Test: Ducati Scrambler Café Racer
Wobei natürlich genau das einen Café Racer ausmacht, der Käufer weiß also, worauf er sich einlässt. Dabei hat Ducati für seine Verhältnisse noch Rücksicht genommen und die Lenkerstummel nicht tief angebracht, sie reichen sogar bis oberhalb der Gabelbrücke. Wer sich dagegen auf ein Superbike aus Bologna setzt, weiß, was eine quälende Körperhaltung ist ...
Alter Motor, aber bewährt
Viele liebevolle Details, wie die polierten und gefrästen Stopfen auf den Gabelrohren, die silbernen Nummernschildtafeln und den goldenen Zierstreifen auf den Tankblenden werten die Café Racer deutlich auf. Wie Ducati es geschafft hat, das winzige Vorderrad-Schutzblech durch die Zulassung zu bekommen, wird wohl ewig deren Geheimnis bleiben. Doch das sind genau die Sachen, die den Käufer scharf machen, gemäß dem Motto: Mein Bike hat etwas, das deines nie haben wird.
PS-Zahlen sind dem Ducati Scrambler-Fahrer relativ schnuppe, es geht um den Auftritt. Dabei kann die Café Racer sehr wohl sehr flott sein. Der V2 liefert sein maximales Drehmoment von 67 Nm bei 5750/min, über 6000 zu drehen ist meist unnötig und außerdem von hochfrequenten Vibrationen begleitet. Zwar marschiert der luftgekühlte Motor auch darüber noch ordentlich bis an den fünfstelligen Bereich und erreicht seine Maximalleistung erst bei 8250/min, aber so wirklich angenehm ist das nicht.
Surfen auf der Drehmomentwelle
Wer den Motor immer schön im mittleren Drehzahlbereich hält, wird auf kurviger Strecke selbst von bedeutend PS-stärkeren Bikes kaum abgehängt. Die Einspritzung ist gut abgestimmt und nimmt einwandfrei Gas an. Selbst im höchsten Gang zieht der Zweizylinder ab 2000/min durch, auch wenn er sich zunächst etwas schüttelt. Die Zeiten, als man für eine Ducati-Kupplung den Armumfang von Bud Spencer brauchte, sind Gott sei Dank vorbei. An der Scrambler lässt sie sich locker ziehen und das Getriebe schaltet sich erfreulich flüssig. Einziger Wermutstropfen: Der Kupplungshebel ist nicht einstellbar. Das sind Sparmaßnahmen, die in diesem Preisniveau vermieden werden sollten, denn es hinterlässt einen geizigen Eindruck beim Kunden. Dafür glänzt der Handbremshebel mit einem Einstellrädchen und hübschen radialen Brembo-Bremsarmaturen. Die Verzögerung mittels einer 330 mm großen einzelnen Scheibenbremsen vorne und Brembo-Monoblock-M4.32-Bremszange sowie einer 245 mm großen Scheibe hinten liegt auf gutem Niveau und arbeitet stets verlässlich.
Fahrwerk nicht einstellbar
Das Fahrwerk ist nicht einstellbar, abgesehen von der Vorspannung des Kayaba-Federbeins, funktioniert aber dennoch recht gut. Die Grundabstimmung von Vorderradgabel und Federbein – beide mit 150 mm Federwege versehen – ist eher auf der komfortablen Seite und gleicht selbst gröbere Löcher in der Asphaltdecke gut aus. Wer auf der letzten Rille unterwegs ist, kann auf welligem Untergrund schon mal leichte Schaukelbewegungen im Heck verspüren, die jedoch nie besorgniserregend werden.
Ansonsten entpuppt sich die Café Racer auf kurvigem Geläuf als Quell steter Freude. Mit einem Gewicht von 188 kg bei vollem 13,5 Liter-Tank stellt sie den Fahrer nie vor Probleme, sie lässt sich ohne großen Kraftaufwand einlenken. Der Nachlauf ist mit 94 mm zwar eher kurz, dafür der Lenkkopfwinkel mit 68,2 Grad relativ flach und der Radstand kommt auf 1436 mm. Daher ist die Scrambler Café Racer nicht übertrieben handlich, durchläuft aber die einmal eingeschlagene Linie wie auf Schienen.