Subaru Forester im Test: Mildhybrid in feiner Verpackung

Seite 2: Verbrauch, Fahrwerk, Fazit

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In der Praxis herrscht aber kein ernsthafter Mangel. Dank CVT zieht er bei Bedarf linear voran, zum Überholen auf der Landstraße reicht das Gebotene. Immer wieder schön zu erleben ist dabei die Laufruhe des Boxermotors: Selbst bei hohen Drehzahlen gibt es keine Vibrationen, kein Dröhnen, er klingt zudem in allen Bereichen angenehm, obwohl jederzeit präsent. Man wird die volle Leistung ohnehin selten nutzen: Der Forester mag es gelassen und übertragt das irgendwie auf den Menschen am Lenkrad. Ich bleibe dabei: Eigentlich ist nur er ein UV, das S gaukelt er nicht vor.

Was den Verbrauch betrifft, könnte ich nun ganz lapidar sagen: 7,5 Liter/100 km. Tatsächlich landete der Verbrauch ziemlich unabhängig von der Streckenführung immer wieder bei diesem Wert, Ausnahme Autobahn natürlich, dort geht es jenseits der 120 km/h natürlich aufwärts. Weniger waren aber nur unter Idealbedingungen gelegentlich machbar, andererseits hielt sich der Forester auch im artfremden Stadtbetrieb vergleichsweise zurück.

Das Batteriesystem ist trotz seiner 0,6 kWh ein ganz schöner Brocken, wie hier zu sehen ist. Es geht allerdings kaum auf Kosten des Laderaums, denn auch bei früheren Versionen des Forester gab es immer den soliden Styroporeinsatz für Werkzeug und Co.

(Bild: Gernot Goppelt)

Hier bewährt sich die Mild-Hybridisierung, die gewissermaßen eine mäßigende Wirkung auf den Verbrauch zeigt. Ohne sie dürften gerade bei kürzeren Strecken deutlich höhere Werte auf der Uhr stehen. Übrigens soll die Batterie mit ihren bescheidenen 0,6 kWh in Verbindung mit dem E-Motor eine rein elektrische Reichweite von 1,6 km ermöglichen. Das darf man aber ruhig als akademische Angabe betrachten, denn allenfalls bei leichten Gefällen fährt der Forester mal elektrisch – 12,3 kW für fast 1700 kg ergeben nun mal kein allzu performantes Leistungsgewicht.

Insgesamt fügt sich der Antrieb ein in einen Fahreindruck, der vor allem von Komfort und freiwilligem Vor-sich-hin-Cruisen geprägt ist. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist eher gemütlich, harte Schläge aber umgekehrt auch unterdämpftes Nachschwingen bleiben aus. Auf Landstraßen wankt der Aufbau gerne mal ein wenig, ohne dass die geländegängigen Federwege aber mit echten Nachteilen verbunden wären. Im Gegenteil lässt sich der Forester ziemlich zielgenau und praktisch ohne Seitenneigung durch Kurven steuern, das Gefühl von Fahrsicherheit ist hoch. Der Geradeauslauf ist nicht messerscharf, hier dürften die Reifen eine Rolle spielen, Marke Bridgestone Dueler, die als Offroad-Reifen auch ein wenig Gelände können müssen. Davon abgesehen passt das Lenkgefühl zum Fahrzeugtyp, nicht ausgesprochen direkt, gut balanciert und keinesfalls synthetisch.

Bei niedrigen Geschwindigkeiten lässt sich das Allradsystem zweistufig dem Untergrund anpassen. Der X-Mode ist im Kern eine Software-Funktion, die das Zusammenspiel von Motor, Allradkupplung, Stabilitätssystem VLC usw. anpasst. Beispielsweise wird im Snow-/Dirt-Modus Drehmoment von einem Rad weggenommen, wenn das gegenüberliegende durchzudrehen droht – ein mechanisches Sperrdifferential gibt es nicht. Auch der aktuelle Forester hat sich mehr Geländefähigkeit bewahrt, als viele andere in diesem Segment, vor allem in diesem Preissegment.

(Bild: Gernot Goppelt)

Kurz erwähnt sei noch das so genannte "Active Torque Split": Wie gesagt, hat der Forester einen permanenten Allradantrieb, die Kupplung in Längsrichtung dient aber nicht dazu, die Hinterachse zuzuschalten, sondern die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse abweichend vom Standardwert 60:40 zu variieren. So lässt sich zum Beispiel bei Kurvenfahrt Drehmoment nach hinten verschieben, um ggf. einem Untersteuern entgegenzuwirken. Subaru wertet hierfür diverse Sensoren aus, zu spüren ist davon im Fahrbetrieb nichts – außer eben ein auffällig stabiles Kurvenverhalten für einen solchen Hochwagen.

Wie immer stellt sich nun die Frage: An wen richtet sich der Subaru Forester, wer wird mit ihm glücklich? Vorbei sind endgültig die Wildwannen-Zeiten, der Forester ist so sehr für den rauen Alltag gedacht wie eine Barbour-Wachsjacke vom English Shop. Heißt: Er kann Gelände, richtig gut sogar, hält es aber sozusagen unauffällig in der Hinterhand. Er spricht sicherlich Kunden an, die gerne mal einen Ausflug in die "Countryside" unternehmen, hier bietet er Reserven wie nur wenige andere Fahrzeuge dieses Formats.

Auch im Umfeld von Wald, Weinbergen usw. zeigt er seine Stärken, aber für ein reines Nutzfahrzeug geht es im Innenraum mittlerweile eigentlich zu gediegen zu. Man könnte es auch so sagen: Der Subaru Forester verspricht nichts, was er dann im Ernstfall nicht liefern kann. Damit wird er weiter seine Freunde finden. Dass kürzere Strecken nicht mit übermäßig hohem Verbrauch bestraft werden, ist ein spürbarer Fortschritt.

Die Kosten fĂĽr die ĂśberfĂĽhrung wurden von Subaru ĂĽbernommen, jene fĂĽr Sprit vom Autor.