Vorstellung Suzuki GSX-R 1000 R: Die neue Alte mit weniger Leistung

Suzuki bringt das Superbike GSX-R 1000 R zurĂŒck, fast identisch, nur mit weniger Leistung. Was nicht heißen soll, dass sie nicht immer noch beeindrucken könnte.

vorlesen Druckansicht 22 Kommentare lesen
Suzuki GSX-R 1000 R

Die Suzuki GSX-R 1000 R blieb bis zuletzt ein ausgezeichnetes Motorrad fĂŒr Hobby-Racer.

(Bild: Suzuki)

Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Ingo Gach
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der Name GSX-R hat unter Rennsport-Fans einen Klang wie Donnerhall. 1985 lĂ€utete die Suzuki GSX-R 750 eine neue Ära im Sportmotorradbau ein. Das atemberaubend schöne Sportbike hatte einen hochdrehenden Reihenvierzylinder mit 100 PS und einen Aluminiumrahmen, der das Gewicht auf 200 kg drĂŒcken half. Mit ihren tief positionierten Lenkerstummeln, einer Vollverkleidung mit Doppelscheinwerfer und einem Rennhöcker wirkte sie, als kĂ€me sie direkt aus der Langstrecken-WM. So radikal hatte sich noch kein Hersteller getraut, ein Sportmotorrad zu bauen, und die GSX-R 750 degradierte die Konkurrenz zu Statisten. Die ahmten die GSX-R natĂŒrlich sofort nach, und bis heute orientieren sich die meisten Superbikes an dem Konzept.

Spannende MotorrÀder

Als in den Regularien der Superbike-WM der Hubraum auf einen Liter aufgestockt wurde, sprang auch die GSX-R auf 1000 um. Generationen von Sportfahrern liebten die GSX-R, weil sie auf der Rundstrecke immer fĂŒr vordere PlĂ€tze gut war, und 2005 holte sie unter Troy Corser auch endlich den ersehnten WM-Titel. 2015 kam der erste Schock, als Suzuki die Superbike-WM verließ. 2021 verkĂŒndete Suzuki, dass die GSX-R 1000 R nicht auf die Abgasnorm Euro 5 weiterentwickelt und in Europa deshalb nicht mehr angeboten werde. Auf einigen MĂ€rkten wie Nordamerika blieb sie aber unverĂ€ndert im Programm. Schon in den Jahren davor hinkte die 1000er „Gixxer“ der Konkurrenz in Sachen Assistenzsystemen und Leistung etwas hinterher, obwohl sie bis zum Schluss ein sehr gutes Motorrad fĂŒr Hobby-Racer blieb. Immerhin bot sie eine variable Ventilsteuerung und einen guten Durchzug (Fahrbericht).

Anfang vergangenen Jahres kĂŒndigte Suzuki-CEO Toshihiro Suzuki (er heißt wirklich Suzuki, der Nachname ist in Japan weitverbreitet) an, die GSX-R 1000 R fĂŒr 2026 auch wieder in Europa anzubieten. Er sagte: „Wir denken, dass es wichtig ist, ein supersportliches Motorrad auf den Markt zu bringen, weil es Suzukis Erbe ist.“ Viele erhofften sich eine Neuentwicklung auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, stattdessen kommt im Sommer die alte GSX-R 1000 R, lediglich auf Euro 5+ aufgemöbelt, zurĂŒck. DafĂŒr wurden unter anderem die Steuerzeiten auf kĂŒrzere Überschneidung modifiziert, die EinspritzdĂŒsen haben nun zehn statt acht Löcher, sie hat etwas grĂ¶ĂŸere Ventile und die Verdichtung wurde auf 13,8:1 angehoben.

Optisch ist die 2026er GSX-R 1000 R mit dem 2021er-Modell identisch, lediglich die kleinen Winglets an der Vollverkleidung sind neu und sollen mehr Abtrieb bringen. Sie wird als „40th Anniversary“ in drei Lackierungen angeboten. Experten dĂŒrften mit Wohlwollen registrieren, dass der Auspuff aus gebĂŒrstetem Titan am 2026er-Modell zwar nicht wirklich kurz, aber lĂ€ngst nicht mehr so monströs groß ist, wie am Euro-4-Bike. Beim Blick auf das Datenblatt könnten einigen Fans die GesichtszĂŒge entgleisen: 195 PS und 110 Nm. Das 2021er-Modell leistete noch 203 PS und 118 Nm.

Suzuki GSX-R 1000 R Teil eins (6 Bilder)

Suzuki bringt die GSX-R 1000 R wieder auf den deutschen Markt, jetzt mit Emissionsnorm Euro5+. (Bild:

Suzuki

)

Auch beim Leergewicht gibt es keinen Fortschritt, es bleibt bei 203 kg. Absolut gesehen sind 195 PS bei 203 kg natĂŒrlich eine sehr ernste Ansage, aber die meisten Konkurrentinnen liegen aktuell bei rund 218 PS und sind oft sogar einige Kilogramm leichter. Die Assistenzsysteme der Suzuki sind zwar ganz ordentlich, aber bei weitem nicht auf modernstem Stand. Im Cockpit erkennt man die betagte Konstruktion an einem LC-Display, wĂ€hrend aktuelle Maschinen lĂ€ngst mit TFT-Bildschirmen ausgestattet sind.

Videos by heise

FĂŒr die Superbike-WM taugt die neue, alte GSX-R 1000 R daher nicht und es stellt sich die Frage, warum Suzuki sie ĂŒberhaupt wieder bringt. Der Hintergrund dĂŒrfte wohl sein, dass fĂŒr die bisherige GSX-R 1000 R nĂ€chstes Jahr die FIM-Homologation fĂŒr die Langstrecken-WM auslĂ€uft, an der Suzuki immer noch teilnimmt. Das SERT-Team holte 2024 mit ihr sogar den Titel. Dennoch ergibt es nicht viel Sinn, dass Suzuki ein altes Motorrad wieder anbietet, das im direkten Vergleich keine Chance haben wird.