Mercedes-Renntransporter in drei Generationen

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Anders als der Actros mit seinem 15,9 Liter großen V8-Turbodiesel setzt das Unikat aus den Fifties auf einen Ottomotor – und der hat es in sich: Es handelt sich um jenen Dreiliter-Reihensechszylinder mit Benzin-Direkteinspritzung, der auch den Flügeltürer 300 SL in Fahrt brachte. Das blaue Wunder beschleunigte der Motor Mercedes zufolge auf bis zu 170 km/h. Auch durch andere Merkmale wie die geduckte blaue Karosserie mit dem nach vorn verlegtem Fahrerhaus wird schnell klar, dass sich hier ein Sportwagen als Renntransporter verkleidet hat.

Den schnellen Renntransporter hatte der Prototypenbau von Mercedes-Benz auf Wunsch des unvergessenen Rennleiters Alfred Neubauer eigens für besonders eilige Frachten entwickelt. Die einzigen Vorgaben: Er sollte schnell sein und einen Rennwagen befördern können. Die Plattform bildet der verlängerte Rohrrahmen des Luxus-Coupés Mercedes-Benz 300 S. Karosserieteile wie die Türen und Kotflügel sowie Elemente der Ausstattung kommen von der gutbürgerlichen Limousine Mercedes-Benz 180. Es muss ein besonderer Anblick gewesen sein, wenn der Renntransporter mit seiner kostbaren Fracht über die Autobahn zog: Ein 6,75 Meter langer Transporter, zwei Meter breit, dazu mannshoch, extravagant geformt und für die damalige Zeit unerhört schnell unterwegs.

Doch der ausgestellte Wagen ist ein Nachbau: Nach dem katastrophalen Unfall in Le Mans 1955 zieht sich Mercedes-Benz Ende jenes Jahres aus dem Rennsport zurück. Fortan dient der Renntransporter erst als Ausstellungsfahrzeug in den USA, dann verrichtet er zehn Jahre lang Arbeit im Fahrversuch von Mercedes-Benz. Rudolf Uhlenhaut, zur "aktiven" Zeit des Renntransporters Leiter der Rennabteilung und später Vorstand der Daimler-Benz AG, lässt das Unikat 1967 verschrotten. Jahrzehnte später baut Mercedes-Benz den spektakulären Renntransporter nach alten Fotos neu auf.