Trotz Absatzwachstum schwierige Zeiten fĂĽr PC-Hersteller
In den Statistiken von Marktforschungsunternehmen zeigt sich eine Abschwächung der Wachstumsraten bei den Computerverkäufen in den USA und Westeuropa.
Aus den Statistiken der am gestrigen Montag veröffentlichten Studien zweier Marktforschungsunternehmen, International Data Corporation (IDC) und Dataquest, ist zu entnehmen, das sich das Wachstum im Computermarkt zunehmend abschwächt. Beide Marktforschungsunternehmen kommen zu sehr ähnlichen Zahlen. Danach legte der weltweite Computermarkt im zweiten Quartal um 18 Prozent zu, im Gegensatz zu Wachstumsraten von 26,9 Prozent im Vergleichsquartal des Vorjahres.
Von weltweit verkauften 30,1 Millionen PCs, Notebooks und Servern im zweiten Quartal gingen 11,7 Millionen in die USA. Bereits vier Quartale hintereinander sind die weltweiten Steigerungsraten größer als die in den USA – der Grund für die Steigerungen soll laut den Marktforschern vor allem von verbesserten wirtschaftlichen Verhältnissen in China, Japan und Lateinamerika zu suchen sein. Auf dem US-Markt für Heim-PCs sind die Anzeichen einer Übersättigung dagegen nicht mehr zu Übersehen, meinen die Analysten. Bislang seien ungefähr 58 Prozent aller US-amerikanischen Haushalte mit einem eigenen PC ausgestattet.
Allerdings entwickelt sich der Markt der Rechner für Firmenkunden schwierigier als derjenige für Heim-PCs. Im zweiten Quartal wuchsen die Absätze von PCs an Unternehmen um 11,5 Prozent gegenüber 32,6 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahrs – unter anderem durch Marktsättigung und eine zögerliche Akzeptanz des Betriebssystems Windows 2000, erklären die Marktforscher diese Zahlen.
Absolut gesehen spielt Westeuropa keine große Bedeutung bei den Steigerungen der Absatzzahlen. Immerhin 6 von 10 PCs werden aber in den USA und Europa verkauft. Um das Wachstum anzukurbeln, versucht die Industrie, die Kunden davon zu überzeugen, sie müssten öfter ihre Computer-Systeme erneuern. Auch durch neue PC-Typen, die etwa keine Erweiterungsmöglichkeiten böten, dafür aber besonders einfach zu bedienen seien, geben die Martkforscher der Industrie eine Chance, das Umsatzwachstum wieder auf ein bislang gewohntes Niveau zu heben. Compaqs iPaq, der e-Vectra von Hewlett-Packard oder die NetVista-Serie von IBM müssen hierfür als Beispiele herhalten.
Weltweit war Compaq der Computerhersteller Nummer 1 mit einem Wachstum bei den Verkaufzahlen im zweiten Quartal von etwa 5,8 Prozent. Allerdings verliert der Konzern aus Texas zunehmend Marktanteile, vor allem an Dell, die um 24,6 Prozent zulegen konnten. In den USA konnte Dell seinen Vorsprung als Nummer 1 der PC-Hersteller von 16,2 auf 18,7 Prozent weiter ausbauen, während Compaq als Nummer 2 sogar verlor: Der Marktanteil ging von 17 auf 14,5 Prozent zurück. Zur Zeit wächst allerdings kein anderes Computerunternehmen so schnell wie Hewlett-Packard, das den weltweiten Absatz um 34,2 Prozent steigern konnte. Auf dem US-Markt konnte das Unternehmen sogar um 44 Prozent zulegen und seinen Marktanteil von 8 auf über 10 Prozent verbessern. IBM hingegen musste mit weltweit minus vier Prozent und mit minus 18 Prozent in den USA Federn lassen.
Nach Veröffentlichung der Marktzahlen sanken am Montag die Kurse aller renommierten Computerhersteller. Selbst Apple mit seinen gerade erst vorgestellten neuen Modellen wie dem Cube, neuen iMacs und neuen G4-Rechnern konnte sich dem Börsentrend nicht entziehen.
Die Frage nach der Zukunft des PCs bleibt weiter offen. Bislang sind zwar Rückgänge in den Wachstumsraten zu verzeichnen, doch war 1999 auch ein ausgesprochen gutes Jahr für die Computerhersteller. Zur Zeit findet eine Verschiebung der weltweiten Absätze von den zum großen Teil gesättigten Märkten USA und Westeuropa zu den asiatischen und lateinamerikanischen Ländern statt. Die Industrie muss sich allerdings immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um Kunden von der Notwendigkeit eines "besseren" PCs zu überzeugen. Ob das mit den Versuchen gelingt, Apples iMac-Erfolg nachzumachen, ist inzwischen fraglich: Einige Hersteller wie Compaq und Dell haben ihre iMac-Plagiate bereits weitgehend vom Markt genommen. Auf der anderen Seite geraten die klassischen PC-Hersteller durch Surf-Terminals, Settop-Boxen und Internet-fähige elektronische Organizer immer mehr unter Druck, zumindest im Privatkundengeschäft. (mih)