Infektionen: Wie sich Pandemien in Zukunft vermeiden lassen
Seite 2: Strohfeuer oder echter Ausbruch?
Um zum Beispiel sich anbahnende Infektionsausbrüche früh – sehr früh – zu erkennen, nutzen Überwachungsinstanzen wie die Informationsstelle für Internationalen Gesundheitsschutz (INIG) am Robert Koch-Institut beim Aufspüren von Ausbruchsherden immer häufiger KI-basierte Suchalgorithmen und andere Hilfssoftware.
Diese helfen den Forschenden, aus dem riesigen Wust von Signalen jene herauszufiltern, die auf ein echtes Risiko hinweisen. Sie machen sozusagen weltweit aufkommende Infektionsgroßbrände in einer riesigen Menge harmloser Kochfeuerstellen sichtbar.
Dabei kann sich das Team von INIG-Leiter Andreas Jansen nicht mehr allein darauf verlassen, dass Kollegen oder Zeitungsartikel aus anderen Ländern von ungewöhnlichen Erkrankungen bei Menschen oder Tieren berichten. Oder dass Berichte von Gesundheitsbehörden über eine regionale Häufung eintreffen. Es überwacht inzwischen auch soziale Medien wie Twitter: Tauchen hier vermehrt krankheitsrelevante Begriffe auf? Beim Durchforsten von schlecht zugänglichen Quellen wie Diskussionsforen und Online-Zeitungen hilft inzwischen das WHO-Tool EIOS (Epidemic Intelligence from Open Sources).
Raumschutzmaßnahmen könnten selbst vor unbekannten Viren schützen
"Diese internetbasierte SignalĂĽberwachung ist ein Teil der Epidemic Intelligence", sagt Jansen. "Doch sie generiert immer noch zu viele Signale, mehrere Tausend pro Tag, das kann keiner komplett durchsehen." Deshalb hat die WHO jĂĽngst auf einer Konferenz fĂĽr solche Systeme Weiter- und Neuentwicklungen angestoĂźen.
Nötig wären aber auch strukturelle Pandemieabwehrhilfen für ärmere Länder. Denn wo Krankenhäuser, Referenzlabore und einheimische Experten zur Untersuchung von Ausbrüchen fehlen, können auch keine klaren Meldesignale entstehen. Bei der Einrichtung solcher Strukturen sowie bei pandemiebedingten Maßnahmen wie Impfprogrammen soll das neu aufgelegte Programm "Health Emergency Preparedness Response and Resilience" (HEPR) von der WHO und der Weltbank helfen.
Um den wachsenden Bedarf an Epidemic Intelligence zu decken, entstehen zudem gerade neue Forschungsinstitute wie das zum Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung gehörende Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) in Greifswald und das WHO-Frühwarnzentrum "Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence" in Berlin. Das HIOH wird sich mit der Bedrohung durch das Auftreten neuartiger Krankheitserreger sowie mit der Veränderung bekannter Krankheitserreger beschäftigen.