Wie geht es der deutschen Motorradbranche

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Sicher bietet sich bezüglich des Händler-Sterbens ein ähnliches Bild in der Autobranche, doch die Bindung des Motorradfahrers an „seinen“ Händler ist ungleich stärker und begründet sich mit dem gemeinsamen Hobby und dem daraus resultierenden Vertrauen. Falls nicht gerade eine Neukauf ansteht, sucht der Autofahrer den Markenhändler nur auf, weil eine lästige Reparatur oder Inspektion fällig ist. Viele Motorradfahrer hingegen besuchen den Händler bzw. die Werkstatt ohne konkreten Anlass, „nur mal gucken“, was es Neues rund um ihr Hobby gibt und „Benzin reden“. An sonnigen Samstagen geht es bei manchen Motorradhändlern zu wie im Ausflugs-Café. Macht so ein Händler Pleite, ist nicht jeder Kunde bereit, den weiter entfernt gelegenen und ihm unbekannten Markenhändler aufzusuchen, was unter Umständen zum Markenwechsel oder gar zur Aufgabe des Hobbys führt.

Die Economica-Studie ist vom Industrie-Verband Motorrad in Auftrag gegeben worden. Dahinter steckt der Zusammenschluss aller in Deutschland tätigen Motorradhersteller, Motorradimporteure und der Motorrad-Zubehörindustrie, die ein ureigenstes Interesse daran haben, möglichst viel Euphorie zu verbreiten. Dass es aber gerade die Motorradhersteller sind, die ihre Markenhändler mit knallharten Verträgen, dünnen Margen und strengen Auflagen das Leben schwer machen, spiegelt die Studie nicht wider.

Licht am Horizont sieht der IVM vor allem bei den Leichtkrafträdern mit 125 Kubikzentimetern, die schon von Jugendlichen ab 16 Jahren mit dem A1-Führerschein pilotiert werden dürfen. In der Klasse hat die Zulassungszahl von Neufahrzeugen 2015 um fast 24 Prozent auf 19.196 Leichtkrafträder zugelegt. Das klingt sehr erfreulich, scheint die Jugend doch das Interesse am motorisierten Zweirad wieder gefunden zu haben. Doch auch hier sollte man gegenüber den Zahlen eine gewisse Vorsicht walten lassen: Längst nicht alle Leichtkrafträder werden von Jugendlichen bewegt. Tatsächlich sind die 125er auch bei erwachsenen Frauen sehr beliebt, und sogar bei Männern als handliches, günstiges Zweitmotorrad für die Stadt. Was nicht so gerne laut verkündet wird, ist die Tatsache, dass die Neuzulassungen der früher sehr beliebten Leichtkraftroller mit 125 Kubikzentimeter in den letzten drei Jahren um fast 3000 Stück gesunken ist, der 50er-Markt befindet sich gar im freien Fall: von 50.586 Einheiten im Jahr 2012 auf 32.637 Stück im letzten Jahr – ein Rückgang um rund ein Drittel!