Im Test: Nissan Leaf
Aber noch ist die Reichweite ein besonders wichtiger Punkt. Jeder Interessent muss für sich prüfen, ob die mögliche Aktionsdistanz mit dem eigenen Fahrprofil übereinstimmt. Nissan gibt für den Leaf Tekna 270 Kilometer Reichweite nach WLTP an (16-Zoll-Versionen: 285 km). Hierbei gilt es zu beachten, dass dieser Normwert nicht mit der schlichten Division der Batteriekapazität durch die Werksangabe des Stromverbrauchs (Tekna: 20,6 kWh / 100 km; 16-Zoll-Versionen: 19,4 kWh / 100 km) ermittelt wird, sondern das Ergebnis eines spezifischen Messverfahrens ist.
Verbrauch
In der Wirklichkeit gelten die klassischen Grundsätze des Fahrens mit einem batterieelektrischen Auto: Je höher die Geschwindigkeit, desto höher der Verbrauch. Der Stromkonsum ist der Spiegel der Fahrwiderstände, und die sind auf der Autobahn wegen des Luftwiderstands am größten. Der durchschnittliche Realverbrauch des Nissan Leaf von 16,8 kWh auf 100 Kilometer (Onboardwert ohne Ladeverluste) ist also das Abbild eines gemischten Geschwindigkeitsprofils.
Der niedrigste Wert wurde mit 11,2 kWh im sonntäglichen Stadtverkehr erzielt. Auf der gleichen Strecke während der Rush-hour waren es 14,6 kWh. Im Überlandbetrieb lag der Verbrauch bei rund 13 kWh. Auf der Autobahn war die Spanne besonders groß: Am Pfingstsamstag führten zähfließender Verkehr und etliche Staus zu einem niedrigen Wert von 15,6 kWh. Einen Tag später bei freier Autobahn und dem Tempomat auf 120 km/h waren es knapp 18 und bei Richtgeschwindigkeit circa 20 kWh / 100 km.
Der Maximalwert von 22,4 kWh wurde bei einer Brachialfahrt über die Autobahn A1 von Hamburg Richtung Bremen angezeigt. Deren Ziel war nicht, zügig voranzukommen, sondern die Batterie so schnell wie möglich heiß zu fahren. Das gelingt besonders wirkungsvoll bei der Kombination aus sehr hoher Geschwindigkeit (= hohe Leistungsentnahme aus der Batterie) und ständigem Entschleunigen. Von 110 auf 144 km/h und zurück. Beim Rekuperieren, also dem Zurückgewinnen von Bremsenergie beim Verzögern über den Elektromotor, muss die Batterie hohe Leistungen aufnehmen. Dieser ungleichmäßige Fahrstil lässt den Akku schwitzen.
Wie wichtig ist #rapidgate?
Elektroauto-Fans und Kenner wissen, worum es geht: #rapidgate. Damit ist das Absinken der Ladeleistung- und damit der Ladegeschwindigkeit bei steigender Batterietemperatur gemeint. Der Nissan Leaf hat wie der Volkswagen e-Golf keine aktive Kühlung. Nach der ersten Etappe der Brutaltour war die volle Ladeleistung von rund 47 kW noch vorhanden. Beim zweiten Zwischenstopp dagegen brach sie auf knapp 16 kW ein. In beiden Fällen sollte von einem Ladestand (abgekürzt für State of Charge: SOC) von 30 Prozent auf SOC 80 Prozent geladen werden. Der zweite Versuch wurde mangels Geduld nach einer Stunde abgebrochen. Der Fahrer hat allerdings einen gewissen Einfluss auf die Temperatur: Bei gelassener und konstanter Fahrweise sank die Ladeleistung beim zweiten Ladestopp auf 31 und beim dritten auf 20 kW.