Test: Ducati Scrambler Café Racer
Die Café Racer rollt übrigens als Erste der Scrambler-Baureihe vorne auf einem 17-Zoll-Rad statt auf einem 18-Zöller. Der Hinterreifen im 180er-Format ist zwar gut für die Show, aber ein schmalerer Pneu hätte die Handlichkeit sicherlich gesteigert. Für das Protokoll: Die Scrambler Café Racer erreicht auf der Autobahn knapp 200 km/h, aber das ist auf einem unverkleideten Motorrad kein Vergnügen.
Tief böllernder Sound
Die Scrambler Café Racer wäre keine Ducati, wenn sie keinen betörenden, tief böllernden Sound erzeugen würde. Dabei ist der V2 für Ducati-Verhältnisse erstaunlich gut gedämpft, die Euro-4-Norm lässt grüßen. Elektronische Assistenzsystem wie Traktionskontrolle, diverse Fahrmodi oder gar Schräglagen-ABS sucht man an der Scrambler vergeblich, auf diesen Firlefanz kann ein Retro-Bike getrost verzichten. Umso deplatzierter wirkt das digital Cockpit. Immerhin ist es ein kleines Rundinstrument, aber statt eines stilechten, analogen Veglia-Tachos bekommt man es mit nervösen Ziffern zu tun. Zwar sind sie einwandfrei ablesbar, wollen aber nicht ins nostalgische Konzept passen und zudem blendet das Glas, wenn die Sonne direkt darauf scheint. Der Informationsgehalt ist ausreichend, aber nicht umfassend: Eine Ganganzeige vermisst man ebenso wie eine für die restliche Reichweite.
Kleine Ärgernisse
Die schicken Rückspiegel an den Lenkerenden passen wiederum perfekt zum Café Racer, allerdings verbreitern sie das Motorrad deutlich. Beim Durchschlängeln von stillstehenden Fahrzeugkolonnen sollte man große Vorsicht walten lassen. Als ständiges Ärgernis entpuppt sich der Rückstellknopf des Blinkers. Der kleine, graue Knopf muss schon sehr konzentriert betätigt werden, damit er das Lichtsignal wirklich beendet. Oft genug sind mehrere Versuche notwendig, währenddessen man den restlichen Verkehr mit Dauerblinken irritiert. Der Scheinwerfer erfreut mit einem hellen Ring aus LEDs als Tagfahrlicht. Ein besonderes Schmankerl hält die Café Racer auf dem Tank bereit, im Tankdeckelverschluss ist „Born Free 1962“ eingraviert. In dem Jahr präsentierte Ducati ihren ersten Scrambler, damals noch ein 250-cm3-Einzylinder.
Fazit
Auch wenn die Scrambler Café Racer ein paar kleine Kritikpunkte aufweist, mindert das nicht ihre Schönheit und Faszination. Sie ist ein ehrliches Motorrad, das hält, was es verspricht: Ein echter Café Racer, der flott auf der Hausstrecke unterwegs ist und vor dem Lieblingslokal für Aufsehen sorgt. Ob die Café Racer 10.990 Euro wert ist, muss jeder Käufer für sich entscheiden, aber sie steuert sicher ihren Beitrag zum Erfolg der Scrambler-Reihe bei. (mfz)