E-Fuels: Produktionsanlage in Chile nimmt Betrieb auf

Siemens, Porsche und eine Reihe weiterer Firmen haben in Chile eine Anlage zur Produktion von synthetischem Kraftstoff in Betrieb genommen.

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Porsche tankt e-Fuels

Porsche argumentiert fĂŒr e-Fuels unter anderem damit, dass rund 70[ ]Prozent aller jemals hergestellten Porsche noch fahren. Es gehe also vor allem um die Dekarbonisierung des Bestands. Die zunĂ€chst vorgesehenen 130.000 Liter Jahresproduktion nimmt Porsche allein ab.

(Bild: Porsche)

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Siemens Energy und Porsche haben nahe der Stadt Punta Arenas eine Fabrik fĂŒr E-Fuels eröffnet. "Das ist nur der Anfang einer neuen Ära", ist sich Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner sicher. Die Anlage "Haru Oni" bei Punta Arenas ist nach Angaben der Unternehmen weltweit die erste Anlage zur industriellen Herstellung von E-Fuels.

Beteiligt sind an der Fabrik auch die Unternehmen HIF, Exxon Mobil, Enel, Enap und Gasco. Bei dem Projekt wird zunĂ€chst mit Strom aus Windenergie Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Anschließend wird CO₂ aus der Luft gefiltert und mit dem Wasserstoff ĂŒber den Zwischenschritt Methanol zu E-Fuel umgewandelt.

In der Pilotphase werden mit einer Windturbine mit 3,4 Megawatt Leistung 130.000 Liter pro Jahr hergestellt. Porsche nimmt die gesamte Menge ab und will den Treibstoff zunĂ€chst im Motorsport, bei Probefahrten mit Kunden und fĂŒr die Betankung von Oldtimern einsetzen. FĂŒr Porsche durchaus ein gewichtiges Argument, denn 70 Prozent aller jemals gebauten Porsche-Fahrzeuge seien noch immer auf der Straße. "Wir wollen den Fahrern die Möglichkeit geben, ohne schlechtes Gewissen ihre Fahrzeuge weiterzubetreiben", sagte Steiner.

In den kommenden Jahren soll die KapazitĂ€t gesteigert werden. In der nĂ€chsten Ausbaustufe werden 40 WindrĂ€der die Energie fĂŒr die Herstellung von E-Fuels liefern. Bis 2025 sollen etwa 55 Millionen Liter jĂ€hrlich hergestellt werden, bis 2027 rund 550 Millionen Liter. Sollte das gelingen, wĂŒrde die Anlage "Haru Oni" jĂ€hrlich einen Bruchteil dessen liefern, was aktuell tĂ€glich an Erdöl verarbeitet wird. Momentan sind das global etwa 100 Millionen Barrel Erdöl (ca. 15,9 Milliarden Liter) pro Tag, von denen etwa 80 Prozent verbrannt werden.

KĂŒnftig könnten E-Fuels direkt als Treibstoff oder als Beimischung zu herkömmlichem Benzin angeboten werden. Ob sich das wirtschaftlich rechnet, hĂ€ngt nach EinschĂ€tzung von Porsche vor allem vom Gesetzgeber ab. Sollte die Beimischung von diesem Treibstoff verpflichtend werden oder steuerlich stark begĂŒnstigt werden, könnten E-Fuels trotz eines aktuell noch recht hohen Herstellungspreises attraktiv werden. Die Betreiber der Pilotanlage haben sich eine HintertĂŒr aufgehalten, sollte die Nachfrage nach E-Fuels nicht anziehen. Die Fabrik stellt in einem ersten Schritt Methanol her, der auch anderweitig vertrieben werden kann.

"Mit Methanol haben wir einen Grundstoff, den man schon direkt als Treibstoff fĂŒr Schiffe nutzen kann. Außerdem kann man daraus auch Kerosin herstellen, denn gerade im Flugverkehr wird es auf lange Sicht sehr schwer, das Kerosin durch Elektrifizierung zu ersetzen", sagte Markus Speith von Siemens Energy. "Diese FlexibilitĂ€t wollten wir uns erhalten."

Kritik am insgesamt geringen Wirkungsgrad weist man vor Ort zurĂŒck. "Die Effizienz ist gar nicht so entscheidend. Ohne uns wĂŒrde der Wind hier gar nicht genutzt",so Rolf Schumacher von der Betreibergesellschaft der Anlage, HIF Global. Im SĂŒden von Chile sei Wind gewissermaßen im Überfluss vorhanden. Damit wĂŒrden die Windkraftanlagen dort wesentlich hĂ€ufiger unter Volllast laufen und in etwa dreimal soviel Energie wie vergleichbare WindrĂ€der in Deutschland produzieren.

FĂŒr Porsche ist die Investition in E-Fuels keine Alternative zum Elektroauto, sondern eine ErgĂ€nzung. "Wir halten daran fest, bis 2030 rund 80 Prozent der Neufahrzeuge zu elektrifizieren", sagte Porsche-Beschaffungs-VorstĂ€ndin Barbara Frenkel. "Mit E-Fuels wollen wir zur Dekarbonisierung der Bestandsflotte beitragen." Im SĂŒden von Chile hoffen die Menschen auf eine neue Wachstumsindustrie in der strukturschwachen Region. "Vor genau 77 Jahren wurde hier erstmals Öl entdeckt", sagte der BĂŒrgermeister von Punta Arenas, Claudio Radonich. "Jetzt hat sich das Paradigma geĂ€ndert. FrĂŒher stand das Öl fĂŒr Wohlstand, jetzt der Wind."

(mfz)