Mercedes C-Klasse EQ vorgestellt: Das Elektroauto für die Langstrecke
Die elektrische Mercedes C-Klasse kann bis zu 762 km am Stück fahren und sehr flink nachladen. Die Chancen auf einen Erfolg dürften groß sein.
(Bild: Mercedes)
Nie war er unwichtiger als in einem Elektroauto, und dennoch holt Mercedes ausgerechnet einen riesigen Kühlergrill aus der Kiste, um die neue Generation von Elektroautos in ein für die Marke typisches Bild zu setzen. Wie das global von der jeweiligen Zielgruppe aufgenommen wird, muss sich zeigen. Technisch aber hat Mercedes keinen Stein auf dem anderen gelassen. Die elektrische C-Klasse verspricht ein hervorragendes Elektroauto zu werden.
Mercedes C-Klasse EQ außen (5 Bilder)

Mercedes
)Die technischen Eckdaten sind aus dem GLC EQ schon bekannt. Zum Start gibt es zunächst nur ein Allradmodell mit 360 kW und 800 Nm. 4,1 Sekunden sollen genügen, um aus dem Stand 100 km/h zu erreichen. An der Hinterachse verbaut Mercedes ein Zweigang-Getriebe. Das soll einerseits die extreme Beschleunigung im unteren Geschwindigkeitsbereich sicherstellen, andererseits die Effizienz auf der Autobahn verbessern helfen. Im kleineren CLA EQ geht die Marke den gleichen Weg, konnte meinen Kollegen Clemens im Test allerdings nicht vollständig überzeugen.
WLTP-Reichweite von 760 km
Im WLTP gibt Mercedes eine Reichweite von 760 km an. Mehr als 800 km sollen es mit einer C-Klasse sein, die nur hinten einen Motor hat und im kommenden Jahr das Angebot ergänzen wird. Ohnehin ist davon auszugehen, dass Mercedes sowohl bei den Antrieben als auch bei den Batterien nachlegen wird. Vorstellbar ist, dass es ein Basismodell mit rund 70-kWh-Batterie und ein Topmodell mit deutlich mehr als 400 kW Leistung geben könnte. Beides kommentieren die Verantwortlichen nicht.
Mercedes C-Klasse EQ innen (6 Bilder)

Mercedes
)Das Startmodell C 400 4Matic bekommt eine Batterie mit 94,5 kWh netto mit auf den Weg. Der Verbrauch im Zyklus wird mit 14,1 bis 18,5 kWh angegeben. In der Spitze kann mit bis zu 330 kW geladen werden, nach 10 Minuten soll unter idealen Bedingungen Strom für 320 km im kombinierten WLTP nachgeladen sein. Von 10 auf 80 Prozent Ladestand geht es in 22 Minuten, sofern die Batterie entsprechend vortemperiert ist und die Ladeinfrastruktur mithalten kann. Ladesäulen mit mehr als 300 kW sind schließlich nicht die Regel, sondern die Ausnahme.
Aus den Angaben ergibt sich unter idealen Bedingungen zwischen 10 und 80 Prozent eine durchschnittliche Nettoladeleistung von rund 180 kW. Damit liegt Mercedes nicht an der Spitze, allerdings sollte man die aktuellen Verhältnisse einmal in erwartbare Zahlen für die Praxis gießen: Wer mit voller Batterie startet, bis 10 Prozent runterfährt und dann auf 80 Prozent lädt, kann auf der Autobahn mit mehr als 700 km rechnen, sofern er nicht versucht, diese in 4 Stunden zu absolvieren und auf dieser Distanz eine Pause von 22 Minuten akzeptiert. Ich denke, damit sind Verhältnisse geschaffen, die für fast alle Nutzungsprofile ausreichend sind.
DC-Laden mit 400 Volt
In CLA und GLC hat Mercedes für die Entscheidung, Laden an DC-Säulen mit 400 Volt nur gegen Aufpreis zu ermöglichen, eine Menge Kritik auf sich gezogen. Vorerst scheint es auch bei der C-Klasse dabei zu bleiben. An Wechselstrom kann serienmäßig mit 11 kW geladen werden, gegen Aufpreis auch mit 22 kW. In einigen Szenarien, etwas während eines Schwimmbadbesuchs, ist das immer wieder ziemlich praktisch.
Mercedes C-Klasse EQ Technik (4 Bilder)

Mercedes
)Assistenz zum Nachbuchen
Selbstverständlich belässt es Mercedes nicht bei einem weitreichenden, modernen Antrieb. Das Betriebssystem MB.OS bekommt eine leistungsstarke Hardware an die Seite gestellt, die für etliche Jahre genug Power mitbringen soll, um auch künftige Aufgaben abarbeiten zu können. Einige Assistenten werden sich nachträglich buchen lassen, darunter ein proaktiver Spurwechsler, eine besondere Kameraperspektive zum Schutz der Felgen und ein Assistent, der Fahren im Stadtverkehr sicherer machen soll.
Videos by heise
Wie im CLA ist der hintere Kofferraum mit 470 Litern angesichts der äußeren Abmessungen nicht allzu üppig dimensioniert. Dafür fasst das Fach unter der vorderen Haube immerhin 101 Liter. Ein Radstand von 2,96 m sollte ein vorzügliches Platzangebot im Innenraum ermöglichen, das jenes in der C-Klasse mit Verbrennungsmotor deutlich übertrifft.
Und wie geht es weiter?
Die C-Klasse wird als Elektroauto keinen leichten Stand haben. Der darunter platzierte CLA EQ kann ähnlich schnell laden und wird auch als Kombi angeboten. Das ist bei der C-Klasse nicht geplant. Ab 2027 ist mit einer elektrischen E-Klasse zu rechnen, die dann nochmals luxuriöser ausfallen muss – ohne den gerade überarbeiteten EQS die letzten Kunden zu nehmen. Konkurrenz von außerhalb bekommt die C-Klasse unter anderem durch den neuen BMW i3 (Neue Klasse, Marktstart Herbst 2026), der mit bis zu 900 km Reichweite und bis zu 400 kW Ladeleistung punktet.
(Bild: Mercedes)
Nicht vergessen werden darf außerdem, dass die C-Klasse mit Verbrennungsmotor ebenfalls eine Modellauffrischung bekommt. Mercedes fährt in der Mittelklasse, wie BMW, ein paar Jahre doppelgleisig. Damit haben es auch die Kunden in der Hand, wie rasch sich der Wandel bei der Fahrenergie vollzieht. Die erste Einschätzung dieser Vorstellung: Mercedes hat mit der C-Klasse EQ ein Paket vorgelegt, das das Zeug hat, viele Skeptiker zu überzeugen. Und das hätte vermutlich auch ohne riesigen Kühlergrill geklappt.