Unterwegs in einem Brennstoffzellen-Auto durch Australien

F-Cell World Drive nennt Mercedes die Werbetour von drei B-Klasse-Modellen mit Brennstoffzelle quer über die Kontinente. Der Konzern will auf 30.000 Kilometern die Alltagstauglichkeit der Technologie demonstrieren

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Von
  • Gregor Hebermehl
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Melbourne (Australien), 13. April 2011 – Manchmal ist es gar nicht so einfach, vier Kilogramm Wasserstoff von A nach B zu befördern: Platz findet diese Menge des "Knallgases", das leichter ist als Luft, in unserem F-Cell-Mercedes nur, wenn sie auf 700 bar komprimiert wird. Bei der Werbetour, den drei mit Brennstoffzelle ausgerüstete B-Klasse-Modelle derzeit absolvieren, übernehmen diesen Part meist zwei Begleitfahrzeuge – denn schließlich sind Wasserstoff-Tankstellen noch äußerst dünn gesät: Ein großer Lkw mit rot lackierten Wasserstoff-Tanks dient als mobiles Reservoir, ein schwarzer Sprinter ist als Pumpstation ausgerüstet und drückt das Gas in die Tanks der Testwagen. Auf einer 30.000 Kilometer langen Reise quer über die Kontinente sollen die grellgrün lackierten Autos unter Beweis stellen, dass die Technik in allen Klimazonen alltagstauglich ist. In Australien konnten wir den Tross begleiten und saßen auf einer 1338 Kilometer langen Etappe von Sydney nach Melbourne selbst am Steuer.

Zunächst wuseln wir uns durch den dichten Stadtverkehr hinaus aus Sydney. Die Leute schauen unsere auffällig gefärbten Autos an, manche grüßen uns mit dem Daumen nach oben. Die B-Klasse ist das kleinste Modell, welches Mercedes in Australien anbietet. Ansonsten ist das Straßenbild nicht so viel anders als in Europa: Alfa, Hyundai, Peugeot, Toyota und Mazda sind gängige Marken. Am häufigsten sehen wir allerdings Modelle der australischen GM-Tochter Holden, deren Palette sich aber zum großen Teil aus umgelabelten Opel- und Chevrolet-Modellen zusammensetzt. Cool sind die Limousinen-Pick-ups wie der Holden Ute oder der Ford Falcon Ute, oft tiefer gelegt und mit schicken Felgen. Für europäische Fahrer angenehm: Die Australier benutzen das metrische System. Entfernungen werden also in Kilometer und Geschwindigkeiten in Kilometer pro Stunde angegeben. Bei Temperaturangaben ist Grad Celsius angesagt. Hingegen gewöhnungsbedürftig: "Down Under" herrscht Linksverkehr. Einmal raus aus Sydney wird das Fahren aber vollkommen stressfrei, Staus Fehlanzeige: In Australien leben 2,7 Einwohner auf einem Quadratkilometer – in Deutschland wohnen auf der gleichen Fläche im Schnitt 229 Personen.

Unterwegs in einem Brennstoffzellen-Auto durch Australien (40 Bilder)

Beim Start unserer Etappe in Sydney herrscht in der australischen Metropole reger Berufsverkehr.

Elektroautos mit einer Brennstoffzelle als Stromlieferant versprechen eine höhere Reichweite als ihre Pendants, die den Fahrstrom in einer Batterie mitschleppen müssen. "Lokal emissionsfrei" fahren also beide, dafür sind bei der Wasserstoff-Variante weniger und zudem kürzere Tankstopps notwendig als dies beim zeitaufwendigen Aufladen der Akkus der Fall ist. Soweit die Theorie: Das Tanken von vier Kilogramm Wasserstoff dauert an einer richtigen Wasserstoff-Tankstelle drei Minuten – allerdings braucht die uns begleitende mobile Tanktruppe 20 Minuten, um die B-Klasse zu füllen. Dabei wird der Wagen übrigens mithilfe einer an den Bremssattel hinten rechts geklemmten Zange geerdet. Wie sieht es nun mit der Reichweite aus?