Govecs kündigt Elektroroller im Stil der Simson Schwalbe an
Letzlich schienen alle zusammen den nötigen Aufwand unterschätzt zu haben und schoben den Marktstart vor sich her. Seit 2013 waren die efw im Gespräch mit Govecs, im Herbst 2014 übernahm die münchner Firma das begonnene Projekt offiziell und krempelte mit Bosch die existierenden Pläne noch einmal sehr gründlich um. Mit dem Ergebnis des efw-Projekts hat die neue Schwalbe fast nichts mehr gemein.
So bekamen die Roller nicht nur Lithium-Ionen-Batterien von Bosch, sondern auch die bereits in anderen Rollermodellen von Govecs bewährte Antriebsschwinge. Ihr Prinzip ist klar darauf ausgerichtet, ungefederte Massen zu verkleinern und bewegtes Gewicht möglichst nah an den Drehpunkt zu verlagern, um ein optimales Abtastverhalten zu erreichen. Das erreicht Govecs mit einer Verteilung des schweren Elektromotors vor den Schwingendrehpunkt und einer Kraftübertragung durch einen leichten Zahnriemen auf eine Leichtmetallriemenscheibe auf der Achswelle des Hinterrads. Diese Anordnung vermeidet alle Nachteile der Radnabenmotoren der meist chinesischen Billigroller: Schlechte Bodenhaftung und geringer Komfort durch die große ungefederte Masse, die wegen des großen Umfangs für die interne Übersetzung der E-Maschine zusätzlich steigt sowie den Vibrationsstress für Lager und elektrische Bauteile. Die vordere Radführung ist eine konventionelle Telegabel, während das historische Vorbild mit einer geschobenen Schwinge fuhr.
Draht fürs ostalgische Herz
Weniger aus technischen Gründen, sondern vielmehr fürs ostalgische Herz hat man nicht vergessen, die Gussfelgen gegen solche mit Drahtspeichen zu ersetzen. Die Karosserie zeigt die typischen Wiedererkennungsmerkmale der Simme, ist aber im besten Sinne des Retro-Designs kein Abklatsch, sondern funktioniert auch eigenständig.
Das historische Vorbild war ein Roller, der mit seinen großen, spurstabilen Rädern die heute weit verbreitete Bauweise vorwegnahm. Heute nicht mehr aktuell ist dagegen seine geschobene vordere Schwinge. Motorisiert war das Kleinkraftrad mit einem 50 Kubikzentimeter kleinen Einzylinder-Zweitakter und erreichte 60 km/h. Zwischen 1964 und 1986 wurde die Simson Schwalbe über eine Million mal in sieben Generationen im Suhler Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ produziert. Die elektrische Schwalbe soll nun im polnischen Wroclaw (Breslau) entstehen. (fpi)