Das Wachstum privater Elektroautokäufe kehrt zurück – ohne Kaufprämie

Die meisten Elektroautos in Deutschland kaufen Firmen, private Autokäufer sind zurückhaltend. Marktbeobachter sehen bei ihnen jetzt aber zunehmendes Interesse.

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Elektroauto Fiat Grande Panda

Elektroauto Fiat Grande Panda

(Bild: Florian Pillau)

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Langsam nimmt der private Elektroauto-Markt in Deutschland wieder Fahrt auf. Im zweiten Quartal sind laut eigener Untersuchungen und begleitender Umfragen im Auftrag des Versicherers HUK Coburg so viele private Autobesitzer auf ein Elektroauto umgestiegen wie seit der Streichung der staatlichen Kaufprämie Ende 2023 nicht mehr.

Demnach entschieden sich zwischen Anfang April und Ende Juni im Schnitt 5,5 Prozent der privaten Besitzer bei der Anschaffung eines anderen Wagens für ein batteriebetriebenes Auto. Das war gut ein Drittel mehr als in den ersten drei Monaten des Jahres (4,1 Prozent). Fahrzeuge mit Hybridantrieb sind in der Auswertung für die aktuelle Ausgabe des "E-Barometers" nicht mitgezählt. Zudem hat der Gesamtbestand an privaten E-Autos im zweiten Quartal 2025 auf 3,2 Prozent spürbar angezogen. Damit hat sich die Bestandszunahme auf den höchsten Wert seit mehr als einem Jahr beschleunigt.

Die Bundesregierung hatte den Elektroauto-Zuschuss im Dezember 2023 gestrichen, danach war die Umstiegsquote von 6,2 auf unter vier Prozent gesunken. Die Auswertung beruht auf eigenen Daten, die HUK ist mit gut 14 Millionen Fahrzeugen Marktführer der Kfz-Versicherung in Deutschland. Anders als das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in seinen Zulassungsstatistiken wertet die HUK für ihr "E-Barometer" ausschließlich die Anmeldungen privater Autobesitzer aus, und zwar sowohl gebrauchter als auch neuer Fahrzeuge. Firmen- und Dienstautos sind ebenso wenig berücksichtigt wie die Fahrzeugflotten der Autovermieter.

Die begleitenden Umfragen des Umfrageinstituts Yougov bestärken den Eindruck, dass die Elektroauto-Skepsis schwächer wird. Erstmals bewertete eine relative Mehrheit von 48 Prozent E-Autos mit "sehr gut" oder "gut", 45 Prozent hingegen halten Batterieautos nach wie vor für weniger oder gar nicht gut. Anfang 2024 waren die Befürworter noch mit 37 Prozent in der Minderheit gewesen. Im Auftrag der HUK wurden vom 12. Mai bis 1. Juni 4180 Menschen ab 16 befragt. Die Vorlieben unterscheiden sich stark nach Alter, Geschlecht und Bundesland, vor allem Männer, Jüngere und Vielfahrer bewerten Elektroautos positiver. Letztere haben demnach offenbar kein ausgeprägtes Problem mit der Reichweite: 80 Prozent der E-Auto-Fahrer mit mehr als 12.000 Kilometer Jahresfahrleistung wählen beim Fahrzeugwechsel erneut ein E-Auto.

Neue und kommende Elektroauto-Modelle

In der Altersgruppe ab 40 sind im bundesweiten Schnitt nur 39 Prozent E-Auto-Befürworter, unter den Jüngeren von 16 bis 39 hingegen sind es knapp zwei Drittel (65 Prozent). Frauen sind noch skeptischer als Männer, 41 Prozent halten batteriebetriebene Autos für eine gute Sache, bei den Männern sind es bereits 55 Prozent. Am höchsten sind die Anteile der E-Auto-Besitzer in Bayern (3,7 Prozent) und Niedersachsen (3,6), in Sachsen (1,7 Prozent) am niedrigsten.

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Neben dem Bewusstseinswandel sieht die HUK-Versicherung auch den Gebrauchtwagenmarkt in einer tragenden Rolle für die wachsende Popularität von Elektroautos: "Käufe von Gebrauchtwagen sind um ein Vielfaches häufiger als Zulassungen neuer Fahrzeuge im deutschen Automarkt. Je mehr Elektroautos im Gebrauchtwagenmarkt daher eine Rolle spielen, desto stärker werden die Effekte sein". Dabei könnte die Politik helfen: 60 Prozent der Befragten ab 16 Jahren wollen, dass auch gebrauchte E-Autos bei einer staatlichen Förderung berücksichtigt werden.

(fpi)