Vorstellung Suzuki GSX-R 1000 R: Die neue Alte mit weniger Leistung
Suzuki bringt das Superbike GSX-R 1000 R zurück, fast identisch, nur mit weniger Leistung. Was nicht heißen soll, dass sie nicht immer noch beeindrucken könnte.
Die Suzuki GSX-R 1000 R blieb bis zuletzt ein ausgezeichnetes Motorrad fĂĽr Hobby-Racer.
(Bild: Suzuki)
- Ingo Gach
Der Name GSX-R hat unter Rennsport-Fans einen Klang wie Donnerhall. 1985 läutete die Suzuki GSX-R 750 eine neue Ära im Sportmotorradbau ein. Das atemberaubend schöne Sportbike hatte einen hochdrehenden Reihenvierzylinder mit 100 PS und einen Aluminiumrahmen, der das Gewicht auf 200 kg drücken half. Mit ihren tief positionierten Lenkerstummeln, einer Vollverkleidung mit Doppelscheinwerfer und einem Rennhöcker wirkte sie, als käme sie direkt aus der Langstrecken-WM. So radikal hatte sich noch kein Hersteller getraut, ein Sportmotorrad zu bauen, und die GSX-R 750 degradierte die Konkurrenz zu Statisten. Die ahmten die GSX-R natürlich sofort nach, und bis heute orientieren sich die meisten Superbikes an dem Konzept.
2021 kam das Aus fĂĽr die Legende
Als in den Regularien der Superbike-WM der Hubraum auf einen Liter aufgestockt wurde, sprang auch die GSX-R auf 1000 um. Generationen von Sportfahrern liebten die GSX-R, weil sie auf der Rundstrecke immer für vordere Plätze gut war, und 2005 holte sie unter Troy Corser auch endlich den ersehnten WM-Titel. 2015 kam der erste Schock, als Suzuki die Superbike-WM verließ. 2021 verkündete Suzuki, dass die GSX-R 1000 R nicht auf die Abgasnorm Euro 5 weiterentwickelt und in Europa deshalb nicht mehr angeboten werde. Auf einigen Märkten wie Nordamerika blieb sie aber unverändert im Programm. Schon in den Jahren davor hinkte die 1000er „Gixxer“ der Konkurrenz in Sachen Assistenzsystemen und Leistung etwas hinterher, obwohl sie bis zum Schluss ein sehr gutes Motorrad für Hobby-Racer blieb. Immerhin bot sie eine variable Ventilsteuerung und einen guten Durchzug (Fahrbericht).
Nicht die erhoffte Neuentwicklung
Anfang vergangenen Jahres kündigte Suzuki-CEO Toshihiro Suzuki (er heißt wirklich Suzuki, der Nachname ist in Japan weitverbreitet) an, die GSX-R 1000 R für 2026 auch wieder in Europa anzubieten. Er sagte: „Wir denken, dass es wichtig ist, ein supersportliches Motorrad auf den Markt zu bringen, weil es Suzukis Erbe ist.“ Viele erhofften sich eine Neuentwicklung auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, stattdessen kommt im Sommer die alte GSX-R 1000 R, lediglich auf Euro 5+ aufgemöbelt, zurück. Dafür wurden unter anderem die Steuerzeiten auf kürzere Überschneidung modifiziert, die Einspritzdüsen haben nun zehn statt acht Löcher, sie hat etwas größere Ventile und die Verdichtung wurde auf 13,8:1 angehoben.
Optisch identisch mit der Vorgängerin
Optisch ist die 2026er GSX-R 1000 R mit dem 2021er-Modell identisch, lediglich die kleinen Winglets an der Vollverkleidung sind neu und sollen mehr Abtrieb bringen. Sie wird als „40th Anniversary“ in drei Lackierungen angeboten. Experten dürften mit Wohlwollen registrieren, dass der Auspuff aus gebürstetem Titan am 2026er-Modell zwar nicht wirklich kurz, aber längst nicht mehr so monströs groß ist, wie am Euro-4-Bike. Beim Blick auf das Datenblatt könnten einigen Fans die Gesichtszüge entgleisen: 195 PS und 110 Nm. Das 2021er-Modell leistete noch 203 PS und 118 Nm.
Suzuki GSX-R 1000 R Teil eins (6 Bilder)

Suzuki
)Auch beim Leergewicht gibt es keinen Fortschritt, es bleibt bei 203 kg. Absolut gesehen sind 195 PS bei 203 kg natürlich eine sehr ernste Ansage, aber die meisten Konkurrentinnen liegen aktuell bei rund 218 PS und sind oft sogar einige Kilogramm leichter. Die Assistenzsysteme der Suzuki sind zwar ganz ordentlich, aber bei weitem nicht auf modernstem Stand. Im Cockpit erkennt man die betagte Konstruktion an einem LC-Display, während aktuelle Maschinen längst mit TFT-Bildschirmen ausgestattet sind.
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Keine Chance gegen die Konkurrenz
Für die Superbike-WM taugt die neue, alte GSX-R 1000 R daher nicht und es stellt sich die Frage, warum Suzuki sie überhaupt wieder bringt. Der Hintergrund dürfte wohl sein, dass für die bisherige GSX-R 1000 R nächstes Jahr die FIM-Homologation für die Langstrecken-WM ausläuft, an der Suzuki immer noch teilnimmt. Das SERT-Team holte 2024 mit ihr sogar den Titel. Dennoch ergibt es nicht viel Sinn, dass Suzuki ein altes Motorrad wieder anbietet, das im direkten Vergleich keine Chance haben wird.