Was kommt 2026? Motorrad-Vorschau, Teil zwei

Für die beliebtesten Segmente erfolgversprechende Bikes mit Modellen der großen japanischen Motorradhersteller und der Traditionsmarken MV Agusta und Triumph.

vorlesen Druckansicht
Triumph Trident 800

Triumph Trident 800

(Bild: Triumph)

Lesezeit: 9 Min.
Von
  • Ingo Gach
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Auf den beiden großen Motorradmessen Eicma in Mailand und Intermot in Köln wurden für 2026 so viele neue, erfolgversprechende Bikes gezeigt, dass eine Auswahl fast schwerfällt. Im ersten Teil haben bereits einige der wichtigsten Neuerscheinungen vorgestellt. Dieser zweite Abschnitt umfasst Modelle der großen japanischen Motorradhersteller Honda, Yamaha und Kawasaki, welche sich in den wichtigsten Segmenten gut verkaufen sollen, aber auch einen europäischen Außenseiter mit einem Ruf wie Donnerhall – MV Agusta.

MV Agusta hat sich inzwischen in der Nische der teuren Edel-Bikes etabliert und bietet mit der neuen Brutale 950 nach eigenen Maßstäben ein Einsteiger-Modell an. Als Konstante mit seit Jahren stabilem Erfolg dank eines konsequent attraktiv gehaltenen Programms darf die Traditionsmarke Triumph nicht fehlen.

Spannende Motorräder

Yamaha hat seine beliebte Sportmaschine R7 und den Offroad-Touren-Klassiker Ténéré in vielen Details überarbeitet. Beide dürften ihren jeweiligen Einsatzgebieten noch besser gerecht werden, was ihre höheren Preise rechtfertigen sollte. Honda verästelt sein Modellprogramm weiter und bietet eine CB 1000 F Bol d’Or auf Basis der 1000er-Hornet an, was in Zeiten der Retro-Mode keine schlechte Idee sein dürfte.

Mit dem Crossover-Bike Honda CB 1000 GT wird Honda viele Tourenfahrer abholen, denen eine Reiseenduro zu rustikal und nicht komfortabel genug ist. In dieser Klasse gibt es großen Zuwachs, weil die meisten großen Reiseenduros aus verstehbaren Gründen ohnehin nur auf Asphalt bewegt werden und das Publikum, das sich solche teuren Bikes leisten kann und will, immer älter wird.

Lediglich nachschärfen musste Kawasaki seine Z 650 S, die als gelungene Packung mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis schon eine gefühlte Ewigkeit ein Selbstläufer ist. Triumph findet mit unfehlbarer Präzision Lücken im Programm und pflegt liebevoll Modelle wie Trident 800 und Scrambler 900. Die beliebte Scrambler 900 bekam eine Überarbeitung, die Trident eine größere Motorisierung.

Zum Schrecken der Sportfahrer-Einsteiger ist 2025 die R7 aus dem Programm gefallen. Doch Yamaha hat die Zeit genutzt, um das beliebte Sportbike gründlich zu überarbeiten und bietet sie 2026 wieder an. Zwar tasteten die Entwickler den 689-cm3-Reihenzweizylindermotor nicht an, es bleibt also bei 73 PS bei 8750/min, aber der Rahmen wurde penibel überarbeitet und soll nun steifer und dennoch agiler sein, die neuen Räder leichter.

Für Sportfahrer-Einsteiger: Yamaha R7

(Bild: Yamaha)

Auch die voll einstellbare Upside-down-Gabel ist erleichtert und spricht sensibler an. Die Ergonomie von Lenker, Tank und Fußrasten ist feinjustiert, die Sitzhöhe sinkt auf 830 mm. Die neu geformte Verkleidung soll eine bessere Aerodynamik bieten. Vor allem aber erhält die R7 mehr und vielfach einstellbare Assistenz wie eine schräglagensensible Schlupfregelung und drei Fahrmodi. Die erheblich aufgewertete Ausstattung hebt den Preis der R7 allerdings auf 10.990 Euro.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter, Yamaha hat die nächste Version der Ténéré 700 vorgestellt, diesmal die neue World Raid. Sie zeigt sich rundum erneuert, optisch schlanker und verströmt wie kaum ein anderes Motorrad den Rally-Flair mit neuer, hoch aufbauender Verkleidung samt fast senkrecht stehendem Windschild und vier LED-Spots.

Mit der Yamaha Ténéré 700 World Raid erweitert sich die Ténéré-Palette um eine weitere Variante.

(Bild: Yamaha)

Im Doppel-Tank bunkert sie nicht weniger als 23 Liter, bietet aber durch dessen neue Form dem Fahrer mehr Bewegungsfreiheit. Das voll einstellbare Fahrwerk mit dickeren Tauchrohren und langen Federwegen der KYB-Komponenten ist neu abgestimmt. Im Hinblick auf Assistenz legt die Ténéré 700 World Raid deutlich zu, dank Ride-by-wire gehören Kurven-ABS, abstellbare Schlupfregelung, einstellbare Slide-Control und Tempomat zur Serienausstattung.

Auch das TFT-Display im Hochformat ist neugestaltet. Am exzellenten CP2-Motor bestand kein Anlass, etwas zu ändern, und so drückt er weiterhin mit 73 PS bei 9000/min an. Ihr Preis ist noch nicht bekannt, dürfte aber vermutlich oberhalb von 13.000 Euro angesiedelt sein.

Hondas legendäre Bol d’Or aus dem Jahr 1978 ist zurück, zumindest was die Optik angeht. Auf Basis der CB 1000 Hornet bauen die Japaner die CB 1000 F, die deutliche Zitate ihrer berühmten Vorgängerin übernimmt: langgestreckter Tank, dick gepolsterte Sitzbank, Heckbürzel und ein Rundscheinwerfer – heute mit LED-Licht.

Ein bisschen Retrocharme für den Hornet-Ableger: Honda CB 1000 F

(Bild: Honda)

Ihr Reihenvierzylinder stammt ursprünglich aus dem 2017er-Jahrgang des Superbikes Fireblade, wurde aber für den Landstraßeneinsatz neu abgestimmt. Sie leistet 124 PS bei 9000/min und, noch viel wichtiger, 103 Nm schon bei 8000/min, das Retro-Bike wiegt 214 kg. Die ersten beiden Gänge sind für die Straße kürzer übersetzt, die restlichen länger. Von der Hornet übernimmt die CB 1000 F den Stahlrohrrahmen, die Alu-Schwinge und das Showa-Fahrwerk. Der Einstiegspreis liegt bei 11.700 Euro.

Honda will seinen Beitrag zur immer beliebteren Klasse der Crossover-Bikes leisten, einer Mischung aus Sporttourer und Reiseenduro mit 17-Zoll-Gussfelgen. Sie wird befeuert von einem Reihenvierzylinder, der einst seinen Dienst in der 2017er-Fireblade versah.

Für die Reisemaschine stimmt Honda Motor und Getriebe neu ab: Honda CB 1000 GT

(Bild: Honda)

Für mehr Alltagstauglichkeit nahmen die Entwickler die Höchstleistung auf 150 PS bei 11.000/min zurück und stärkten den Durchzug mit 102 Nm bei 8750/min sowie kürzer übersetzten Gängen zwei bis sechs. Die CB[ 1000 GT verbindet Komfort mit Sportlichkeit. Sie verfügt über ein semi-aktives Fahrwerk, einen hohen, breiten Lenker und eine gut gepolsterte Sitzbank. Honda spendiert ihr eine großzügige Serienausstattung inklusive Koffer und viel Assistenz. Für 13.800 Euro bekommt der Käufer ein kräftiges Crossover-Bike, bei dem kaum Wünsche offen bleiben.

Die Honda CB 1000 GT im Detail

Die Z 650 gehört schon seit Jahren zu den absoluten Bestsellern in Deutschland, jetzt kommt sie renoviert als Z 650 S zu den Händlern. Das von Kawasaki erfundene „Sugomi”-Design wirkt mit dem bösen Blick noch etwas krasser. Die Linienführung der kleinen Frontverkleidung und des Tanks ist überarbeitet. Für eine mehr vorderradorientierte Sitzhaltung rückte der nun breitere Lenker weiter nach vorn und nach oben.

Modellpflege für den Bestseller Kawasaki Z 650 S

(Bild: Kawasaki)

Außerdem sind die Fußrasten neu positioniert und die Sitzbank um 15 mm mehr aufgepolstert. Das 4,3-Zoll-TFT-Display hat ein renoviertes Layout und kann mit dem Smartphone verbunden werden. Es bleibt beim 68 PS starken Reihenzweizylinder als Antrieb, der wenig Mühe mit den 190 kg Leergewicht hat. Die Z 650 S gibt es für 7545 Euro.

Ein Lebenszeichen von MV Agusta. Nachdem Kurzzeitbesitzer KTM sich von der italienischen Traditionsmarke wieder getrennt hatte, hörten viele schon die Totenglocken für MV Agusta. Doch sie setzen ihre Entwicklung unbeirrt fort und präsentieren mit der Brutale 950 ein wunderschönes Naked Bike.

Schnell und chic mit einem neuen Dreizylinder: MV Agusta Brutale 950

(Bild: MV Agusta)

Wenn die Italiener eines können, dann ist es Design: die neue Brutale – zunächst als limitierte Serie Oro – zeigt schwungvolle Linien, viel Gitterrohrrahmen und einen betörenden Dreizylinder, der in drei übereinanderliegenden Auspuffrohren endet. Der 931-cm3-Motor leistet 148 PS, was bei 195 kg Trockengewicht für eindrucksvolle Fahrleistungen sorgen dürfte, der Hersteller gibt 260 km/h Höchstgeschwindigkeit an. Die erste Serie Oro mit gold lackiertem Aluminiumrahmen, Schwinge und Felgen sowie Öhlins-Fahrwerk und Brembo-Hypure-Bremssätteln gibt es für 26.100 Euro und mit fünf Jahren Garantie. Erfahrungsgemäß ist ein später folgendes Basismodell günstiger zu haben.

Vorstellung MV Agusta Brutale 950 Serie Oro

Die Scrambler  900 wurde 2025 von vielen Fans schmerzlich vermisst, für 2026 meldet sie sich frisch renoviert und mit der Abgasnorm Euro 5+ zurück im Line-up von Triumph. Der 900er-Reihenzweizylinder leistet weiterhin 65 PS bei 7250/min und bietet sattes Drehmoment ab Standgas. Die Scrambler 900 zeigt sich in vielen Punkten aufgewertet, so montiert Triumph vorn eine Upside-down-Gabel von Showa, das 19-Zoll-Vorderrad wird mithilfe radial montierter Bremssättel verzögert.

Triumph Scrambler 900: Technisch und optisch aufgewertet

(Bild: Triumph)

Hinten ist eine Aluminiumschwinge mit zwei Federbeinen des Zulieferers Showa verbaut, ein neues Design bekommen die Kreuzspeichenräder aus Aluminium. Mit je 120 mm Federweg vorn und hinten ist die Scrambler 900 nur bedingt offroad-tauglich. Der Tank fasst weiterhin 12 Liter, ist aber neu geformt, ebenso wie die Seitenverkleidungen, der Kettenschutz und die Hitzebleche der doppelrohrigen Auspuffanlage. Im Cockpit informiert nun ein LC-/TFT-Display. Die Scrambler 900 gibt es für 11.995 Euro. Triumph bietet vier Jahre Garantie.

Videos by heise

Triumph baut die Modellreihe mit dem neuen 800er-Dreizylinder weiter aus. Die Trident 800 sieht der kleineren 660 sehr ähnlich, ist aber eigenständig. Der muskulös wirkende Motor und der rundliche Tank treten in den Vordergrund. Das Heck läuft spitz zu, aber im Gegensatz zur 660er hat die 800er einen gut sichtbaren Endtopf.

Triumph Trident 800: Leicht, kräftig und günstig

(Bild: Triumph)

Der 798-cm3-Motor erwies sich schon in der Triumph Tiger[ ]Sport[ ]800 mit viel Dampf und Drehfreudigkeit als mustergültig. Die Leistung gipfelt in 115 PS bei 10.750/min und muss im Fall der Trident 800 nur 198 kg Leergewicht beschleunigen. Ihr Fahrwerk stammt von Showa und ist vielfältig einstellbar. LED-Beleuchtung und viele elektronische Assistenzsysteme erleichtern dem Fahrer das Leben. Triumph beziffert den Preis für die Trident 800 auf nur 9695 Euro, was eine Kampfansage an die Konkurrenz ist.

(fpi)