Triumph Street Cup im Fahrbericht

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Heute wird man beim Verkünden der PS-Zahl einer Street Cup belächelt, aber braucht man wirklich unbedingt mehr? Nach dem ersten Ausritt auf der hübschen Retro-Triumph lautet die Antwort ganz klar: nein. Denn die Street Cup verfügt über satte 80 Nm Drehmoment schon bei 3200/min. Sie drückt bereits knapp über Standgas mächtig an und zieht unbeirrt bis zur Nennleistung bei 6100/min durch. Der Fahrer kommt sich nie untermotorisiert vor, im Gegenteil.

Stuart Wood, Chef-Entwickler von Triumph, erklärte, dass der 900er-Motor des Vorgängermodells Thruxton oft kritisiert worden wäre, langweilig zu sein, dabei leistete der Twin immerhin 69 PS. Das Problem waren die 230 kg Gewicht und eine fast lineare Leistungsentfaltung, die sich zäh bis zur Maximaldrehzahl von 8000

/min quälte. VielEmotion konnte dem alten Zweizylinder tatsächlich nicht nachgesagt werden. Also, beschloss man bei Triumph, die Nachfolgerinnen Street Twin (Nachfolgemodell der Bonneville) und Street Cup abzuspecken und auf Drehmoment statt Leistung zu setzen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit einem Leergewicht von 217 kg unterbietet die Street Cup die Vorgängerin Thruxton 900 um 13 kg. Allein die Gewichtsreduktion fördert die Dynamik schon merklich, in Verbindung mit dem wuchtigen Punch aus dem Drehzahlkeller zeigt sich die Street Cup als komplett anderes Motorrad. In Sachen Durchzug distanziert das neue Retrobike die Thruxton 900 deutlich.

Ganz entscheidend zum Fahrerlebnis trägt der Sound des Zweizylinders bei. Was da an sattem Bass den beiden kurzen Endschalldämpfern entfleucht, sorgt für permanente Gänsehaut. In Euro4-Zeiten einen so eine herrliche Klangkulisse zu zaubern, verdient höchsten Respekt. Dabei erweist sich der Motorlauf selber als angenehm ruhig, Vibrationen sind dem Zweizylinder fremd. Die fetten Kühlrippen sind ein wenig Augenwischerei, denn die Street Cup verfügt über Wasserkühlung. Der Kühler wurde geschickt zwischen den beiden massiven Krümmern platziert, so dass er kaum jemandem direkt auffällt. Die Einspritzanlage wird jetzt nicht mehr in einer Vergaserattrappe versteckt, sondern hinter einer gelochten Alublende.

Es sitzt sich überraschend bequem auf dem Café Racer. Die Bullet-Sitzbank erweist sich als gut gepolstert, selbst nach langem Ritt schmerzt der verlängerte Rücken nicht. Das hängt sicher auch mit der Positionierung der Alu-Fußrasten zusammen, die einen entspannten Kniewinkel ergeben, trotz der geringen Sitzhöhe von 780 mm. Letztere wiederum erfreut Kurzgewachsene, wobei auch Fahrer um die 1,85 m keinerlei Beschwerden vortragen und ihre Beine problemlos unterbringen. Der schmale Tank in Tropfenform lässt einen engen Knieschluss zu. Die Rahmengeometrie wählte Triumph sorgfältig aus, mit einem Lenkkopfwinkel von 65,7 Grad, einem Nachlauf von 98,7 mm und einem Radstand von 1435 mm ist sie eher in Richtung Handlichkeit ausgelegt.

Eigentlich beste Voraussetzungen für ein Sportmotorrad. Aber nein, die Street Cup will nicht auf die Rennstrecke, dafür mangelt es ihr dann doch an Spitzenleistung und Drehvermögen. Allein schon der schwarz lackierte Doppelschleifen-Stahlrahmen gaukelt eindeutig ein „altes“ Motorrad vor und keinen modernen Racer. Das Fahrwerk ist – bis auf die Vorspannung der beiden Feder-Dämpferbeine – nicht einstellbar, arbeitet aber absolut zufriedenstellend.