Sportmotorrad Mash K750: Die Internationale
Das französische Sportkrad Mash K750 – schweizer Konstruktion, italienisches Design – wird in China gebaut. Spanien und Portugal kennen sie als Jedi Mitt K775.
(Bild: Mash)
- Ingo Gach
Die französische Marke Mash war bislang auf Retro-Modelle spezialisiert. Nun bringt sie eine moderne Sportmaschine auf den Markt. Dabei ist die neue K750 schon zwei Jahre alt. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die Tatsache, dass Mash seine Motorräder in China bei Jinan Jedi Motorcycle Technology – kurz Jedi – fertigen lässt. Dort wird das Motorrad als Jedi K750 bereits seit Anfang 2024 produziert und war so schon seit vergangenem Jahr als Mitt 775R in Spanien erhältlich.
Sprung in die Gegenwart
Mash ist damit im beliebten Segment der sportlichen Mittelklasse vertreten und kann sich dadurch größere Verkaufschancen erhoffen als seine Modelle in der leicht angestaubten Retro-Ecke. Im Gegensatz zu den Modellen im Look der 60er- oder 70er-Jahre mit luftgekühlten Einzylindermotoren (Test) macht die K750 den Sprung in die Gegenwart. Sie wird von einem flüssigkeitsgekühlten Reihenzweizylinder angetrieben, der aus 730 cm3 Hubraum 78 PS bei 8500/min und 69 Nm Drehmoment bei 6900/min holt. Für die Entwicklung des Motors zeichnet sich der Schweizer Ingenieursdienstleister Suter Industries verantwortlich. Der ehemalige 250er-WM-Fahrer Eskil Suter hat sich seit vielen Jahren einen ausgezeichneten Ruf als Motorenentwickler erworben.
Mash K750 Teil eins (7 Bilder)

Mash
)Design aus Italien
Die K750 bietet einen modernen Anblick mit einer schnittigen Vollverkleidung, die nahtlos in die Tankabdeckung übergeht. Der Kniff wirkt sehr elegant an der in Rot und Weiß lackierten Sportlerin. Das Design stammt vom italienischen Studio Marabese, das in den vergangenen 40 Jahren schon für viele namhafte Hersteller Modelle entworfen hat. Die Gussfelgen mit den gekreuzten Speichen sind hübsch anzusehen, das knappe Heck benötigt einen langen Ausleger für Kennzeichenträger samt Blinker. Die LED-Rücklichter sind zweigeteilt und unter dem Fahrersitz – der Pilot hockt in nur 790 mm Höhe – suggeriert viel Luft große Leichtigkeit.
Einarmschwingen sind eigentlich out
Fette Einarmschwingen sind zwar eigentlich nicht mehr im Trend, weil sie meist schwerer sind als Zweiarmschwingen, machen aber optisch immer noch viel her – so kommt das Hinterrad besser zur Geltung. Auch die gefrästen Aluminium-Fußrasten hinterlassen einen sehr positiven Eindruck. Der sehr kurze Auspuff ist nicht mehr als ein Röhrchen, das aus dem hinteren Teil der Verkleidung lugt, unter dem Motor versteckt sich der sehr voluminöse Vorschalldämpfer.
Zwei Paar Blinker vorn
Die Front prägt ein LED-Scheinwerfer im Hochformat, der in seiner Form an den alten Split-Face-Scheinwerfer von KTM erinnert. Eingerahmt wird er von zwei geschwungenen LED-Tagfahrlichtern. Der Windschild darüber ist leicht getönt. Eine ungewöhnliche Lösung wählten die Entwickler bei den vorderen Blinkern, denn es gibt zwei Paar: zwei schmale LED-Blinker sind an die Verkleidung montiert und zwei weitere in die Rückspiegel integriert. Über die Soziustauglichkeit braucht man, wie bei fast allen modernen Sportlerinnen, gar nicht erst nachdenken, eine längere Mitreise auf dem winzigen Sitz am äußersten Rand des Hecks kann niemand ernsthaft in Erwägung ziehen.
Mash K750 Teil zwei (7 Bilder)

Mash
)Einstellbare Gabeldämpfung
Getragen wird die K750 von einem Aluminium-Doppelschleifenrahmen. Das Vorderrad führt eine golden eloxierte Upside-down-Gabel von Showa, die sich in Zug- und Druckstufe einstellen lässt. Im Heck ist das Federbein in der Vorspannung variabel. Nicht lumpen lässt sich Mash bei den Bremsen: Vorn verzögern zwei radiale Vierkolbenbremszangen an 298-mm-Bremsscheiben im Wave-Design von Brembo, das ABS stammt von Bosch. Handbremshebel und Kupplungshebel sind an der K750 einstellbar. Im Cockpit informiert ein fünf Zoll großes TFT-Display, das sich mit dem Smartphone per Bluetooth verbinden lässt.
Keyless-Entry
Die Mash verfügt zudem serienmäßig über Keyless Entry, Reifendruckanzeige und eine USB-A-Steckdose. Nach Schlupfregelung, Quickshifter, Fahrmodi oder anderen elektronischen Assistenzsystemen fragt der Kunde jedoch vergeblich. Für die Reifendimensionen wählten die Entwickler die üblichen Formate 120/70-17 und 180/55-17. Als Erstausrüstung kommt der Michelin Power 5 zum Einsatz, nicht der aktuellste Reifen, aber immer noch mustergültig.
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Mit 217 kg kein Leichtgewicht
Auch wenn die K750 schlank wirkt, kann sie das Versprechen nicht ganz einlösen. Sie wiegt mit vollem 14-Liter-Tank 217 kg. Für ein Sportbike in der Hubraumklasse ist das geradezu adipös. Der Preis von 7699 Euro erscheint wiederum verführerisch günstig für eine schicke Sportlerin mit einer akzeptablen Ausstattung.
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Konkurrenz von Mitt, theoretisch
Die spanische Mitt 775R ist das identische Motorrad in anderen Farben für 6995 Euro und mit drei Jahren Garantie wie bei Mash. Mitt beziffert die Leistung allerdings auf 80 PS und das Leergewicht auf 205 kg. Wie die Differenz von zwei PS und satten 12 kg bei identischen Motorrädern zustande kommen soll, erklärt der Katalog nicht.
Dass der Gewichtsunterschied durch eine simple Nichtberücksichtigung des Kraftstoffs zustande gekommen sein könnte, lässt sich nur auf den ersten Blick vermuten, denn 14 Liter Sprit wiegen zwischen 10,5 und knapp 11 kg. Wer nun sicherheitshalber eine Mitt vorzuziehen plant, sollte wissen, dass die Marke noch auf der iberischen Halbinsel beheimatet ist, in Deutschland existiert bislang nur ein einziger Händler. Mash ist hierzulande deutlich umfangreicher vertreten.