Tollkühne Männer in ihren fliegenden Dosen: Die Apollo-Mondmissionen

Seite 6: DrauĂźen im All und fast auf dem Mond: Apollo 9, Apollo 10

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Nach Apollo 8 gab es noch zwei Missionen, mit denen entscheidende Komponenten fĂĽr die Mondlandung getestet wurden. Sie erregten allerdings in der Ă–ffentlichkeit weit weniger Aufsehen als Apollo 8 mit der ersten Mondumrundung und dann Apollo 11 mit der ersten Landung von Menschen auf dem Mond.

Apollo 9 startete mit der Crew James A. McDivitt, Russell L. Schweickart und David R. Scott am 3. März 1969. Mit der Mission sollten alle für die Mondlandung notwendigen Manöver in einem Erdorbit getestet werden. Dazu gehörte vor allem das Andocken der Mondlandefähre an die Spitze der Apollo-Kapsel. Dazu musste sich die Kapsel mit den Astronauten von der dritten Raketenstufe lösen, um 180 Grad drehen und an das Mondlandemodul andocken. Zum ersten Mal wurde dann auch der Umstieg von der Apollo-Kapsel in die Fähre getestet.

Ein weiterer Test überprüfte das Portable Life Support System, die Raumanzüge, die für die Landung auf dem Mond vorgesehen waren. Schweickart stieg in die Mondlandefähre um und verließ sie durch eine Luke. Seine Lebenserhaltungssysteme waren dabei nicht mehr mit Fähre oder Apollo-Kapsel verbunden, alleine der Raumanzug gewährleistete sein Überleben bei diesem Ausflug ins All. Scott testete ebenfalls den Raumanzug, indem er die Luke der Apollo-Kapsel öffnete und sich in die offene Luke stellte. Sein Raumanzug war aber weiterhin mit den Lebenserhaltungssystemen des Kommando-Moduls verbunden.

Ein weiterer Test betraf die Mondfähre selbst. McDivitt, Kommandant von Apollo 9, und Schweickert flogen mit der Mondlandefähre unabhängig von der Apollo-Kapsel, warten nach einiger Zeit die Abstiegsstufe (für die Landung auf dem Mond) ab und kehrten mit der Aufstiegsstufe (die die Rückkehr der Fähre von der Mondoberfläche zu erledigen hatte) zur Apollo-Kapsel zurück.

Die Apollo-9-Kapsel mit angedockter Mondlandefähre. David R. Scott, Pilot des Kommando-Moduls, steht in der offenen Luke. Aufgenommen hat das Foto Russel Schweickart, der auf der Mondlandefähre steht.

(Bild: NASA)

Ein Interview mit Russel Schweickart, der während der Apollo-9-Mission den Raumanzug (Portable Life Support System) für die Mondmission bei einem Außenbord-Einsatz testete, finden Sie in dem Sonderheft von "Space – Das Weltraum-Magazin" zum 50. Jahrestag der Mondlandung. Anlässlich des Jubiläums ist es am 20. und 21. Juli portofrei im heise shop zu bestellen.

Alle Tests von Apollo 9 verliefen erfolgreich: Der Weg zum Mond und die Technik für die Landung schienen also gesichert. Ein weiterer Test sollte folgen – und zwar direkt aus der Mondumlaufbahn heraus. Apollo 10 mit der Crew Thomas Stafford, Eugene Cernan und John Young sollte die gesamte Mission zur Mondlandung durchführen – bis auf die eigentliche Mondlandung selbst.

Nur fast auf dem Mond: Die Crew von Apollo 10 (Eugene Cernan, John Young, Thomas Stafford, v.l.n.r.)

(Bild: NASA)

Apollo 10, gestartet am 18. Mai 1969, war der erste bemannte Flug, der mit Besatzung und vollständiger Ausrüstung einschließlich der Mondlandefähre durchgeführt wurde. Das Kommando-/Versorgungsmodul bestand aus zwei Teilen. Die kegelförmige Kapsel diente der Crew als Leitstand und "Mannschaftsraum", das zylindrische Versorgungsmodul enthielt Sauerstoff, Wasserstoff, Treibstoff und die Antriebs- sowie Manövriersysteme. Die aus zwei Stufen bestehende Landefähre hatte eine Abstiegsstufe, die die Energieversorgung für die Mondlandung enthielt; an ihr waren die vier Landebeine sowie die Leiter zum Ein- und Ausstieg befestigt. Diese Stufe diente zudem als Startplattform für die Aufstiegsstufe zur Rückkehr.

Alle Manöver für den Flug zum Mond (Andocken der Landefähre im Erd-Orbit, translunare Injektion, Mond-Umlaufbahn, eigenständiges Operieren der Landefähre im Mond-Orbit, Abstieg der Fähre fast bis zur Mondoberfläche) wurden durchgeführt. Bis hinunter zur Mondoberfläche steuerten Stafford und Cernan die Fähre aber nicht, nach dem Abstieg bis auf gut 15 km Höhe über der Mondoberfläche kehrte die Fähre zur Apollo-Kapsel zurück.

Das gelang allerdings nicht ohne Schwierigkeiten: Sowohl da Absprengen der Abstiegsstufe als auch das Zünden der Aufstiegsstufe gelang nicht auf Anhieb; außerdem musste Cernan die Automatik abschalten und manuell steuern, da das Lageregelungssystem nicht korrekt arbeitete. Die Fähre geriet ins Trudeln - erst kurz vor dem Aufschlagen auf der Mondoberfläche brachte Cernan die Fähre wieder unter Kontrolle. Später stellte sich heraus, dass ein einziger Schalter in der falschen Position die Lageregelung durcheinandergebracht hatte.

Das Kommando-Modul von Apollo 10 über der Mondoberfläche, gesehen aus der eigenständig fliegenden Mondlandefähre

(Bild: NASA)

Während des Flugs von Apollo 10 gab es insgesamt 19 Live-TV-Sendungen mit insgesamt sechs Stunden Laufzeit. Nach der erfolgreichen Rückkehr am 26. Mai 1969 entschied die NASA, dass nun alles bereit sei für die eigentliche Mondlandung.