Porsche 918 RSR – das "rasende Rennlabor"
Porsche zeigt auf der North American International Auto Show in Detroit die den Hybrid-Renner 918 RSR. Das experimentelle Mittelmotor-Coupé vereint als "Rennlabor" zwei Hybridkonzepte
- Gernot Goppelt
- skr
Detroit, 10. Januar 2011 – Der Porsche 918 Spyder wurde durchaus kontrovers diskutiert, vor allem wegen der VerbrauchsÂangaben, die zwar normgerecht, aber eben auch realitätsfremd waren. Andererseits wird man einem Porsche vielleicht auch nicht gerecht, wenn man ihn nach MaĂźstäben eines Toyota Prius bewerten will, denn der Hybridantrieb hat mehr Potenzial, als nur sparen zu können. Manch unbeugsamer Experte steht sogar auf dem Standpunkt, dass andere Stärken eigentlich interessanter sind: So kann der Hybridantrieb schlicht die Beschleunigung verbessern oder zum Beispiel mit radindividuellen Elektromotoren der Fahrdynamik auf die SprĂĽnge helfen. Von der Last der Vernunft befreit, schafft die Kraft der zwei Antriebe Raum fĂĽr tolle Ideen. So betrachtet ist Porsches neueste Kreation zwar nichts fĂĽr Freunde des sanften GasfuĂźes, aber allemal eine interessante Hybridstudie der sportlichen Art. Der Rennsportler 918 RSR wird vom 15. bis 23. Januar 2011 auf der North American International Auto Show vorgestellt.
Fast 770 PS Gesamtleistung
Der 3,4 Liter große V8-Verbrennungsmotor mit Direkteinspritzung ist aus dem 918 Spyder bekannt und eine Weiterentwicklung des Aggregats aus dem Rennwagen RS Spyder. Die Leistung beträgt 563 PS bei 10.300 U/min. Geschaltet wird über Paddles am Lenkrad, welche die Schaltbefehle an ein Sechsgang-Renngetriebe weitergeben. Die Elektromotoren an den beiden Vorderrädern steuern zusätzlich jeweils 75 kW (102 PS) bei. Zudem verhelfen sie dem Sportler zu einer Torque-Vectoring-Funktion mit variabler Antriebsmomentenverteilung an der Vorderachse – übrigens eine eher ungewöhnliche Lösung, denn bei Serienfahrzeugen wird das Torque Vectoring in der Regel mit einer Momentenverteilung an der Hinterachse vorgenommen.
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Der Porsche 918 RSR ist ein Rennsportableger des Hybrid-Sportwagens 918 Spyder.
Schwungrad speichert Energie
Die bei Bremsvorgängen gewonnene Zusatzleistung wird in einem Schwungradspeicher konserviert. Diese Technik stammt aus dem 911 GT3 R und wurde bereits im Renneinsatz erprobt. Der 911 GT3 R Hybrid bezieht seine Zusatzleistung durch Bremsenergie-Rückgewinnung. Diese Zusatzleistung steht bei voller Aufladung rund acht Sekunden zur Verfügung. Beim 911 GT3 R Hybrid kann diese Zusatzleistung je nach Rennsituation auch verbrauchsorientiert eingesetzt werden, zum Beispiel für spätere Boxenstopps oder eine Verringerung des Tankvolumens und damit des Fahrzeuggewichtes.
Wie funktioniert der Schwungradspeicher?
Der Schwungradspeicher im 918 RSR ist eine Elektromaschine, dessen Rotor mit bis zu 36.000 U/min kreist, um Rotationsenergie zu speichern. Die Aufladung erfolgt, wenn bei Bremsvorgängen die beiden Elektromotoren an der Vorderachse ihre Funktion umkehren und als Generatoren arbeiten. Aus dem geladenen Schwungradspeicher kann der Fahrer auf Knopfdruck die gespeicherte Energie abrufen und bei Beschleunigungs- oder Überholvorgängen einsetzen. Dabei wird das Schwungrad elektromagnetisch abgebremst, um dann aus seiner Bewegungsenergie jeweils bis zu 75 kW zusätzlich an die beiden Elektromotoren der Vorderachse zu liefern.