HP-Ermittler bekennt sich schuldig und kooperiert
Der maĂźgeblich an der SchnĂĽffelaktion des Computerkonzerns HP beteiligte Privatdetektiv hat sich schuldig bekannt und will den Ermittlern wichtige Informationen liefern.
Der für seine Verwicklung in den HP-Schnüffelskandal vor einem US-Bundesgericht angeklagte Bryan Wagner hat sich schuldig bekannt und will mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Wagner, der in der vergangenen Woche als erster Beteiligter der Affäre vom US-Bundesanwalt angeklagt worden war, gilt als unterstes Glied in einer langen Befehlskette, deren anderes Ende bis in den Aufsichtsrat des Computerkonzerns Hewlett-Packard reicht.
Der Privatdetektiv gab nun unter anderem zu, sich unter Angabe einer falschen Sozialversicherungsnummer und Vorspiegelung falscher Tatsachen ("Pretexting") Zugang zu den Telefondaten eines Journalisten des Wall Street Journal verschafft zu haben. Der Reporter war zusammen mit anderen Journalisten und HP-Mitarbeitern Ziel einer weit reichenden Ermittlung, mit der hochrangige HP-Manager ein Leck im Aufsichtsrat aufdecken wollten, ĂĽber das interne Informationen an die Presse gelangt waren.
Wagner Geständnis ist Teil eines bisher nicht veröffentlichten Abkommens mit der Staatsanwaltschaft. Die Einigung kommt wenig überraschend. Wagner will sich nicht zum Sündenbock machen lassen, und die Staatsanwälte interessieren sich eher für die Beteiligten weiter oben in der Nahrungskette. Der Ermittler hatte bereits bei seiner Anhörung vor einem Untersuchungsausschuss des Kongresses angedeutet, dass er wertvolle Informationen habe und bereit zur Kooperation sei. Wagner drohen im schlimmsten Fall bis zu sieben Jahre Haft. Wie die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten für seine Aussage entgegenkommt, ist nicht bekannt.
Wagner hatte als einer der mit den tatsächlichen Ermittlungsarbeiten Betrauter keinen direkten Kontakt mit den Verantwortlichen bei HP. Der Privatdetektiv wurde über Umwege von einer Sicherheitsfirma engagiert und mit den Aufgaben betraut. Dennoch heißt es, Wagner könne nachweisen, die eingesetzten Sozialversicherungsnummern direkt von HP-Angestellten erhalten zu haben. Der Detektiv, gegen den zusammen mit anderen Angeklagten noch ein Verfahren des Staates Kalifornien anhängig ist, hatte in beiden Verfahren angegeben, seine Auftraggeber hätten stets versichert, die angewandten Methoden seien legal.
Unter den Angeklagten in dem anderen Verfahren befinden sich auch ehemalige HP-Aufsichtsratschefin Patricia Dunn und der Ex-HP-Manager Kevin Hunsaker. Beide hatten vor Gericht auf "nicht schuldig" plädiert. Der Chef der Sicherheitsfirma, die Wagner angeheuert hatte, sitzt nicht auf der Anklagebank.
Siehe dazu auch:
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- Angeklagte in HP-Skandal bekennen sich "nicht schuldig"
- Mehr Fragen und wenig Antworten im HP-Skandal
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- Staatsanwalt sieht ausreichend Beweise fĂĽr Anklage gegen HP
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