Robotaxi-Firma Cruise: Die Hälfte der Mitarbeiter muss gehen

GM schließt seine Tochterfirma Cruise, die selbstfahrende Autos entwickelt hat. GM übernimmt nur etwa die Hälfte der Mitarbeiter.

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Cruise-Auto an der Kreuzung Stockton & Sutter in San Francisco (farblich verfälscht)

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Lesezeit: 3 Min.

Mit den selbstfahrenden Taxis der GM-Tochter Cruise verschwinden auch die dahinterstehenden Arbeitsplätze. Eigentümer General Motors (GM) übernimmt nur die Hälfte der etwa 2.300 Personen umfassenden Belegschaft, dem Rest ist am Dienstag gekündigt worden.

Vor knapp zwei Monaten hat GM bei Robotaxis die Reißleine gezogen und die selbstfahrenden Taxis von den Straßen geholt. Der Autokonzern sieht keine Zukunft für seine Robotaxis. Deren Entwicklung werde zu teuer und würde zu lange dauern, zudem intensiviere sich der Wettbewerb in diesem Markt. Stattdessen möchte sich GM auf die Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen für Autos in Privatbesitz konzentrieren, "auf einem Weg zu vollautonomen persönlichen Fahrzeugen".

Das soll aber direkt bei GM erfolgen, nicht bei der Tochterfirma Cruise, die abgewickelt wird. Bislang gehörte Cruise zu etwa 90 Prozent GM, seit Dienstag sind es 100 Prozent. Sogleich gab es eine Cruise-weite Konferenz, bei der die Mitarbeiter über ihre Kündigung informiert wurden. Jenen Personen, die GM gerne direkt weiterbeschäftigen möchte, hat der Konzern bereits vorige Woche Angebote unterbreitet. Es soll sich vorwiegend um Entwickler handeln.

Durch die Schließung der Robotaxi-Tochter möchte GM seine Kosten um eine Milliarde US-Dollar pro Jahr senken. GM hat seit 2016 zig Milliarden in Cruise gebuttert, alleine 2024 waren es 1,7 Milliarden US-Dollar.

Cruise wurde 2013 gegründet und brachte zunächst Nachrüstbausätze für bestehende Fahrzeuge für limitierte Selbstfahrfunktionen auf Autobahnen heraus. Ab 2015 arbeitete das Unternehmen dann an vollständig autonomen Autos und erhielt im Juni des Jahres eine kalifornische Lizenz für Testfahrten auf öffentlichen Straßen. Im Jahr darauf übernahm GM die Mehrheit. Seither hat Cruise mehr als zehn Milliarden US-Dollar verloren. Alleine 2023 schrieb Cruise fast 3,5 Milliarden Dollar Betriebsverlust.

Im August 2023 erhielt Cruise in San Francisco die Genehmigung, chauffeurlose Taxifahrten gegen Bezahlung anzubieten. Doch nach einem Unfall mit einem Einsatzfahrzeug wurde die Lizenz noch im selben Monat halbiert, Ende Oktober zog die kalifornische Behörde die Betriebserlaubnis komplett ein. Anlass war ein Unfall, bei dem ein Cruise-Taxi eine Fußgängerin mitschleifte, genauer gesagt die Reaktion des Unternehmens auf den Unfall.

Cruise übermittelte zwar ein Video einer Onboard-Kamera an die untersuchende Behörde, aber offenbar nicht alle Aufnahmen. Schon zuvor hatte die Feuerwehr der Stadt auf zahlreiche Vorfälle verwiesen, in denen die autonomen Taxis Ersthelfer behindert hätten. Diese Sicherheitsprobleme in Verbindung mit der unzulänglichen Offenheit Cruises veranlasste die Behörde, die Betriebserlaubnis für kommerzielle Fahrten ohne Sicherheitsperson einzuziehen.

Von dem RĂĽckschlag hat sich das Projekt nie erholt. GM entschuldigte sich, wechselte das Cruise-Management und wagte im Juni einen Neuanfang in Phoenix, Arizona. Die autonomen Fahrten wurden dort aber stets von einem Menschen am Volant ĂĽberwacht. Das kostet natĂĽrlich extra.

Im Juni gab GM Cruise noch einmal eine Finanzspritze in Höhe von 850 Millionen Dollar und sparte dafür beim Bau von Elektroautos. Das Cruise-Fahrgebiet sollte schrittweise auf Nachbargemeinden Phoenix' ausgedehnt werden, und auch in Dallas und Houston waren die Robotaxis unterwegs. Doch dürften die technischen Fortschritte hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein, vielleicht auch die Stimmung bei Behörden und in der Öffentlichkeit.

(ds)