein bisschen fummeln und fluchen, bis es lief. Tipp: Audio stumm schalten ĂĽber den Knopf rechts vom Bildschirm verhindert den Start von Carplay. Als es dann lief, ĂĽberraschte mich das System jedoch damit, wie gut es zum Motorradfahren passt. Es startet, sobald alle Startvorbedingungen erfĂĽllt sind und ein kompatibles iPhone per USB angeschlossen wurde. Dann kann man zwischen Harley-Systemen und Carplay beliebig wechseln.

Apples Vorgaben mit „Sprachsteuerung first“ passen am Motorrad wahrscheinlich noch ein bisschen besser als im Auto. Ich habe mich mit Google Maps routen lassen, Musik gesteuert und ein paar Whatsapp-Nachrichten mit zuhause ausgetauscht. Die Spracheingabe dazu funktionierte unerwartet gut, obwohl das Mikrofon voll im Wind hing. Leider weiß ich nicht, an welchem Punkt die Störgeräusche herausgefiltert werden, das Ergebnis kann also mit anderen Headsets anders aussehen. Ich habe Harleys Headset verwendet, ein gebrandetes System des Herstellers Sena. Hoffentlich folgen andere Hersteller dem Vorbild von Harley und Honda. Sprachsteuerung am Motorrad ist super.

Harley hat gesagt, die Kunden sollen für Updates der Boombox zum Händler gehen, der sie ihnen einspiele. Auf der deutschen Website bietet Harley jedoch auch Images der jeweils neuesten Software-Version zum Herunterladen an, zusammen mit einer Anleitung, wie der Kunde sie über einen USB-Stick installiert – wie bei den Vorgänger-Versionen der Boombox. Da können Sie also wahrscheinlich einen Gang in die Werkstatt sparen oder zumindest einen Punkt auf der Rechnung. Es gab am 3. März 2019 ein Update.

Interessant fand ich vor allem eine Social-Funktion fernab von Whatsapp: Sena erlaubt, bis zu acht Helme miteinander zu koppeln, damit man sich in der Gruppe unterhalten kann. Wenn alle nicht nur diese Helme, sondern auch eine Boombox mit WHIM hätten, könnte sich eine nach Harleys Aussagen beliebig große Gruppe über bis zu 5 Kilometer entlang ziehen und dennoch könnte jeder mit jedem sprechen.

Die Module bilden dabei eine Kette, die Gesprächsdaten zu allen Teilnehmern durchreicht. Es bleibt das Reichweitenlimit des Bluetooth-Funks: Die Abstände zwischen einzelnen Teilnehmern dürfen weiterhin nicht zu groß werden, und wer sich abhängen lässt, muss auf sein Telefon zurückgreifen. Mangels WHIM-Einheiten und Headsets konnten wir dieses spannende Versprechen von Harley nicht ausprobieren. Vielleicht ergibt sich in der nächsten Zeit eine Gelegenheit. (cgl)