Raw-Konverter im Vergleich
Seite 16: Nikon Capture NX-D
Seit Februar bangen viele Nikon-Kunden um ihre mit Capture NX2 entwickelten Raw-Bilder. Nikon will den veralteten Raw-Konverter nur noch so lange unterstützen, bis der Nachfolger NX-D das Betastadium verlassen hat. Die Crux: NX-D bietet einige wichtige Funktionen nicht mehr, an erster Stelle die U-Point- Technik, mit der sich selektive Korrekturen von Ton- und Farbwerten direkt im Bild vornehmen lassen. Entsprechende Anpassungen sind verloren, wenn man eine Datei in NX-D öffnet. Kein Wunder, dass sich enttäuschte Kunden, die nun sowieso zu einem anderen Programm wechseln müssen, von Nikon- Software abwenden. Die Frage ist, welcher Raw-Konverter mit Capture NX2 mithalten kann - vermutlich steckt ja in dem proprietären Programm eine ganze Menge Geheimwissen, um Nikon-spezifische Sensortechnik und Signalverarbeitung, das sich in einer höheren Bildqualität niederschlagen könnte. Für die Antwort mussten wir zuerst einmal prüfen, wie gut das alte Capture NX2 wirklich ist. Wir testeten NX2 und den Nachfolger NX-D wieder mit einer gehackten Nikon-Raw- Datei (aus der D300) sowie realen Raw-Fotos aus der D90, D3 und einigen anderen Modellen. Weil NX 2 veraltet und NX-D noch nicht final ist, laufen die Nikon-Konverter in diesem Test nur außer Konkurrenz mit.
Demosaicing
Beim Demosaicing scheint sich Nikons Insiderwissen wirklich auszuzahlen. Allerdings mussten wir, um den Unterschied zu sehen, die Auflösung unseres Testbilds noch einmal verdoppeln. Dann wird klar, dass Nikon dabei noch exakter arbeitet als unser Test-Spitzenreiter, Capture One. Bei realen Bildern wird dies aber nur an sehr feinen Strukturen und praktisch nur unter der Lupe sichtbar, oder bei extremen Sättigungserhöhungen, denn es geht um schwache Farbsäume an kontrastreichen Strukturen.
Dynamikumfang
Sehr dunkle Schattenbereiche lassen sich mit Capture NX2 schlecht oder gar nicht aufhellen. Das liegt nicht nur am Fehlen effektiver Werkzeuge, die dabei den Detailkontrast bewahren, sondern an einer offenbar prinzipiellen Begrenzung des Dynamikumfangs. Zumindest bei unserer D300-Testdatei war bei 10 EV Schluss, was RGB-Werten von etwa 6 (von 255) entspricht. Die Beta von Capture NX-D lässt an derselben Datei immerhin knapp 12 EV Dynamikumfang zu. Bei allen anderen getesteten Raw-Konvertern flacht die EV-Kurve in den Tiefen nicht ab, sie können also zumindest theoretisch noch mehr Details aus den Tiefen holen.
Schärfen
An regelmäßigen Strukturen in Größen unterhalb des Bayer-Mosaiks (untere Bildhälften) zeigt Capture One deutliche Interpolationsfehler, der Nikon-Konverter schlägt sich hier besser.
Zum Schärfen bietet Capture NX2 drei Werkzeuge: Scharfzeichnung im Picture-Control- Utility (Stärke 0 bis 9, keine weiteren Optionen) sowie Unscharf maskieren und Hochpass als Anpassungswerkzeuge. Die Wirkung der ersten beiden unterscheidet sich nicht prinzipiell. Beide haben keine Schärfebegrenzung. Jedoch kann man im zweiten neben Radius und Schwellenwert auch die Deckkraft einstellen und damit eventuell entstandene Schärferänder abschwächen. Letzteres fehlt in NX-D bisher ebenso wie der Hochpass-Filter, der sehr behutsame Schärfungen erlaubt. Im Vergleich mit anderen Raw-Konvertern schneidet die Schärfung eher schlecht ab.