Frontbericht
Das so genannte Batmobil, Nissans GT-R LM Nismo, ist sicher das eigentümlichste Auto beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Gut sichtbar setzt es entgegen jeder Motorsportweisheit auf Frontantrieb. Doch das abseitige Konzept hat seine Gründe
- Wolfgang Gomoll
Le Mans, 16. Juni 2015 – Das so genannte Batmobil, Nissans GT-R LM Nismo, ist sicher das eigentümlichste Auto beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Gut sichtbar setzt es entgegen jeder Motorsportweisheit auf Frontantrieb. Doch das abseitige Konzept hat seine Gründe. Die Vorteile sollen späteren Serienfahrzeugen zugutekommen.
Beim Konkurrenten Audi ist man der Meinung, „was Nissan in Le Mans macht, ist ein gewagtes Unternehmen.“ Das ist noch höflich ausgedrückt. Andere Experten lästern über „Frontkratzer, die als rollende Schikanen“ dem Feld hinterherhecheln. Der Nissan GT-R LM Nismo ist vielleicht das coolste Auto bei den 24 Stunden von Le Mans, aber sicher nicht das schnellste. Im Qualifying hinkte der schnellste Nissan 20 Sekunden hinter dem Poleposition-Porsche her. Selbst Teams wie Rebellion und Bykolles zeigten den Japanern die Hinterräder.
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(Bild: Nissan)
„Wir stehen am Anfang“
Die Kritiker sehen sich angesichts dieser Fakten bestätigt: Frontantrieb mag in der seriennahen WTCC-Serie funktionieren, aber nicht bei den Hightech-Boliden der LMP1. Nissan selbst ist sich der Lage durchaus bewusst: „Wir stehen am Anfang des Programms und sind hier, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt der technische Direktor Ben Bowlby und beharrt darauf, dass Nissan einen Plan hat, egal, was alle anderen denken. Die Idee dahinter ist zumindest nachvollziehbar: „Wir haben das Prinzip der anderen Autos auf den Kopf gestellt“, erklärt Bowlby. Bei den Autos der LMP1 spielt die Aerodynamik eine große Rolle. Audi hat für das Rennen in Le Mans ein spezielles Aerodynamik-Paket konzipiert, das rund 30 km/h mehr Top-Speed bringt.