Gegenkultur: der Boxermotor

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Warum also gibt es bei all diesen Vorteilen fast keine Boxermotoren mehr im Fahrzeugbau? Man könnte jetzt sagen: die Kurbelwelle ist aufwendiger und teurer, aber das ist für hochpreisige Sportwagen kein Argument. Zudem gibt es auch praktisch keine 180°-V-Motoren mit ihren konventionellen V-Kurbelwellen mehr, obwohl diese Bauart früher in Rennmotoren gang und gäbe war. Porsche, Ferrari, Mercedes, Alfa Romeo, sie alle bauten diese Flachmotoren, und zwar aus demselben Grund wie Subaru: um den Schwerpunkt tiefer zu legen. Die Stärke des Flachmotors ist jedoch auch seine Schwäche: Er starb fast überall aus, weil das "Packaging" schwierig ist, wie der Neudeutsche sagt. Im Rennsport, vor allem in der Formel 1, wurde hochkomplexe Aerodynamik rennentscheidend, und der standen die breiten Motoren im Weg.

Und im Serienbau mag von den Massenherstellern niemand mehr Boxer bauen, weil das Grundlayout des Fahrzeugs dazu ausgelegt sein muss, was es wiederum unflexibel für andere Motorisierungen macht. Unter die Motorhaube eines BMW 5ers passen beispielsweise eine ganze Reihe der Hausmotoren: Reihensechser, Reihenvierer oder V8-Turbos. Das macht es für den Hersteller einfach, Varianten anzubieten, ohne Grundsätzliches ändern zu müssen. Unter die Motorhaube eines Subaru BRZ passt ein Vierzylinderboxer, alles andere wird schwierig. Umgekehrt würde dieser Boxer aber auch nicht ohne weiteres in einen 5er passen, denn er baut zu breit. Der Schrankwandformatarsch eines Ferrari Testarossa oder der in barocker Weite ausladende Hintern eines Porsche 911 sind das optische Resultat des Antriebskonzepts. Außer der Breite der Zylinderköpfe muss der Hersteller ja auch noch Abgas- und Ansaugluftführung unterbringen, und beides ist am Boxer maximal umständlich. Es ist so verwinkelt zu bauen wie es von außen aussieht. Diese Anstrengungen zahlt ein gelungener Boxermotor mit Drehfreude bei gleichzeitig hoher Laufruhe zurück, mit guter spezifischer Leistung und vorteilhaftem Ladungswechsel – Letzteres, weil es viel Platz für die Gestaltung der Airbox gibt, die in großzügigem Volumen über dem Motor residieren darf.