Elektroauto Cupra Born: Flotter VW-ID.3-Ableger im Fahrbericht
Nach dem Willen seiner Schöpfer ist der Cupra Born selbstverstÀndlich weit mehr als eine schnöde ID.3-Kopie. Wo hebt sich das Elektroauto tatsÀchlich ab?
(Bild: Cupra)
- JĂŒrgen Wolff
Die Seat Submarke Cupra, einst geschaffen, um besonders krĂ€ftige Autos mit einem eigenen Image â und entsprechend höheren Preisen â zu versehen, soll StĂŒck fĂŒr StĂŒck zu einem E-Auto-Anbieter werden. Die Frage, was dann fĂŒr die Stammmarke ĂŒbrig bleibt, ist interessant, soll hier und jetzt aber nicht im Mittelpunkt stehen. Denn mit dem Born bringt Cupra ein Elektroauto auf den Markt, dass trotz aller Gleichnis mit dem VW ID.3 eigene Akzente setzen soll. Das gelingt im Rahmen dessen, was innerhalb des Baukastens eben möglich ist, wie eine erste Ausfahrt zeigt.
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Optische Unterschiede
Optisch verÀndert hat Cupra, was immer mit vergleichsweise geringen Mitteln möglich war. Die Kunststoffverkleidungen vorn und hinten wirken aggressiver als beim ID.3, die Motorhaube im Falten-Look ebenfalls. Die Verkleidungen der Seitenschweller sind farblich abgesetzt. Der Born wirkt so durchaus nachgeschÀrft, die Basis allerdings ist unverkennbar.
Im Innenraum sollen feinere Stoffe den viel kritisierten Billig-Eindruck des ID.3 vermeiden, was zum Teil auch gelingt. Einige Kunststoffe, beispielsweise in der TĂŒrverkleidung, sind dennoch von bemerkenswerter Schlichtheit. Im kommenden Jahr will Volkswagen den ID.3 innen aufmöbeln. Gut möglich, dass davon der Born auch profitieren wird. Verarbeitet war der Testwagen schon jetzt sehr ordentlich.
Bequeme Sitze
Die Sportsitze mit starren KopfstĂŒtzen lassen sich auf vielerlei Weise und weitreichend einstellen. Sie dĂŒrften fĂŒr viele Staturen auch auf langen Strecken bequem sein. Das Platzangebot ist insgesamt etwas groĂzĂŒgiger als im Ă€hnlich langen VW Golf. Der Kofferraum ist mit 385 Litern praktisch identisch groĂ.
Cupra Born innen (9 Bilder)

Unterwegs fallen zwei Dinge schnell auf: Zum einen dringen Abroll- und WindgerĂ€usche hörbar in die Kabine vor. Der Cupra Born ist zwar nicht wirklich laut, ein Ort der Stille aber eben auch nicht. Der Testwagen war mit 20-Zoll-Felgen samt der aktuell so beliebten, geringen Flankenhöhe ausgestattet. Die Karosserie liegt vorn 15, hinten 10 mm tiefer als im ID.3. Diese VerkĂŒrzung der Federwege samt der flachen Bereifung sorgen dafĂŒr, dass der Born seine Insassen niemals darĂŒber im Unklaren lĂ€sst, wie es um die Beschaffenheit der StraĂe bestellt ist.
Auf der anderen Seite bedeutet diese Art der Abstimmung auch ein potenziell hohes Kurventempo mit nur geringer Seitenneigung, was ganz gut funktioniert, solange die StraĂe in einem guten Zustand ist. Zusammen mit der exakten Lenkung bereitet es durchaus Freude, den Born um Biegungen zu scheuchen.
Antriebe
Vier Antriebs-Varianten sind geplant, der Verkaufsstart erfolgt zunĂ€chst mit einem 150-kW-Motor und einer 58-kWh-Batterie. Die Varianten im Ăberblick:
| E-Boost-Version | ||||
| Energiegehalt (netto) Batterie in kWh | 45 | 58 | 77 | |
| maximale Ladeleistung in kW | 110 | 120 | 170 | |
| Reichweite in km (WLTP) | 340 | 424 | 420 | 540 |
| Motorleistung in kW | 110 | 150 | 170 | |
| Drehmoment in Nm | 310 | |||
| 0 auf 100 km/h in Sekunden | 8,9 | 7,3 | 6,6 | 7 |
Interessant fĂŒr Cupra sind die beiden e-Boost-Versionen mit jeweils 170 kW, die es aktuell konzernweit nur hier gibt. Zumindest fĂŒr den Augenblick ist der Born damit das stĂ€rkste Modell dieser GröĂe im Volkswagen-Imperium. Die gröĂeren SUV-Modelle beziehen in den Spitzenversionen ihre Mehrleistung durch einen zusĂ€tzlichen Motor an der Vorderachse. Das ist im Born nicht vorgesehen, hier bleibt es stets beim Heckantrieb.
Höhere Ladeleistung
Spannender erscheint uns ohnehin die höhere Ladeleistung im Topmodell. Spekuliert wird darĂŒber schon seit geraumer Zeit. Mit maximal 170 kW ist Volkswagen zwar nicht bei den Spitzenmodellen dabei, kommt ihnen aber deutlich nĂ€her als bisher. Bislang war der Modulare Elektrobaukasten auf eine maximale Ladeleistung von 125 kW beschrĂ€nkt.
Cupra Born auĂen (6 Bilder)

FĂŒr eine erste Ausfahrt stand die Version mit 150 kW bereit. Sie tut sich in dieser Verpackung noch etwas leichter als zuletzt im Skoda Enyaq iV 80 erlebt. Bei Tempo 160 km/h ist Schluss, doch bis dahin geht es ziemlich hurtig. 100 km/h sind schon nach 7,3 Sekunden erreicht. Leistung ist stets also reichlich vorhanden und spontan abrufbar, sodass der Schritt zur kleineren e-Boost-Version kaum sinnvoll erscheint. Denn das Plus von 20 kW lĂ€sst sich nur fĂŒr maximal 30 Sekunden abrufen. Ăberlegenswert wird dieser noch unbekannte Mehrpreis erst, wenn die gröĂere Batterie und/oder die höhere Ladeleistung wichtig sind. Denn beides gibt es zumindest vorerst nur im Topmodell.
Preise
Doch schon mit der Kombination aus 150Â kW und 58-kWh-Batterie bereitet der Cupra Born eine Menge Freude. 37.220Â Euro kostet dieses Paket. Vermutlich werden die meisten zumindest noch in WĂ€rmepumpe (990Â Euro) und Navigationssystem (im Paket ab 1350Â Euro) investieren. Inklusive dieser beiden Extras liegt der Listenpreis bei 39.560Â Euro, von denen der KĂ€ufer sogleich 9570Â Euro wieder abziehen darf. Ăbrig bleibt eine Summe, fĂŒr die es nicht ganz einfach werden dĂŒrfte, einen vergleichbaren Seat Leon zu bekommen.
(mfz)