Fahrbericht Jaguar XE S
Am deutlichsten sticht der technische Unterschied am HUD heraus. Eine gelbliche, grobkörnige, stark flimmernde Grafik steht da virtuell in der Luft, sich schon bei kleinen Seitwärtsbewegungen des Betrachters merklich verformend und abschwächend. Manchmal kann gar eine Sonnenreflektion im Projektortrichter mit auf die Scheibe geworfen werden. Das ist alles näher an der Corvette als am BMW 3er, wobei auch hier gilt: Selbst so ein mittelprächtiges HUD ist besser als kein HUD. Könnte Jaguar nicht einfach die Projektoren kaufen, die Audi und BMW auch kaufen?
Der XE klagt
Letztendlich sind das Diskussionen, die der Jaguar-Fahrer wohl führt, vor allem der Flottenkunde, aber wenn es ihm wirklich auf die beste Innenraumtechnik ankäme, würde er etwas aus Süddeutschland kaufen. Bei Jaguar landen dann all Jene, denen im süddeutschen Angebot Eines fehlt: Coolness. Jedes Kind kennt die Marke Jaguar. Dirk Gently fährt einen Jaguar, genauso wie Inspektor Morse. Bond fährt einen Aston, aber der gesamte restliche MI:6 sitzt in Jags. Mycroft Holmes lässt sich im Jag kutschieren. Und so weiter. Die aktuellen Modellnamen kennt anders als die Marke kaum ein Kind, doch mit ihnen hat Jaguar sich aus dem Nostalgieloch erhoben. Und ich kann verstehen, wieso Menschen diese Mischung aus starker Traditionsmarke und modern schickem Fahrzeug haben wollen. Ich will selbst einen XE, obwohl mir München in jeder funktional argumentierbaren Disziplin etwas Besseres anbietet im Dreier. Nur in einem kann München eben nicht liefern: Ich will ein Auto für Schlawiner.
Deshalb saß ich glücklich im XE S und trat aufs rechte Pedal, als müsste ich es töten. Ein klagendes Geräusch antwortete von vorne aus dem Motorraum, von hinten aus der wahrscheinlich Servo-beklappten Abgasanlage. Der Kompressor-aufgeladene V6 war schon bei seiner Einführung ein Stück für Musikliebhaber. Jetzt haben die Ingenieure im Zuge der Arbeiten für strengere Abgasvorschriften irgendwo noch 40 PS gefunden: 380 insgesamt. Ich will Sie jetzt nicht langweilen mit Vergleichen, wie das Auto damit vorangeht, vor allem, weil es in meiner Vergleichswelt voller Superbikes, auf denen ich flatternd mitgezerrt werde, gar nicht zu allzu krassen Vergleichen taugt. Was sagte Rolls-Royce immer zum Thema Leistung? Sie ist adäquat.
Statt übers Anreißen möchte ich einen Vergleich über den Klang anführen. 380 PS verkauft dir auch AMG in ihrem seltsam steril brazzelnden Turbo-Vierzylinder. Aber dieser Jaguar stimmt ein Klagelied an, wie ein Cello, dieses Instrument, das eigentlich nur tragische Stücke spielen kann, weil selbst „Happy Birthday“ darauf tragisch klingt (Schon wieder ein Jahr dahin!). Der Kompressor-V6 stimmt eine ähnliche Tonlage an, nur rauer, harscher, als zersäge jemand ein sehr teures Cello. Mir passiert das selten, aber manchmal, und fast immer mit V-Motoren: Ich kann diesem Ding den ganzen Tag lang mit Genuss zuhören.