Mercedes 600 Pullman

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Dass der Wagen keine feiste Parodie auf ein Auto wurde, sondern ein Statement für Staatsmänner, ist dem Design-Triumvirat aus Bruno Sacco, Paul Bracq und Friedrich Geiger zu verdanken. Sacco sollte später zur Firmenlegende aufsteigen, Bracq schuf die SL-Pagode, bevor er Designchef bei BMW wurde und Geiger hatte unter anderem schon den 300 SL Flügeltürer in seiner Vita stehen. Trotz der Länge und trotz des Gewichtes schufen die drei eine Karosserie, die so zeitlos war, dass sie bis 1981 gebaut werden konnte, ohne altbacken auszusehen. 17 Jahre!

Was übrigens auch bedeutete: 17 Jahre Zuschussgeschäft. Mercedes hatte wohl nie vor, mit dem W100 Geld zu verdienen. Entsprechend weit waren sie davon entfernt. Forschung und Entwicklung verschlangen Unsummen und ließen sich selbst bei diesem superreichen Publikum nicht mehr auf den Kaufpreis umlegen. Womit Mercedes dann aber doch nicht gerechnet hatte, waren die nachgerade lausigen Verkaufszahlen. So beeindruckt die Welt von diesem Auto war, so zurückhaltend waren die Reichen und noch Reicheren. Gerade einmal 2677 Stück wurden vom W100 gebaut. 429 davon waren Pullman, wiederum 59 davon waren Landaulets, also verlängerte Limousinen mit einem Cabrio-Heck. Das bedeutete, dass Mercedes nicht einmal zehn Prozent der angepeilten Stückzahlen verkaufen konnte.

Bei der Modellpflege hielt Mercedes sich zurück. Die Marke schätzte ihre W100-Kundschaft sehr konservativ ein und wollte sie nicht mit großen Änderungen konfrontieren. 1969 mussten wegen neuer Gesetze die roten Blinkergläser gegen orange getauscht werden. Im gleichen Jahr wurde auch der Zigarettenanzünder vergrößert. Wahrscheinlich, damit auch Zigarren befeuert werden konnten. Als 1972 die neue S-Klasse (W116) erschien, war das Interieur des W100 nicht mehr ganz zeitgemäß, was der Kundschaft aber eher egal schien. Immerhin wurde jede Menge unsichtbare, aber umfangreiche Änderungen an der Hydraulik vorgenommen, was heutzutage die Gebrauchtwagen ab diesem Jahrgang noch einmal etwas beliebter macht.

Das Image, das Mercedes generierte war mehr wert als jeder Profit der hätte rausspringen können. Es war unbezahlbar. Jeder Mensch von Rang und Namen fuhr einen. Am liebsten Pullman, gerne aber auch die kurze, nun ja, Sparversion. Herbert von Karajan war der W100 gerade gut genug, bevor er dann irgendwann seine Porsche-Liebe artikulierte. Auch Elizabeth Taylor fuhr Mercedes 600 und John Lennon holte sich erst einen, gab ihn dann aber an George Harrison weiter. Auch Hugh Hefner und Rowan Atkinson, Jack Nicholson und Coco Chanel füllten damit große Teile ihrer Garage. Bei der Preisgestaltung ist die Liste der Berühmtheiten, die einen haben oder mal einen hatten, natürlich deckungsgleich mit der Kundendatenbank.