Unterwegs im Bentley Continental GT Speed
Seite 3: Unterwegs im Bentley Continental GT Speed
Biss in den Pizzateller
Rundum innen belüftet sorgen vorne Scheibenbremsen der Dimension 405 × 36 und hinten immerhin noch 335 × 22 Millimeter für die Umsetzung des Vortriebs in Wärme. Und die mit ihrer Pizzateller-Größe momentan größten Serien-Bremsen am Kfz-Markt werden mit dem ernormen Vorwärtsdrang des GT Speed locker fertig. Bremst der Wagen von 300 km/h auf 80 km/h runter, haben wir das Gefühl, dass uns jeden Moment ein Fußgänger überholen könnte, so rapide geht die Verzögerung vonstatten. Fading ist dem Bremssystem auch nach harten Bergfahrten fremd. Wer es richtig krachen lassen will, kauft sich für 14.994 Euro einen Satz Keramikbremsen, die für für noch mehr Prestige und Sicherheitsgefühl sorgen. Andererseits: Für 200 Euro weniger gäbe es aber auch einen VW Polo 1.4 Trendline – und mit irgend etwas müssen schließlich auch die Hausangestellten zur Arbeit fahren.
Absolut direkt
Und die Lenkung? Um das Fahrzeug auch bei furchteinflößend hohen Geschwindigkeiten präzise auf Kurs halten zu können, hat sich Bentley so einiges einfallen lassen. Ein großer Teil der Aufhängung wird aus besonders leichtem Aluminium gefertigt. Der GT Speed kommt zudem in den Genuss von fest montierten vorderen Hilfsrahmen. Hinzu kommen Radträger aus hochfestem Aluminium und steifere Lagerbuchsen an den Hinterachsen. Es scheint zu wirken: Ist die Straße auch noch so eng und gewunden, das Handling bleibt bemerkenswert genau. Dabei neigt das fahrende Stück Luxus nur minimal zum Untersteuern unterwegs, wozu die für die Speed-Version des GT modifizierten Stabilisatoren beitragen.
Deutsches Herz im Briten
Seine unbändige Leistung von 610 PS verdankt der Brite seinem deutschen Herz aus dem Konzernregal: Der W12-Twinturbo stammt von VW. Mit viel Raffinesse haben ihm die Ingenieure noch 50 PS mehr eingehaucht als beim Serienmodell ohne "Speed". So werkeln in dem 750-Newtonmeter-Triebwerk leichtere Stößelstangen und eloxierte Kolbenringe, die höhere Drücke aushalten. Beim Betätigen des Anlassers lassens ich die zwölf Musikanten im Motorraum nicht lange bitten und schon stimmen sie ein eindringliches Grollen an, was außen deutlich stärker zu vernehmen ist als in der Kabine. Es folgt ein Druck auf den Knopf des Gang-Wahlhebels, der Griff bewegt sich in die Position "Drive" und es ist an der Zeit, Gas zu geben …