ARD-Vorsitzender: Mit Online-Angeboten jugendliche Zuschauer gewinnen

Peter Boudgoust forderte von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die junge Generation stärker ins Visier zu nehmen. "Wir müssen uns stärker an der Lebenswelt junger Menschen und an ihrer Sprache orientieren."

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  • dpa

In der Finanz- und Wirtschaftskrise greifen nach den Worten des neuen ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust immer mehr Menschen auf die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehprogramme zurück, um sich zu informieren. "Wir merken: Immer wenn die Lage ernst wird, wenden sich die Menschen stärker den öffentlich- rechtlichen Programmen zu", sagte der neue ARD-Chef und Intendant des Südwestrundfunks (SWR) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa in Stuttgart.

Boudgoust, der am 1. Januar den ARD-Vorsitz vom Intendanten des Saarländischen Rundfunks (SR), Fritz Raff übernimmt, forderte von den öffentlich-rechtlichen Anstalten zudem, die junge Generation stärker ins Visier zu nehmen. "Wir müssen uns stärker an der Lebenswelt junger Menschen und an ihrer Sprache orientieren."

Der ARD-Vorsitzende begründete das steigende Interesse an den öffentlich-rechtlichen Sendern mit der positiven Entwicklung der Nutzerzahlen des SWR. Die Zahl der SWR-Zuschauer, die um 20.00 Uhr die "Tagesschau" sehen, sei von August bis November des vergangenen Jahres stetig gestiegen: Schalteten sich im August 2008 rund 640 000 Menschen über das SWR Fernsehen zur Hauptnachrichtensendung der ARD, so waren es im November schon 800 000, sagte Boudgoust. Auch die "Tagesthemen" seien in den vergangenen Monaten deutlich populärer geworden.

Mit attraktiven Angeboten unter anderem im Internet will die ARD nach Worten Boudgousts die jüngeren Zuschauer auf ihre Seite bringen: "Insbesondere die Art und Weise, wie junge Menschen die Medien verwenden, hat sich völlig verändert", sagte Boudgoust. "Man möchte nicht mehr warten, bis um 20.15 eine bestimmte Sendung ausgestrahlt wird." Zum Thema Online-Angebote von ARD und ZDF zeigte sich Boudgoust zwar erleichtert, dass nach der Unterzeichnung des entsprechenden Rundfunkstaatsvertrages nun Rechtssicherheit bestehe. Er schränkte allerdings ein: "Das Ergebnis bietet keinen Anlass zur Freude." Denn der vereinbarte sogenannte Drei-Stufen-Test für die Internetangebote sei für die Öffentlich-Rechtlichen eine enorme Zusatzbelastung.

Nach den jahrelangen Auseinandersetzungen über die Online-Angebote von ARD und ZDF hofft Boudgoust auch auf ein besseres Verhältnis zwischen den Sendeanstalten und den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen. "Ich würde gerne einen regelmäßigen Gesprächskreis mit den Verlegern einrichten. Vor ihrer Arbeit habe ich großen Respekt. Es kann gar nicht genug Qualitätsjournalismus geben." Die regelmäßigen Zeitungsleser blieben auch "unseren Sendern" als Hörer und Zuschauer erhalten.

Keine Entspannung sieht der künftige Chef der ARD dagegen bei der Haushaltslage der öffentlich-rechtlichen Sender. Zwar stiegen die Rundfunkgebühren um monatlich 95 Cent von diesem Januar an, dennoch müssten sich die Anstalten zur Decke strecken. "Die Inflation wird damit nicht ausgeglichen und unsere Budgets werden knapper." Sollten zudem Werbung oder Sponsoring aus den öffentlich-rechtlichen Kanälen verbannt werden, müssten zum Ausgleich die Gebühren um monatlich 1,50 Euro angehoben werden, warnte Boudgoust.

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(Edgar Neumann, dpa) (jk)