VW startet Elektroauto-Feldversuch
VW startet einen Flottenversuch mit dem Golf blue-e-motion in Wolfsburg – Hannover und Berlin folgen. Der Autobauer will mit repräsentativ ausgewählten Nutzern Technik und Alltagstauglichkeit erproben
- Gernot Goppelt
Wolfsburg, 12. Mai 2011 – Schon vor über einem Jahr stellte VW das Elektroauto Golf blue-e-motion vor, Anlass war die Gründungsveranstaltung der "Nationalen Plattform Elektromobilität". Der E-Golf, um ihn der Einfachheit halber so zu nennen, ist von einem normalen Golf kaum zu unterscheiden. Unter der Haube arbeitet ein Elektromotor mit maximal 85 kW, das Drehmoment beträgt 270 Nm, übertragen wird es über nur eine Übersetzungsstufe.
Die Lithium-Ionen-Batterie mit einem Energieinhalt von 26,5 kWh ist für eine Reichweite von durchschnittlich 150 Kilometer gut, praktisch ist das sicherlich nicht immer zu erreichen, weil Fahrweise und elektrische Verbraucher einiges davon abknabbern können. Bei Elektroautos kommt erschwerend hinzu, dass sie eine elektrische Heizung benötigen, weil nicht genügend Abwärme wie beim Verbrennungsmotor zur Verfügung steht. Unter günstigen Bedingungen sollen mit dem Golf aber auch mehr als 150 Kilometer möglich sein.
VW startet Elektroauto-Feldversuch (6 Bilder)

Die Serienversion des elektrischen Golf soll kurz nach dem elektrischen Up! auf den Markt kommen, also spätestens 2014.
Feldversuch in Wolfsburg
Am 11. Mai hat Volkswagen in Wolfsburg die erste Testflotte von zehn E-Golfs in Wolfsburg vorgestellt, sie soll genauere Einblicke in die Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge ermöglichen. Bis Ende 2011 sollen 28 Fahrzeuge erprobt werden, ab Juni folgen zudem E-Golf-Flotten in Berlin und Hannover. VW verteilt die Autos an Menschen, die ein breite Kundenspektrum repräsentieren sollen, also Privatpersonen, aber auch etwa Mitarbeiter von Behörden und Unternehmen. Die Teilnehmer erhalten jeweils eine Ladebox, an der sie das Auto zuhause aufladen können. Außerdem können alle öffentlichen Stromtankstellen in Wolfsburg genutzt werden – bisher gibt es zwar erst zwei davon, doch das soll sich schnell ändern.
Für die Teilnehmer an der Studie gibt es ein eigens eingerichtetes Web-Portal und ein Call-Center, wo man "fachkundige Betreuung" erhält und sich untereinander austauschen kann. Zudem kann man per iPhone und einer speziellen App einige Funktionen des Golf blue-e-motion fernsteuern. So lässt sich zum Beispiel der Ladestand der Batterie abfragen oder ein Ladevorgang aus der Ferne starten. Außerdem ist es möglich, die Heizung oder Klimaanlage schon vor Fahrtantritt anzuschalten, solange der Wagen noch mit der Ladestation verbunden ist. So müssen sich die energiehungrigen Aggregate während der Fahrt weniger aus der Batterie bedienen.
Auto-Scootern für alle
Erfreulich ist, dass nicht nur die kleine Testgruppe den Golf blue-e-motion ausprobieren darf. Ab 24. Mai kann jeder Interessierte in der Wolfsburger Autostadt unter Aufsicht eines Instruktors eine Spritztour mit dem Elektroauto machen, dafür ist eine Strecke von immerhin zehn Kilometer Länge vorgesehen. Der Strom für die Ladesäulen in der Autostadt stammt laut Volkswagen übrigens aus einem Wasserkraftwerk in Süddeutschland. In der Dauerausstellung "Level Green" kann man sich außerdem zur Elektromobilität allgemein, dem Flottenversuch und zur Strategie von Volkswagen bei der Elektromobilität informieren.