Neue alte Liebe: Der neue Mercedes SL 350 im Test

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Im Innenraum des Roadsters, der in 16 Sekunden sein Metall- oder wahlweise Panoramadach vollständig öffnet, hat sich nicht viel getan. Die Sitze kommen aus der komfortablen Sport-Klasse und alles ist exzellent verarbeitet. In ihren Kopfstützen kann für 600 Euro Aufpreis ein Airscarf, also Luftschal genannter, warmer Luftstrom erzeugt werden, der an kühlen Tagen zuverlässig den Hals warm hält. Bei den mit dickem Lack überzogenen Echtholz-Applikationen können wir immer nur wieder zur matten Ausführung raten – das sieht deutlich mehr nach echtem Holz aus. Der 339-Liter-Kofferraum schafft bei geöffnetem Dach noch 235 Liter Gepäck. Und falls das Dach wirklich gerade geöffnet, also in den Kofferraum verschoben ist, kommt man trotzdem jederzeit an sein Gepäck. Beim Öffnen der Kofferklappe fährt das zusammengelegte Dach automatisch ein Stück mit hoch.

Der Dodge Durango vor uns schwingt nach jeder Bodenwelle so richtig schön durch. Besonders den sich aufbauenden Hub können wir gut beobachten. Bei uns passiert das nicht. Das für den SL 350 gegen knapp 4000 Euro Aufpreis verfügbare ABC-Fahrwerk macht es möglich. Die Active-Body-Control passt die Fahrwerkseinstellungen der jeweiligen Fahrsituation an und minimiert so Nick- Wank- und Hubbewegungen; wie wir im Vergleich zu unseren amerikanischen Straßenverkehrs-Mitstreitern unschwer sehen können mit spürbarem Erfolg. Für das neue Einstiegsmodell SL 280 ist ABC übrigens nicht zu haben, bei SL 500 und SL 600 kümmert es sich serienmäßig um einen Ausgleich.

Die Firma des Australiers Dr. Arthur E. Bishop, Bishop Steering Technology, beliefert Mercedes schon seit längerem mit Zahnstangen. Und Herr Bishop war es auch, der sich bereits vor 30 Jahren eine Direktlenkung mit variabler Verzahnung auf der Zahnstange patentieren ließ. Damals war die Technik für die Landung von Flugzeugen bestimmt, heute kommt sie gegen 180 Euro Aufpreis im SL zum Einsatz. Neben der geschwindigkeitsabhängigen Servounterstützung sind die Abstände zwischen den Zähnen auf der Zahnstange nach außen hin aufsteigend. In der Praxis bedeutet dies, dass in der Mittellage 15 Grad Lenkradbewegung notwendig sind, um eine Radwinkeländerung von einem Grad zu erzeugen. Ab einem Lenkwinkel von fünf Grad reichen dann aber 12 Grad Lenkraddrehung, um eine Radwinkeländerung von einem Grad zu erzielen. Wie fühlt sich das auf der Straße an?