Raw-Konverter im Vergleich

Seite 10: Phase One Capture One Pro

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Capture One kommt von Phase One, dem Hersteller digitaler Mittelformatkameras und Kamerarückwände, also aus dem Profibereich. Das Programm unterstützt aber seit langem auch Mittelklasse- und sogar Rawfähige Kompaktkameras. In der Eigenwerbung behauptet der Hersteller, Capture One Pro 7 sei der weltweit beste Raw-Konverter. Unser Blick unter die Haube zeigt, dass das Programm konsequent auf einen guten visuellen Eindruck hinarbeitet und Mängel der Raw-Dateien überraschenderweise mit Rauschen zudeckt. Das ist unter den uns bekannten Konvertern einmalig, die Technik selbst ist aber nicht so neu. Photoshop beispielsweise fügt standardmäßig ebenfalls Rauschen (hier Dither genannt) hinzu, wenn aus einem größeren in einen kleineren Farbraum konvertiert wird, und Fotografen kennen den Trick, durch Hinzufügung von feinem Korn den Schärfeeindruck eines Bildes zu erhöhen. Letzteres ist in Capture One sogar noch zusätzlich möglich.

Die von uns getestete Pro-Version war beim Demosaicing unserer Raw-Dateien fast makellos.

In puncto Fensteraufteilung und Gestaltung der Werkzeugpaletten bietet Capture One in der Pro-Version sehr viel Freiheit, was es leicht macht, die anfangs verwirrende Vielfalt der Paletten auf das benötigte Maß zu reduzieren. Für selektive Korrekturen, die ebenfalls nur in der Pro-Version möglich sind, existiert eine eigene Palette mit einer beschränkten Werkzeugauswahl. HDR (Spitzlichter- und Schattenkorrektur), Tonwerte und Gradationskurve sind beispielsweise nicht selektiv anwendbar. Die Bereichswahl geschieht per Pinsel, Verlauf oder automatischer Maskierung auf Ebenen ähnlich wie in AfterShot Pro, jedoch deutlich intuitiver und einfacher. Als Mangel empfanden wir, dass sich die Werkzeuge und Paletten nicht einzeln an- und ausschalten lassen, wie bei anderen Programmen üblich, zudem fehlt ein Verlaufsprotokoll.

Für die Organisation der Bilder lassen sich Kataloge und Intelligente Alben anlegen, auch temporär in einer Sitzung. Mit der Pro-Version ist auch das Arbeiten direkt mit den Dateien der Systemordner möglich. Zur gefühlt sehr hohen Geschwindigkeit des Programms trägt bei, dass alle Korrekturen erst einmal an Vollbildvorschauen ausgeführt werden, die standardmäßig im Unterordner Capture One des aktuellen Bilderordners liegen. Hier werden auch die XMP-Einstellungsdateien gespeichert.

Die Belichtung lässt sich um ±4 Lichtwerte ändern, was auch etwa der Korrekturstärke entspricht. Die Regler Helligkeit und Kontrast ändern die Tonwertverteilung dann noch einmal innerhalb des durch die Belichtung vorgegebenen Tonwertumfangs. Feinere Abstimmungen sind mit Tonwerte möglich, einem Tonwertkorrekturwerkzeug mit eingeblendetem Histogramm ähnlich der gleichnamigen Funktion von Photoshop. Auch zwei Pipetten für Schwarz- und Weißpunkt mit wählbaren Zieltonwerten sowie eine Gradationskurve stehen zur Verfügung. Die Clipping-Anzeige warnt standardmäßig nur vor Überbelichtung. In den Voreinstellungen können Sie die Warnung vor abgeschnittenen Tiefen hinzuschalten.

Struktur und Klarheit beeinflussen den Lokalkontrast kleiner bis mittlerer Detailgrößen, wo Schärfen-Filter keine Wirkung mehr zeigen. Die breite Dopppelkurve zeigt die Wirkung der Maximalstellung beider Regler. Die schwächere Doppelkurve darunter ist die maximale Wirkung des Lightroom-Klarheitsreglers, der gleichzeitig die Lichter etwas absenkt.

Die Regler für die Lichterkorrektur (Spitzlicht) und Schattenaufhellung (Schatten) sind unter HDR zu finden, sie bewahren effektiv den lokalen Kontrast. Die Lichterrestaurierung ist hervorragend. Ebenfalls mit HDR-Methoden arbeiten die zwei Regler in der Klarheit-Palette: Klarheit hebt wie gewohnt kleinteilig strukturierte Bereiche hervor, Struktur dagegen Mikrokontraste ähnlich einer Schärfung. Zusätzlich lässt sich die Methode wählen: Neutral beeinflusst nur die Luminanz, Durchschlag auch die Sättigung von Farben, klassisch liegt irgendwo dazwischen. Die visuelle Wirkung ist verblüffend, man ist geneigt, die Werbeaussage, Capture One erzeuge unglaubliche Details, wörtlich zu nehmen, weil dem Original nicht anzusehen war, dass solche Details in ihm stecken. Vergleichbare Werkzeuge der anderen Programme arbeiten entweder von sich aus schwächer oder können bei stärkeren Einstellungen nicht überzeugen.