Audi übernimmt den Motorradhersteller Ducati
Doch auch unter den Automobilherstellern setzt sich die Erkenntnis durch, dass man Individualverkehr vermehrt als Teil eines komplexeren Verkehrsverständnisses sehen muss. Demnach müssen Zwei- und Vierräder sowie der öffentliche Verkehr mehr zusammenwirken als bisher. Zudem bieten Motorräder eine realistische Möglichkeit, Elektrofahrzeuge anzubieten. Das Argument ist bekannt: Weil die Strecken kürzer sind und das Gewicht geringer ist, lässt schon aktuelle Batterietechnik die Vermarktung von Elektromotorrädern zu. Ohne Audi etwas unterstellen zu wollen: Wer einen A8 e-tron auf die Beine stellt, könnte auch ein elektrisches Monster im Sinn haben. Warten wir es ab und gönnen wir Ferdinand Piëch die Freude, endlich einen kleinen, feinen Motorradhersteller in seinem Reihen zu haben – passend zum 75. Geburtstag, den er am 17. April feiern durfte.
Weniger feierlich erklingt es heute dagegen aus Stuttgart, kein Wunder: "Mit der Übernahme von Ducati durch den VW-Konzern endet natürlich unsere Zusammenarbeit", sagte ein Mercedes Sprecher der dpa. Mercedes AMG hatte Ende 2010 seine Zusammenarbeit mit Ducati verkündet, ohne danach freilich allzu große Spuren zu hinterlassen. Ob es Audi auch bei einer eher symbolischen Zusammenarbeit bewenden lässt? Es scheint eher unwahrscheinlich, denn zu zäh haben die Verantwortlichen offenbar um den edlen Sportmotorrad-Hersteller gerungen.
Interessant wird auch zu beobachten, was die Übernahme für die Unternehmensstrukturen bedeutet. Der Deutschland-Importeur von Ducati sitzt in Köln, in Österreich ist ein Tochterunternehmen des ehemaligen deutschen Importeurs Ronald März für den Import und Vertrieb zuständig. Dort ist man nicht pessimistisch, was das eigene Schicksal angeht. Audi habe im Umgang mit Lamborghini schon einmal bewiesen, dass es dazu in der Lage ist, einem uritalienischen Unternehmen seinen Charakter nicht nehmen zu wollen. (ggo)