Studie zur Großhandelsflatrate verspricht Vorteile für alle
Britische Marktforscher haben eine Studie vorgestellt, die sich mit den ökonomischen Auswirkungen der Großhandelsflatrate in Großbritannien beschäftigt.
Die britischen Marktforscher von Analysys Research haben am heutigen Dienstag in Frankfurt eine Studie vorgestellt, die sich mit den ökonomischen Auswirkungen der Großhandelsflatrate in Großbritannien beschäftigt. Anlass ist der erste Jahrestag der Anordnung der Einführung der FRIACO (Flatrate Internet Access Call Origination) durch die britische Regulierungsbehörde Office of Telecommunications (OFTEL). FRIACO ist eine Großhandelspauschale zum Einkauf von Netzkapazitäten, die es Providern ermöglicht, Endkunden Internet-Zugänge zum Pauschaltarif ohne Zeit- oder Volumenbegrenzung anzubieten.
Die Ergebnisse der Studie erfreuten den Online-Dienst AOL so sehr, dass er die Rechte an der Studie prompt kaufte: Ihr zufolge stieg nämlich seit der Einführung von FRIACO die Internet-Nutzung der Einwahlkunden um rund 50 Prozent, ohne dabei zu einer Netzüberlastung geführt zu haben. Um diese Frage hatte es zwischen AOL und anderen Providern sowie der Deutschen Telekom bei der Einführung der deutschen Großhandelsflatrate einen langen und heftigen Streit gegeben. Ein wesentlicher Grund für das Ausbleiben der befürchteten Probleme ist laut Studie, dass die Großhandelsflatrate auf der höheren Netzwerkebene (ST FRIACO) phasenweise eingeführt worden ist. Ferner entlaste der Wechsel von erfahrenen Anbietern in das schnellere Breitbandnetz mit der Zeit das schmalbandige Netz. Die Migration zum Breitband trage mittelfristig dazu bei, dass zusätzliche freie Kapazitäten im schmalbandigen Netz zur Verfügung stehen.
Auch die weiteren Ergebnisse der Studie lesen sich wie eine vollständige Bestätigung jener Argumente im Streit um die Großhandelsflatrate, die AOL immer wieder gebetsmühlenartig vortrug: Nicht nur die Kunden, sondern auch die Anbieter von Netzinfrastruktur, Internet-Zugang, Inhalten und E-Commerce profitieren laut der Studie von der FRIACO. Den Providern biete das Modell größere und vor allem kalkulierbarere Umsätze, weil Flatrate-Angebote die Planungssicherheit bezüglich der Kosten für Netzwerkkapazitäten sowie der zu erwartenden Erlöse erhöhen. Längere Surfzeiten dienen dem E-Commerce, da sich die Surfer ohne Zeitdruck auf den Anbieterseiten umsehen können. Doch auch die British Telecom, die zum Anbieten der Großhandelsflatrate verdonnert wurde, profitiere letztlich von den steigenden Umsätzen sowie von der Transparenz und besseren Planbarkeit der Netzwerkkosten. Weitere Investitionen in die Schmalbandtechnologie seien also keinesfalls wirtschaftlich unsinnig, zumal die dank Flatrate verstärkte Nutzung des Mediums Internet die Nachfrage nach schnelleren Internet-Zugängen steigere.
Während AOL also von der britischen Großhandelsflatrate schwärmt, empfindet das Unternehmen zusammen mit vielen anderen Providern das momentan von der Telekom vorgelegte Angebot einer Großhandelsflatrate weiterhin als zu teuer. Ob aber AOL mit der eingekauften Studie dem Ziel einen Schritt näher kommt, doch noch eine preiswertere Großhandelsflatrate für ISDN- und Analog-Anschlüsse in Deutschland durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Eine kürzlich veröffentlichte entsprechende Forderung des obersten AOL-Chefs Steve Case jedenfalls hatte kein allzu großes Echo zur Folge. (axv)