Raw-Konverter im Vergleich
Seite 12: DxO Optics Pro
Während Kamera- und Objektivprofile für die meisten Hersteller eher ein notwendiges Übel sind, um dem Chaos an Raw-Formaten und Geräten Herr zu werden, hat DxO aus der Not eine Tugend gemacht. Die französische Firma analysiert nach eigenen Angaben nicht nur die optischen Abbildungsfehler wie Verzeichnung, Objektivunschärfe und Vignettierung, sondern auch das Rauschen, Farbmetrik und Tonwertkurven der kamerainternen Verarbeitung. Das ist die Grundlage für eine weitgehend automatische Korrektur von Abbildungsfehlern sowie - darüber hinaus - die Simulation aller denkbaren Charakteristiken von analogen Filmen und digitalen Kameras. Sie können für ein mit einer beliebigen Digitalkamera aufgenommenes Raw-Foto die Farbcharakteristik einer fast beliebigen anderen Kamera einstellen, oder auch die eines Analogfilms. Voraussetzung dafür ist allerdings der Zukauf des DxO Filmpacks der in der Vollversion mit 130 Euro zu Buche schlägt. Schon der Konverter allein ist, zumindest in der Vollversion mit knapp 300 Euro der teuerste in unserem Test. Die komfortable Perspektivkorrektur ViewPoint schlägt mit weiteren 80 Euro zu Buche.
Organisation
Das Programm bietet zwei Hauptansichten: Organisation und Bearbeiten. Ersteres dient vor allem der Bildauswahl, Stapelbearbeitung und der Änderung von Autor und Copyright in den Exifdaten. Die Exif-Aufnahmedaten werden angezeigt, aber beispielsweise keine GPS-Daten, und die IPTC-Informationen fehlen komplett - verwunderlich bei einem Programm, das sich an Profis richtet. Der Zugriff auf die Bilder erfolgt über das Dateisystem, es lassen sich jedoch Projekte anlegen, so etwas wie Alben. Die Entwicklungseinstellungen werden in der Datenbank und in XMP-Dateien mit der Endung .dop direkt im Bilderordner gespeichert.
In der Bearbeiten-Ansicht sind alle Werkzeuge auf mehreren Paletten in einer Spalte konzentriert, was erst einmal unübersichtlich ist, sich aber umorganisieren lässt. Selektiv arbeitende Werkzeuge gibt es nicht, ausgenommen einen Pinsel zur Staubentfernung. Alle Einstellungen können, komplett oder teilweise, als Preset gespeichert werden, was die empfohlene Arbeitsweise darstellt. Das Programm bringt schon eine ganze Reihe nützlicher Presets mit. Deren Anwendung erfolgt nicht mit festen Parametern, sondern abgestimmt auf das jeweilige Bild, das zuvor analysiert wird. Schon beim Öffnen eines Bildes werden die wichtigsten Einstellungen automatisch vorgenommen. Neben vielen Werkzeugen befindet sich ein kleines Zauberstab- Symbol, mit dem man nach missglückten manuellen Änderungen die Automatik wieder zum Zuge kommen lassen kann.
Per Vorschau erhält man rasch einen guten Über blick, welche Presets für das gewählte Bild geeignet sein könnten.
So ausgefeilt die Automatiken sind, so mangelhaft werden manuelle Korrekturen unterstützt. Noch nicht einmal die Regler lassen sich per Tastatur verstellen, geschweige denn Änderungen durch Klicks direkt im Bild vornehmen, selbst die Ankerpunkte der Gradationspunkte kann man nicht auf diese Weise setzen.
Helligkeit und Kontrast
Grundlage der automatischen Korrekturen sind im Hintergrund laufende Bildanalysen. Für die Belichtungskorrektur gibt es 5 Vorgaben mit unterschiedlichen Prioritäten (mittenbetont, Spitzlichter etc.), nach denen das Programm die Reglerstellung im Bereich von –4 bis +4 (sehr grob mit Lichtwerten vergleichbar, aber stärker) selbst wählt. Für die Helligkeitsverteilung einschließlich Lichterrekonstruktion und Schattenaufhellung ist DxO Smart Lighting zuständig. Standardmäßig lässt sich hier nur die Intensität in drei Stufen oder über einen Regler wählen. Sie können alternativ den Modus DxO Optics Pro 7 wählen, was sieben weitere Regler für individuelle Einstellungen zum Vorschein bringt. Der zugrunde liegende Algorithmus ist dann aber ein anderer: Es sind deutlich stärkere Korrekturen möglich, aber auch die Gefahr von Halos und Artefakten wächst. Besser sollten Sie, wenn die automatischen Standardkorrekturen von Smart Lighting nicht ausreichen, zur Palette Selektive Tonwerte wechseln. Hier lassen sich Spitzlichter, Mitteltöne, Schatten und Tiefen getrennt absenken oder anheben, wobei der Lokalkontrast weitgehend erhalten bleibt. HDR-Effekte lassen sich relativ leicht erzeugen. Das Werkzeug erinnert an den Licht- Equalizer von ACDSee, ist aber gröber und ohne visuelle Unterstützung. Wir vermissten bei allen diesen manuellen Korrekturen eine temporäre Clipping-Anzeige per zusätzlich gedrückter Taste, ohne erst die Umschalter in der Histogrammpalette anklicken zu müssen. Wenn der Mikrokontrast weiter erhöht werden soll, hilft der gleichnamige Regler. Er wirkt vor allem auf die Tiefen. Außerdem gibt es einen konventionellen Kontrastregler und eine Gradationskurve (Tonwertkurve).
Der Regler Mikrokontrast beeinflusst vor allem die Details in den Schatten. Zum Vergleich sind hier wieder die unbeeinflusste Normalkurve (grĂĽn) und die Lightroom-Kurve (grau, Klarheit-Regler in Maximalstellung) daruntergelegt.