Volvo XC90: Zwei neue Mild-Hybrid-Benziner

Hybrid: das klingt nach weniger Verbrauch, doch die zwei neuen Mildhybrid-Benziner im Volvo XC90 zeigen sich diesbezüglich unverändert. Auch bei der Abgaseinstufung gibt es keinen Fortschritt, was die Frage aufwirft, was dieses Update bringt?

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Volvo XC90

(Bild: Volvo)

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Es war ein wohlkalkulierter Aufreger, den Volvo im Juli 2017 verbreitete: Kein neues Modell solle mehr ohne E-Motor auf den Markt kommen. Manch einer dachte nun, Volvo würde sich zügig komplett vom Verbrennungsmotor verabschieden, doch das war selbstverständlich nicht gemeint. Die Schweden in chinesischer Hand wollen nur alle Motorisierung zumindest mit einer elektrischen Unterstützung versehen. Als erste Baureihe wird der XC90 von diesem Plan profitieren, der XC60 soll bald folgen.

Im Mai 2019 stellte Volvo schon einen Diesel mit Mild-Hybrid vor, der ebenfalls B5 heißt. Künftig wird das große SUV auch mit zwei Mild-Hybriden-Benzinern angeboten. Schon das „Basismodell“ B5 bietet 184 kW (250PS), die stärkere Ausführung B6 sogar 228 kW (310 PS). In beiden wird über den Startergenerator in ein 48-Volt-Bordnetz rekuperiert. Die Achtgang-Wandlerautomatik wird künftig nicht mehr „mechanisch“, sondern mit antippen bedient – shift-by-wire, ganz so, wie es die Konkurrenz schon seit einigen Jahren bietet.

Volvo XC90: Zwei neue Mild-Hybrid-Benziner (6 Bilder)

Der Volvo XC90 ist seit 2015 im Programm. Das groĂźe SUV war das erste komplett neue Modell, was unter der Regie des chinesischen Besitzers entwickelt wurde.
(Bild: alle: Volvo)

Die Mild-Hybride sollten natürlich vorrangig den Verbrauch senken. Vergleicht man die mit den gleichkräftigen Vorgängern, ist das zumindest im Zyklus nicht gelungen – die Angaben sind sowohl im NEFZ wie auch im WLTP absolut identisch. Volvo nennt je nach Reifen für den B5 Werte zwischen 7,9 und 8,1 Liter, der B6 liegt mit 8,1 bis 8,3 Liter nur knapp darüber. Seit einiger Zeit sind solche Angaben nur noch dann grob einzuordnen, wenn man in das Kleingedruckte abtaucht: „Bei den Angaben handelt es sich um WLTP-Messwerte, die nach NEFZ ausgewiesen werden“, schreibt Volvo. Es wird also im WLTP gemessen und dann – zur besseren Vergleichbarkeit, wie es heißt – auf den alten Messzyklus zurückgerechnet. Die aktuelle Preisliste verrät mehr als die Pressemeldung: Dort werden im WLTP 9,3 bis 10,5 für den B5 genannt, 9,8 bis 10,8 Liter sollen es im B6 sein.

Kein Fortschritt beim Verbrauch, und auch bei der Abgaseinstufung bringt die Umstellung auf die Mildhybride keinen Vorteil. Die ersten Autos werden mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp zu den Kunden zu lassen. Sie hat für erstmals zugelassene Autos nur noch bis Ende nächsten Jahres Bestand, mit einem Update auf die Euro 6d darf binnen Jahresfrist gerechnet werden. Wie viele andere Autohersteller baut auch Volvo darauf, dass genügend Kunden nicht so genau hinsehen – oder es ihnen schlicht egal ist, weil das Auto ohnehin nur geleast wurde.

Das ist kein feiner Zug von Volvo, zumal sich die Preise oben orientieren, ganz oben. Ein XC90 B5 Benzin ist nur in den zwei weniger teuren Ausstattungslinien „Momentum“ und „Momentum Pro“ zu haben. Unter 65.750 Euro Listenpreis ist nichts zu holen. Der XC90 B6 wird nur als „R-Design“ und „Inscription“ angeboten. Einstiegspreis hier: 74.650 Euro. Die Produktion des B5 Mild-Hybrid Benzin AWD startet im November dieses Jahres, der B6 Mild-Hybrid Benzin AWD folgt Mitte Februar 2020.

Leicht nachgebessert hat Volvo beim Plug-in-Hybrid im XC90 T8. Bisher war eine Batterie mit 10,4 kWh Kapazität eingebaut, was im WLTP für bis zu 35 km reichen sollte. Ab dem Modelljahr 2020 sind 11,6 kWh, mit denen das SUV im WLTP maximal 46 km rein elektrisch fahren kann. Warum die Verbrauchsangaben von Plug-in-Hybriden im WLTP nicht unbedingt aussagekräftiger geworden sind, haben wir hier für Sie aufgedröselt. Wer tatsächlich einen XC90 elektrisch auf Kurzstrecken betreiben will, muss zuvor kräftig investieren, denn mit einem Einstiegspreis von 83.900 Euro ist der T8 das teuerste SUV von Volvo. (mfz)