Honda Jazz Hybrid im Test: Kleiner Verbrauch, reichlich Platz
Seite 2: Eine Stärke des Jazz: subjektives Fahrempfinden
Zweite Verbrauchsstrecke, über die A6 von Sinsheim nach Heilbronn und zurück, ein Profil mit zum Teil leichten Steigungen bzw. Gefällen. Hier benötigte der Jazz – mit zirka 120 km/h bewegt – 5,3 Liter. Ein etwas zügiger gefahrener Autobahntest mit maximal 140 km/h zog sechs Liter Verbrauch nach sich. Die Überführerin des Testwagens hatte im Vorfeld bereits den Beweis angetreten, dass auch sieben Liter machbar sind. Im Grunde bestätigen diese Ergebnisse, was die etwas "Prospektwerte" schon andeuten: Schnellere Konstantfahrt ist nicht die Kernkompetenz des Jazz, das können manche konventionelle Antriebe ähnlich gut. Der Honda-Hybrid glänzt vor allem im Alltagsverkehr über Stadt und Land, Verbräuche zwischen 3,5 und 4,5 Liter sind realistisch. Das Niveau des Toyota Yaris scheint der Jazz nicht ganz zu erreichen, aber für sich betrachtet sind es respektable Werte.
Die Leichtigkeit des Fahrens
Verbrauch ist das eine, aber als eine weitere Stärke entpuppte sich das subjektive Fahrempfinden. Der Jazz fährt sich im Grunde wie ein Elektroauto, die Kontrollierbarkeit per Gasfuß ist perfekt, das Drehmomentverhalten souverän. Auch in dieser Hinsicht gilt: reinsetzen, losfahren, passt. Zu kritisieren ist nur die dünne Geräuschdämmung, wahrnehmbar, wenn der Verbrennungsmotor stark gefordert ist. Das kommt allerdings nur bei strammer Beschleunigung oder längeren Bergauffahrten vor, denn hier muss der Verbrennungsmotor ohne Unterstützung der Batterie schuften. Von seinen nominell 98 PS sind dann noch die Verluste durch den seriellen Betrieb abzuziehen.
Sehr gelungen wiederum: Außer der normalen "D"-Position eines Automatik-Hebels gibt es beim Jazz noch die Stellung "B", die einwandfrei nutzbar abgestimmt ist. In dieser Stellung rekuperiert der Antrieb etwas stärker – stark genug, um beispielsweise auf eine Autobahnabfahrt zuzurollen, ohne die Radbremse benutzen zu müssen – aber auch nicht so kräftig, dass er durch zu viel Bremsmoment Unruhe ins Geschehen bringen würde. Auch in dieser Hinsicht ist der Jazz ein "Forgiving Car" im besten Sinne, der einfach nur wie selbstverständlich funktionieren will.
Das gilt insgesamt auch für das Fahrwerk. Im Normalbetrieb federt und dämpft der Jazz weitaus komfortabler als seine Vorgängerversionen. Bei schlechten Straßen kommt er gelegentlich etwas ins Stolpern, allerdings ohne auffällige Fahrwerksgeräusche. Nein, das Abstimmungsniveau eines Ford Fiesta erreicht er nicht, aber die gemütliche Auslegung passt zum Gesamtcharakter. Die Lenkung ist im Klassenvergleich nicht übermäßig direkt, auch das passt zum Konzept, Nervosität beim Fahren gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dazu kommt ein auffällig stabiler Geradeauslauf, auch auf der Autobahn.
No-Nonsens-Design
Noch ein paar Worte zu den Äußerlichkeiten: Dem Jazz ist schon von außen seine Nutzwert-Orientierung anzusehen. Es gibt keine gestalterischen Beulen oder Blähungen, die die Innenraumentfaltung behindern würden. Und nach dem komfortablen Einstieg sitzt man großzügig vor einer flach gestalteten Instrumententafel, bei auffallend guter Rundumsicht dank großzügiger Verglasung. Die Instrumente sind fast durchgängig digital. Die Geschwindigkeit wird so groß angezeigt, dass ein Head-up-Display auch für ältere Herrschaften entbehrlich erscheint.
Honda Jazz Hybrid auĂźen (4 Bilder)

(Bild: Gernot Goppelt)
Links und rechts vom Tacho sitzen zwei Balken, der linke zeigt den Ladestand der Batterie, der rechte den Tankinhalt. Mit einer Toggle-Funktion per Dreh-/Drücksteller lassen sich diverse Ansichten einstellen. Dazu gehört auch eine Ansicht, in der im Betrieb die Energieflüsse innerhalb des Hybridantriebs visualisiert werden. Was fehlt, ist eine freie Konfigurierbarkeit, mit der man die Informationsmenge in der Grundeinstellung etwas reduzieren könnte. So blinkt beispielsweise immer wieder die Verkehrszeichenerkennung, um mir eifrig mitzuteilen, dass ich das Schild da vorne tatsächlich gesehen habe. Etwas weniger buntes Allerlei wäre mir lieber, auch das ist natürlich Geschmackssache.