Smartes Elektro-Stadtauto – bis auf den Antrieb: Smart EQ ForFour auf Testfahrt
Seite 2: Exorbitanter Verbrauch
Zunächst ungläubig reagiert man auf die Verbrauchsanzeige. Auch im Eco-Modus, der im alltäglichen Stadtverkehr mit seinen 37 kW vollkommen ausreicht, sind Verbräuche weit über 20 kWh/100 km auch ohne gemeingefährlichen Fahrstil möglich. Den Momentanverbrauch in die Nähe von 12 kWh/100 km zu drücken, erfordert kriminelle Energie gegenüber dem nachfolgenden Verkehr. Der Testverbrauch von 16,8 kWh ist zu achtzig Prozent bei nahezu idealen Bedingungen im Eco-Modus bei Stadtverkehr erreicht worden. Das sind in Anbetracht der Fahrzeuggröße indiskutable Werte.
Smart EQ Forfour Cockpit (8 Bilder)

(Bild: Florian Pillau
)
Verbunden mit einer Batteriekapazität von 17,6 kWh kann man von Glück reden, wenn man in der Praxis 100 km weit kommt. Ein Glück, das meist den Verzicht auf Heizung und Klimaanlage erfordern wird. Positiv bei unserem Testwagen war die Ausstattung mit LED-Scheinwerfern, die aber leider die Investition in ein knapp 3000 Euro teures Paket zusätzlich zur Ausstattungslinie Passion (knapp 2000 Euro) erfordert. Immerhin, beim Up und seinen Gleichmodellen gibt es sowas gar nicht. Schade, denn das LED-Licht hatte den geringsten Anteil an der geringen Reichweite des Smart.
Den Smart Forfour gibt es inzwischen auch als Renault Twingo. Dieser soll noch zum Jahreswechsel 20/21 als Twingo Electric mit einem auf 21 kWh vergrößerten Akku auf den Markt kommen. Ob der Smart dieses Update bekommt, ist nicht sicher. Die über 32 kWh – wohlgemerkt netto – die der Akku der Volkswagen-Up-Gleichmodelle bietet, bleiben aber eine komplett andere Liga. Der Smart-Antrieb ist zwar elektrisch, aber trotzdem nicht auf der Höhe der Zeit.
Ăśberzeugendes Fahrverhalten
Das ist insofern schade als das heckgetriebene Ei mit den kleinen Rädern auch auf kurvigen Landstraßen Spaß macht. Die Federung wirkt nicht störend straff. Im Kleinstwagenbereich erwartet man kein großes Schluckvermögen. Aber der Forfour enttäuscht auch nicht. Die Lenkung ohne Antriebseinflüsse ist ein bauartbedingtes Alleinstellungsmerkmal unter den Kleinstwagen. Da der Lenkeinschlag ohne Rücksicht auf Antriebswellengelenke viel größer ist, verkleinert sich der Wendekreis. Parallel zur Fahrbahn einparken wird damit zum Kinderspiel.
Alle Smart-Modelle sind serienmäßig mit einem Bordlader ausgestattet, der maximal 4,6 kW Ladeleistung bereitstellt. Laut Werk kann der Akku so an einer Wallbox (bei Smart 870 Euro plus Installationskosten) in 3,5 Stunden von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Gegen knapp 1000 Euro Aufpreis ist ein 22-kW-Bordlader erhältlich der diese Ladezeit auf nur 45 min minimieren soll. Empfehlenswert ist es grundsätzlich, Angebote von Wallboxen genau zu vergleichen. Ein Drittanbieter kann hier die viel günstigere Wahl sein.
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Interessant ist bei Smart, dass der optionale 22-kW-Bordlader das Aufladen an der gängigen 230-Volt-Steckdose erschwert. Braucht ein serienmäßiger Smart hier für die Ladung von 10 auf 80 Prozent 6 Stunden, erhöht sich mit 22-kW-Bordlader diese Ladezeit auf 8,5 Stunden. Der Hersteller erklärt dies mit einem schlechteren Wirkungsgrad des auf stärkeren Strom ausgelegten Systems im Haushaltsnetz.
Bei den Preisen verlangt Smart fĂĽr den Forfour einen saftigen Lifestyle-Aufschlag, was angesichts des unterdurchschnittlichen Antriebs mutig erscheint. Der fortwo beginnt in Grundausstattung bei gut 18.000 Euro in Schwarz. Unser Testwagen der Linie passion mit exclusive-Paket inkl. LED-Scheinwerfern, Multimedia-System, Tempomat sowie Winterpaket mit beheizbarem Lederlenkrad, Sitzheizung vierfach kommt brutto auf 27.000 Euro.
Nach Abzug der Umweltboni von 9000 Euro bleiben 18.000 Euro übrig. Ein hoher Preis, für den er gegen VW Up (Test) & Co. keine Chance hätte, die unterm Strich auf maximal 14.000 Euro kämen, wenn man sie denn bekäme. Bei Volkswagen kommen – nach derzeitigem Stand – zu 16 Monaten Wartezeit auch ein Preis von 23.000 Euro. Für dieses Geld sollte man sich eher einen Opel Corsa-e (Test) ansehen, der zwar nicht im Platzangebot im Fond, aber in Anmutung, Leistung und Reichweite eine Klasse höher liegt. Nach objektiven Kriterien zuraten kann man zum Smart nicht. Aber das ist nichts Neues. Trotzdem hat die Marke eine eingeschworene Fangemeinde.
Fazit:
Der Smart Forfour ist ein polarisierender Kleinstwagen mit guter Ergonomie, hohem Nutzwert und erfrischenden Ideen. Der Elektroantrieb ist jedoch nicht auf der Höhe der Zeit. Seine unglaubliche Ineffizienz führt zu geringer Reichweite. Da bekommt man woanders Besseres für weniger Geld. Schade, denn der Forfour kann Spaß machen.
Beide ĂśberfĂĽhrungen wurden vom Hersteller ĂĽbernommen, die Stromkosten trug der Autor.