Folientaster selbstgemacht – von Hand oder mit der Maschine
Seite 2: Aufbau und Typen von Folientastern
Folientaster haben einen elastischen TastenÂhub sowie eine flexible und gleichzeitig dĂĽnne Oberfläche. Sie bestehen je nach AusfĂĽhrung aus metallischen SchnappÂscheiben oder den Polydomes aus PolyesterÂfolien, die als Federungszonen dienen, einer Trenn- sowie einer Leiterbahnschicht. Dazu produzieren wir alle benötigten Schichten nach unseren WunschmaĂźen und -formen. AnschlieĂźend setzen wir sie zu einem voll funktionsfähigen Folientaster zusammen.
1. Leiterbahnschicht
Die Basis unserer Folientaster bildet die Leiterbahnschicht, die aus offenen SchalterbrĂĽcken besteht. Diese werden durch das HerunterdrĂĽcken der sich jeweils darĂĽber befindlichen Folientaster geschlossen. Da wir flexible Folientaster herstellen wollen, bietet es sich an, diese Schicht mittels eines dĂĽnnen Materialträgers zu realisieren. Am einfachsten lässt sich die flexible Leiterbahnschicht durch das Aufkleben von Kupferbändern auf Papier umsetzen. Mit elektrisch leitfähigen Stiften können Leitungen auch gemalt werden. Dabei kann eine Schablone als Vorlage fĂĽr das eigene Design helfen. Wem dies zu mĂĽhselig ist oder wer eine hohe Leiterbahndichte in seinem Entwurf benötigt, kann auf spezielle Nano-Silber-Tinten zurĂĽckgreifen, die mit einem TintenÂstrahldrucker auf Folie oder Papier gedruckt werden.
Die individuellen Designs fĂĽr die Leiterbahnen können entweder manuell in einem VektorÂprogramm (z.B. Inkscape oder Adobe Illustrator) erstellt oder in einem fortgeschrittenen Electronic Design Automation (EDA) Programm entworfen werden (z.B. EasyEDA oder Autodesk Eagle). NatĂĽrlich ist auch die Nutzung anderer Grafik-Programme oder eine ganz freie Gestaltung ohne Vorlage möglich. Abhängig von der benötigten Anzahl und Anordnung von einzelnen Tastern, empfiehlt es sich, diese als Einzelschaltungen oder in einer Matrizenform zu realisieren. FĂĽr den Start und bei wenigen Schaltern empfehlen wir zunächst Einzelschaltungen.
Für größere und komplexere Tastenfelder eignet sich die Matrizenform, die mittels eines Zeitmultiplexverfahrens zyklisch abgefragt werden kann. Dadurch lässt sich die Anzahl der benötigen GPIO-Pins reduzieren, die für die Ansteuerung der Folientaster in Projekten nötig ist. Jedoch erfordert dieses Design oftmals Brücken zwischen den Leiterbahnen in der Umsetzung, sodass man etwas Erfahrung mitbringen sollte.
2. Trennschicht
Als Nächstes widmen wir uns der Trennschicht. Sie hat die Aufgabe, den Abstand zwischen Leiterbahn und Folientasters zu vergrößern. Hierzu verwenden wir eine klare PVC-Folie mit einer Stärke von 0,4 mm, in die wir Kreise schneiden. Die Aussparungen können beispielweise mit einem Locher, einem Schlageisen oder einer Lochzange in der richtigen Größe geschnitten werden. Wir haben die besten Erfahrungen mit einem Schlageisen gemacht, da sich die genaue Positionierung als einfach erwies, viele Größen verfügbar sind und es zudem keine Probleme beim Folienschnitt gab.
3. Polydome-Schicht
Die letzte Ebene fĂĽr die Folientaster wird auf die Trennschicht aufgebracht und ĂĽberbrĂĽckt beim HerunterdrĂĽcken die Schaltungen der Leiterbahnschicht. Im einfachsten Falle besteht diese Schicht aus einer Folie mit elektrisch leitfähigen Flächen. Wir legen jedoch besonderen Wert auf gewölbte Folientaster (Polydome Membrane Switches). Dazu verformen wir PolyesterÂfolien thermisch so, dass die charakteristischen Wölbungen mit einem passenden Druckpunkt entstehen und kleben später selbstklebende Kupferpunkte als Leiter ein. Die Polydome lassen sich angenehm herunter drĂĽcken, klicken dabei und bewegen sich selbstständig wieder in ihre Ausgangsposition zurĂĽck.
In unserem Ansatz der manuellen Prägung zeigen wir zunächst, wie man mit etwas Übung bereits mit kostengünstigen Materialien und einfachen Werkzeugen zu einem voll funktionsfähigen eigenen Folientaster kommt. Für eine schnellere und fehlerrobustere Herstellung empfiehlt sich der Bau einer einfachen Prägemaschine. Wie die Prägung mittels eines 3D-Druckers oder Portalroboters weiter automatisiert werden kann, ist unsere dritte Variante.