Raw-Konverter im Vergleich
Seite 17: Nikon Capture NX-D II
Rauschreduzierung
Im Modus Hohe Qualität ist die Rauschreduzierung von Capture NX2 sehr gut, vergleichbar mit der von DxO Optics Pro. NX2 bietet, wie die meisten Konverter, getrennte Regler gegen Helligkeits- und Farbrauschen, bei NXD gibt es bisher nur zwei gemeinsame Regler (Intensity und Sharpness). Stärkere Einstellungen verursachten an den Grenzen zu dunklen Bereichen störende Halos, die wir bei der alten Version nicht fanden. Aber hier bessert Nikon ja vielleicht noch nach.
Lichter-Wiederherstellung
Über die Fähigkeit, Überbelichtung mittels der Reserven in den nicht betroffenen Kanälen zu reparieren, verfügen alle Konverter. Sie ist nicht nur für die eigentlichen Lichter, also helle, mehr oder weniger farblose Bereiche, wie Himmel und Wolken, wichtig, sondern auch für stark gesättigte Farben. Wenn der Kanal der Hauptfarbe geclippt ist - was man oft auf den ersten Blick gar nicht sieht - fehlt die Zeichnung, die Farbe wirkt matschig. So wie auf den roten Blütenblättern des Klatschmohns in unserem letzten Testbild. Hier war eine Belichtungsreduzierung um 2 EV plus maximale Lichter-Wiederherstellung nötig, um die Zeichnung in den tiefroten Bereichen hervorzuholen. Beide Nikon-Konverter machen ihren Job sehr gut, wenn es auch vor allem in NX2 deutlich mühsamer als in Lightroom war, die passenden Einstellungen zu finden. Völlig zufriedenstellend sind aber beide Ergebnisse nicht: Lightroom färbt die Spitzlichter auf den äußeren Blütenblättern unschön gelb ein, die Nikon-Konverter decken sie mit undifferenziertem Rot zu.
In puncto Rauschentfernung braucht sich das alte Capture NX2 nicht zu verstecken. Das Foto (Ausschnitt in 200 % Vergrößerung) wurde mit einer D90 und ISO 3200 aufgenommen.
Die Lichter-Wiederherstellung bringt auch Farbdifferenzierungen zurück. Die Qualität hängt davon ab, wie realitätsnah die Software die Informationen in den eigentlich geclippten Kanälen errät.
Fazit
Eine Renovierung und Modernisierung von Nikons Raw-Konverter war seit Langem überfällig. Nachfolger NX-D bietet eine zweckmäßige Oberfläche und ist deutlich einfacher bedienbar, einige Funktionen arbeiten besser als beim Vorgänger. Das kann aber den reduzierten Funktionsumfang nicht wettmachen. Der größte Mangel ist, dass es keine selektiv arbeitenden Werkzeuge mehr gibt. Die gehören inzwischen fast zur Standardausstattung von kommerziellen Raw-Konvertern. Auch die meisten anderen Funktionen können Allround-Konverter inzwischen mindestens genauso gut wie das proprietäre Programm. Einzig beim Demosaicing und der Rauschentfernung, also zwei in den Raw-Tiefen ablaufenden Funktionen, haben die Nikon-Konverter noch einen kleinen Vorsprung, der aber an den allermeisten Bildern gar nicht sichtbar sein dürfte. Leider gibt es unter den Wettbewerbern auch keinen, der alle Wünsche erfüllt. DxO Optics Pro, das in puncto Rauschentfernung gleich gut oder besser ist, bietet beispielsweise auch keine selektiven Werkzeuge. Egal, ob Sie sich für das nun kostenlose NX-D entscheiden oder zu einem anderen Programm wechseln: Sie werden also Abstriche machen müssen - aber auf der anderen Seite auch nützliche Funktionen hinzu gewinnen, die Capture NX2 nicht bietet.