Raw-Konverter im Vergleich
Seite 8: Corel AfterShot Pro
AfterShot Pro ist aus Bibble hervorgegangen, dessen Herstellerfirma 2011 von Corel gekauft wurde. Es läuft als einziges Programm auch nativ unter Linux. In puncto Organisation und Verwaltung ist es deutlich komfortabler als ACDSee, so lassen sich Bilder gruppieren (Stapel), mehrere Bearbeitungsversionen anlegen und es gibt ein Verlaufsprotokoll. Zudem ist es dank Mehrprozessorunterstützung recht schnell. Weniger gut ausgestattet ist es mit Entwicklungs- und Bearbeitungsfunktionen, teilweise wirken die Werkzeuge veraltet. Vor einem Jahr hat Corel zudem das von der renommierten Firma Picturecode stammende Rauschentfernungs-Tool Noise Ninja entfernt, einen gleichwertigen Ersatz gibt es bisher nicht. Eine Plug-in-Schnittstelle erlaubt, ähnlich wie in Lightroom, das Nachrüsten von Funktionen. Knapp drei Dutzend solcher Plug-ins sind auf der Homepage zu finden.
Bei den unterstützten Formaten vermissten wir wie bei ACDSee die DNGs aus Adobes freiem DNG Converter, darüber hinaus aber auch zahlreiche Raw-Formate. Von unseren drei manipulierten Raw-Dateien wurde nur das der Nikon D300 erkannt. Die Demosaicing-Qualität ist recht schlecht: An den kontrastreichen Kanten unserer Testbilder zeigen sich deutliche farbige Artefakte.
Organisation
Das Hauptfenster wird von Paletten für Dateibrowser, Bibliothek und Werkzeugen eingerahmt, die sich zwar ausblenden, aber kaum umgestalten lassen. Lediglich das Anpinnen ist möglich, was ein Werkzeug oberhalb des Palettenbereichs fixiert, sodass es immer sichtbar ist. Das empfiehlt sich unbedingt für das Histogramm. Die Entwicklungswerkzeuge sind auf vier über Register aufrufbare Seiten verteilt: Standard, Farbe, Tonwert und Detail, zwei weitere Register enthalten die Metadaten und Plug-ins. Selektive Korrekturen sind über ein ausgeklügeltes System von Ebenen und Regionen möglich, Letzteres sind geometrische oder per Pinsel aufgetragene Formen. Es lassen sich mehrere Ebenen und in jeder mehrere Korrekturregionen anlegen. So sind Klonen, Fleckentfernung und lokale Helligkeits- oder Farbänderungen möglich, Schärfen und Entrauschen jedoch nicht. Wir vermissten eine brauchbare Clipping-Warnung: Im Histogramm fehlt sie, und die für die Vorschau zuschaltbare deckt die kritischen Bereiche mit zu vielen bunten Farben zu.
Tonwertkorrekturen
Die Belichtung lässt sich von –3 bis +3 verstellen, was aber, wie bei allen Programmen, die Tonwerte nicht gleichmäßig verschiebt, sondern bei Aufhellungen die Lichter vor dem Ausfressen bewahrt. Die Tiefen lassen sich so bis zu vier Lichtwerte aufhellen. Fülllicht wirkt noch selektiver auf die Tiefen, der betroffene Helligkeitsbereich lässt sich hier sogar vorwählen. Standardmäßig wirkt er bis über die Mitteltöne hinaus. Wählen Sie auf der Registerkarte Tonwert mit dem - nur hier - zusätzlich vorhandenen Regler Füllbereich zum Beispiel einen Wert von 0,1, dann beschränkt sich die Aufhellung praxisgerechter auf die unteren Vierteltöne. Leider bleiben dabei die Detailkontraste nicht erhalten. Für die Spitzlichter-Wiederherstellung gibt es zwei analoge Regler (Spitzlichter und SW-Bereich). Mit Schwarz können Sie noch den Schwarzwert und mit Kontrast die Knackigkeit des Bildes verändern. Damit sind die Möglichkeiten manueller Tonwertkorrektur auf der gleichnamigen Palette schon ausgeschöpft. Es gibt noch eine klassische Gradationskurve, allerdings auf der Palette Farbe, wo man sie nicht unbedingt vermutet.
Beide Automatiken hellten das stark unterbelichtete Testbild auf Knopfdruck auf, wir mussten nur noch den Schwarzpunkt manuell auf den Minimalwert setzen. Perfectly Clear wirkt im Vergleich mit Autokorrektur etwas weniger scharf, es bleiben aber deutlich mehr Tonwertdifferenzierungen erhalten. Die farbigen Artefakte an den FlĂĽgelmustern sind keine chromatischen Aberrationen, sondern offenbar Demosaicingfehler, hier an einer Sony-ARW-Datei.
Auf der Standard-Palette finden sich zwei Automatiken: Autokorrektur spreizt den Tonwertbereich bis an die obere und untere Grenze, beide lassen sich als Prozentwerte (von Pixeln, die abgeschnitten werden) festlegen. Perfectly Clear soll darüber hinaus noch den Kontrast und die Bildfarben verbessern. Es gibt drei Optionen: Farbton aus, Farbton min. und Farbton max. Visuell konnten wir an mehreren Bildern keinen Unterschied zwischen den Varianten erkennen, zwischen den ersten beiden auch messtechnisch nicht. Aber vielleicht waren unsere Testbilder einfach schon zu perfekt. Keines der Werkzeuge ist auf den Erhalt oder gar die Verstärkung lokaler Kontraste ausgerichtet. Für Fotos mit hohem Dynamikumfang ist AfterShot Pro schon deshalb wenig geeignet.