Warten auf vier grüne Räder

Wer sich heute ein möglichst umweltfreundliches Fahrzeug kaufen möchte, hat trotz Klimaschutz-Hype noch immer eine erstaunlich geringe Auswahl. Warum braucht die Branche noch immer so lange?

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Man könnte ja eigentlich meinen, dass die Gefahren des Klimawandels diese unsere Automobilbranche so langsam motivieren würde, endlich eine große Auswahl an umweltfreundlich(er)en Fahrzeugen bereitzustellen. Und wer im September über die IAA schlenderte, wurde ja auch an jeder Ecke mit Stichworten wie "Natur" oder "Klimaschutz" zugeworfen - neben den üblichen PS- und Design-Protzereien.

Trotzdem ist die Netto-Auswahl an wirklich kaufbaren Öko-Fahrzeugen dann eher kläglich. Auch auf dieser Messe gab's das übliche Spiel der Prototypen und Studien, die der Messebesucher zwar manches Mal in Frankfurt besteigen, aber eben (frühestens) in Jahren dann bei seinem Händler vorfinden wird. Die Branche konzentriert sich lieber auf die übliche Modellpflege der Benziner- und Dieselfraktion - hier und da mit ein paar Gramm CO2-Ausstoß weniger.

Ein Beispiel ist der allgemein viel gelobte Anbieter Toyota. Natürlich kann man sich dort schon seit Jahren den hübschen Hybriden Prius kaufen - doch dessen Technik ist, mit Verlaub, so langsam angestaubt. Natürlich ist es fein, wie wenig Netto-CO2 er emittiert und wie Sprit-sparend er vergleichsweise ist - und auch Funktionen wie die Start/Stop-Automatik an der Ampel oder die Bremsenergierückgewinnung sollten eigentlich längst in jedem anderen Serienfahrzeug stecken.

Aber, und das ist ein großes Aber: Es geht technisch längst mehr als nur das. Sei es die Plug-In-Hybrid-Technik, die Toyota und andere seit Jahren ankündigen, aber wegen angeblich nicht ausreichender Batterieleistung immer wieder verschieben. Oder aber Voll-Elektro-Fahrzeuge, die in durchaus erstaunlich gut funktionierender Art und Weise sogar schon mal auf dem Markt waren.

Aber Öko-Marktführer Toyota bietet wenigstens bereits Fahrzeuge in Serie an. Die deutschen Hersteller haben es trotz allem immer noch nicht geschafft, einen einzigen echten Hybriden auf den Markt zu bringen. Da wirkt es etwas kläglich, wenn Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem IAA-Interview sagt, die Hybrid-Technik sei "keineswegs die Antwort auf alle Fragen". Natürlich nicht - aber es ist eine neue technische Antwort, die funktionieren kann. Bei Mercedes schraubt man hingegen an gerade einmal umweltfreundlicheren Dieselmotoren ("Bluetec") und kündigt wirklich Revolutionäres ("Diesotto") erst für die nächsten drei Jahre an.

Die eigentliche Frage ist doch diese: Geben wir uns damit zufrieden, was bereits erreicht ist - oder machen wir endlich Dampf? Aber bevor wir das können, müssten wir einmal ein bisschen das in Frage stellen, was uns seit Jahren lieb und teuer ist. Und eben nicht notwendigerweise auch wirklich brauchen.

Müssen wir wirklich mit mehrere Tonnen schweren S-Klassen durch die Gegend fahren, muss jede Fahrzeugkomponente über einen zusätzlich Sprit schluckenden Elektromotor angetrieben werden? Braucht wirklich jede Familie ein Auto, oder tun es auch vernünftig gemanagte Car-Sharing-Modelle? Wären emissionsfreie Elektrofahrzeuge bei den Reichweiten, die wir täglich tatsächlich fahren, nicht bereits jetzt ein marktreifes Angebot? Da geht doch viel. Wir müssen nur ran. (wst)