Ducati Multistrada V4 Rally: Höher, weiter, schwerer - und sehr teuer​

Seite 2: Zylinderabschaltung während der Fahrt

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Nun ist Ducatis V4-Motor zwar für seine enorme Kraft und vorbildliche Laufkultur, aber auch für seinen Durst bekannt. Im Schnitt kommt der Motor auf 6,5 Liter Sprit auf hundert Kilometer. Zu allem Überfluss wiegt die Rally mit 260 auch noch 20 kg mehr als die Basis-Multistrada V4, was wiederum den Verbrauch noch steigern dürfte. Um auf eine rallyewürdige Reichweite zu kommen, vergrößert Ducati deshalb nicht nur den Tank, sondern schaltet bei gewissen Fahrzuständen die hintere Zylinderbank ab. Schon die bisherige Multistrada V4 schickte die hinteren Zylinder im Leerlauf in den Ruhestand, doch die V4 Rally ist das erste Serienmotorrad mit einer Zylinderabschaltung während der Fahrt.

Ducati Multistrada V4 Rally (7 Bilder)

Mit der Multistrada V4 Rally will Ducati wieder Käufer anlocken, die sich auch mal abseits befestigter Pfade tummeln wollen.

Im ersten Gang arbeiten grundsätzlich alle vier, doch in den höheren Gängen bleiben die Ventile der hinteren Zylinder geschlossen, solange der Fahrer nicht deutlich beschleunigt oder dauerhaft hohe Drehzahlen abruft. Dann müssen die vorderen beiden Zylinder mit höherer Leistung und dadurch weiter geöffneter Drossel arbeiten (der Ingenieur nennt's "Lastpunktverschiebung"). Die so gesenkten Pumpverluste im Motor sollen immerhin so viel Sprit sparen helfen, dass die Multistrada V4 Rally eine Reichweite von weit über 400 km schaffen dürfte.

Natürlich erhält das Top-Modell das volle Elektronikpaket unter anderem mit Riding- und Power-Modi, Kurven-ABS, Schlupfregelung, Kurvenlicht, Wheelie- und Vehicle Hold-Kontrolle. Serienmäßig hat sie eine radargestützte, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und einen Totwinkel-Warner an Bord. Als einzige Multistrada verfügt die Rally über einen Enduro-Modus, der die Höchstleistung im Gelände auf 115 PS begrenzt, ansonsten käme die Schlupfregelung vermutlich gar nicht mehr zur Ruhe. Gleichzeitig deaktiviert der Modus das ABS am Hinterrad, dessen Abhebeerkennung und das Kurven-ABS. Die Einstellungen lassen sich über ein 6,5-Zoll-TFT-Display vornehmen, das per Bluetooth eine Konnektivität zum Smartphone und sogar ein Full-Map-Navi bietet. Die Keyless-go-Zündung erhält in der Rally zudem eine Fernstart-Funktion.

Ducati bietet die Multistrada V4 Rally in drei Ausstattungsversionen an: Die "Adventure Radar" startet bei 26.490 Euro, die "Adventure Travel & Radar" mit Alukoffern, Heizgriffen und -sitzen kostet 28.890 Euro und die "Full Adventure" mit zusätzlichem Akrapovic-Auspuff und Frontkotflügel aus Kohlefaserlaminat 30.490 Euro. Mit diesen hohen Preisen riskiert Ducati viel, denn die Konkurrentinnen liegen deutlich darunter: Die KTM 1290 Super Adventure R – immerhin 160 PS und 138 Nm stark – gibt es ab 20.599 Euro, den Bestseller BMW R 1250 GS Adventure (Test) mit 136 PS und 143 Nm ab 19.390 Euro.