Audi übernimmt den Motorradhersteller Ducati

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Die exklusive Desmodromik hat trotzdem überlebt, obwohl sie technisch wahrscheinlich nicht mehr unbedingt erforderlich ist. Auch in der heutigen "Monster" ist sie noch zu finden, allerdings nur noch in Verbindung mit Zahnriemenantrieb. Nachdem Ducati wie alle italienischen Marken in den 1980ern und 90ern Schwierigkeiten bekam, der Marktmacht der Japaner standzuhalten, kam der Erfolg mit eben dieser Monster zurück. Charakteristisch für das Modell war seinerzeit vor allem der filigran konstruierte Rohrrahmen unter dem langen, gestreckten Tank – am besten in Rot lackiert. Amüsant ist in diesem Zusammenhang, dass auch Suzuki dieses Konstruktionsprinzip zwischenzeitlich kopierte, doch das Original war und ist eben die Ducati – bis heute.

Und warum passt Ducati zu Audi? Man kann mehrere Gründe dafür finden, einen nennt Audi selbst: Der Motorradhersteller verfüge über "großes Know-how bei Hochleistungsmotoren und im Leichtbau und gehört zu den ertragsstärksten Zweiradherstellern weltweit". Der Vergleich zum Audi-Spaceframe mag ein wenig konstruiert sein, doch die Rahmenbauweise hier wie dort ist immerhin eine Parallele, die trefflich ins Bild passt. So wie das Image von Ducati: Der Motorradhersteller wird zur zweiten Supersportmarke neben Lamborghini, dessen Geschicke nun von Audi geleitet werden. Sogar räumlich liegen die italienischen Marken beieinander: Ducati seit seiner Gründung 1926 in Bologna und Lamborghini in Sant’Agata Bolognese nicht weit davon.

Zudem unterhält Ducati ein Werk in Thailand, was sich noch als wertvoll erweisen könnte. "Wir müssen die Chancen, die sich durch die Globalisierung für Audi bieten, nutzen", sagt der Audi-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch. Und "wir glauben, dass Audi der beste Partner ist, um den bereits erfolgreich eingeleiteten Globalisierungsprozess fortzusetzen", sagt Investindustrial-Chef Andrea Bonomi. Der Finanzinvestor hatte Ducati 2005 übernommen und freut sich nun über mutmaßlich 860 Millionen Euro, die der Motorradhersteller laut dpa gekostet haben soll.

Es geht aber nicht nur um Globalisierung: Wie Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung anmerkte, biete der Erwerb von Ducati dem Volkswagen-Konzern die Möglichkeit, über eine langfristige Strategie das Zweirad-Geschäft aufzubauen. Der Konzern schafft damit Möglichkeiten, die BMW von Hause aus hat und die auch beispielsweise Daimler offenkundig verfolgt, wenn auch bisher nur unter dem Dach der Marke Smart. Zweiräder könnten ein Revival erleben, weil sie in Zeiten steigender Spritpreise eine günstige Möglichkeit bieten, den Individualverkehr aufrecht zu erhalten. Man will allerdings niemandem wünschen, eine Ducati fahren zu müssen, weil er sich das Auto nicht mehr leisten kann, das wäre auch nicht in Audis Sinne.