Honda CB 1000 Hornet SP im Test: Stichhaltige Argumente
Honda stellt der erfolgreichen CB 750 Hornet eine groĂe, böse Schwester zur Seite. Die CB 1000 Hornet besticht durch ein superbes Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis.
(Bild: Ingo Gach)
- Ingo Gach
Honda hat mit seiner CB 750 Hornet einen Volltreffer gelandet. Seit der Vorstellung 2023 wurden rund 7000 StĂŒck des Mittelklasse-Naked Bikes in Deutschland neu zugelassen. Sie besticht durch ein ansprechendes ĂuĂeres, solide Technik, gute Fahrleistungen und einen gĂŒnstigen Preis. Doch das reicht dem weltgröĂten Motorradhersteller nicht und so schiebt er nun eine "Hornisse" mit einem vollen Liter Hubraum hinterher â zu einem Kampfpreis. Die CB 1000 Hornet leistet 152 PS und bleibt dennoch mit 9900 Euro knapp im vierstelligen Bereich. Mehr Leistung fĂŒr das Geld gibt es nirgendwo sonst. FĂŒr unseren Test haben wir uns die besser ausgestattete CB 1000 Hornet SP ausgeliehen. Sie leistet sogar 157 PS und ist mit 11.700 Euro immer noch bemerkenswert gĂŒnstig.
Motor aus dem Superbike
Der Antrieb stammt aus Hondas Superbike Fireblade des Modelljahrs 2017, in der er damals 192 PS bei 13.000/min produzierte. FĂŒr den Einsatz im Naked Bike nehmen die Ingenieure die Leistung zwar deutlich zurĂŒck, aber mit 157 PS bei 11.000/min und 107 Nm Drehmoment bei 9000 Touren ist die CB 1000 Hornet SP immer noch mehr als ausreichend motorisiert. Optisch orientiert sich Honda eng an ihrem Bestseller CB 750 Hornet mit einer kleinen Frontmaske, deren schmale LED-Scheinwerfer böse blicken. Das Heck hielt Honda kurz und knackig, der Tank wölbt sich muskulös gespannt ĂŒber den Stahlrahmen.
Honda CB 1000 Hornet SP im Test (5 Bilder)

Ingo Gach
)Der Reihenvierzylinder kann von beiden Seiten bestaunt werden, keine Blende verwehrt die Sicht. Vier Auspuffrohre krĂŒmmen sich vor dem Motor nach unten und mĂŒnden in einen ziemlich voluminös geratenen EndschalldĂ€mpfer. Deshalb vorweg der Hinweis, dass Honda im hauseigenen Zubehör einen optisch wesentlich gelungeneren Endtopf von SC Project bereithĂ€lt - fĂŒr 1299 Euro.
Angenehme Sitzposition
Es sitzt sich angenehm auf der CB 1000 Hornet SP, der Oberkörper ist nur leicht nach vorn orientiert aufgrund des eher niedrigen, aber breiten Lenkers. Die FuĂrasten sind relativ weit hinten montiert, der Kniewinkel geht gerade noch als akzeptabel durch. Die 810 mm hohe Sitzbank ist trotz ihrer flachen Kontur ĂŒberraschend bequem. Der 17-Liter-Tank ist allerdings so breit, dass die Beine mehr als unbedingt nötig gespreizt sind â fĂŒr Touren kein Problem, bei sportlicher Fahrweise lĂ€stig. Eine Sozia wird vermutlich schon nach wenigen Kilometern protestierend von dem winzigen Sitzbrötchen absteigen.
Nach dem Anlassen lĂ€uft der Reihenvierzylinder im Leerlauf zunĂ€chst ĂŒberraschend laut, 98 dB(A) StandgerĂ€usch sind heutzutage viel. Die Kupplung lĂ€sst sich mit einem Finger ziehen und die GĂ€nge rutschen butterweich rein â Honda baut wirklich hervorragende Getriebe. Wenn ich allerdings auf die Kupplung verzichte und die GĂ€nge mittels des serienmĂ€Ăigen Quickshifters rauf- und runterschalte, geschieht das nicht mehr ganz so sanft. Das hat an der von mir vergangenes Jahr gefahrenen Honda Fireblade besser funktioniert.
FĂŒnf Fahrmodi
Die CB 1000 Hornet SP bietet dem Fahrer die drei Fahrmodi Rain, Standard und Sport. Zudem kann ich in zwei frei konfigurierbare Modi die Motorbremse und Leistungsentfaltung in drei Stufen, die Schlupfregelung und Wheelie-Steuerung sogar in vier Stufen einstellen. Das fĂŒnf Zoll groĂe TFT-Display liefert deutlich sichtbar die beiden wichtigsten Informationen Geschwindigkeit und Drehzahl. Der Rest ist ziemlich klein geraten, aber noch halbwegs ablesbar. Ăber ein winziges und etwas fummeliges Vier-Wege-Kreuz am linken Lenkerende kann ich das MenĂŒ im Bildschirm bedienen. Es ist zwar logisch aufgebaut, jedoch muss ich manche Befehle doch eine Weile suchen. Die KonnektivitĂ€t mit dem Smartphone ist heute eigentlich selbstverstĂ€ndlich, so auch an der Hornet.
Honda CB 1000 Hornet SP Details (10 Bilder)

Ingo Gach
)Giert nach Drehzahl
Die Leistungsabgabe im Modus "Standard" ist ordentlich, aber die Abstammung vom Sportmotor kann die CB 1000 Hornet SP nicht leugnen. Sie tritt zwar gut, aber fĂŒr ihre HubraumgröĂe nicht sonderlich druckvoll an und leistet sich bei 5000/min sogar einen kleinen HĂ€nger, darĂŒber geht sie dann vehement zur Sache und dreht rasant bis zum roten Bereich bei 11.500 Touren. Daran Ă€ndert sich auch im Modus "Sport" nicht viel, der Motor nimmt zwar noch spontaner das Gas an, einen besseren Durchzug aus niedrigen Drehzahlen kann er trotzdem nicht bieten. Die fĂŒnf PS Mehrleistung der SP gegenĂŒber der Standard-Hornet resultiert ĂŒbrigens aus einer elektronisch gesteuerten Auspuffklappe, die sich ab 5700/min öffnet und den Motor freier "atmen" lĂ€sst.
Edles Federbein
Die Hornet kann zwar auch mit niedrigen Drehzahlen ĂŒber Land cruisen, ist aber merklich nicht dafĂŒr gedacht. Sie fĂŒhlt sich erst bei sportlicher Fahrweise so richtig wohl und wird dabei vom Fahrwerk unterstĂŒtzt. Der neu konstruierte Stahlrahmen mit zwei UnterzĂŒgen ist auf hohe Torsionssteifigkeit ausgelegt. Mit einem Radstand von 1455 mm und einem Lenkkopfwinkel von 65 Grad erweist sich die 212 kg schwere Honda als agil, wenn auch nicht ĂŒbermĂ€Ăig handlich. Sie will schon mit entschlossener Hand eingelenkt werden, liegt dann aber absolut stabil in SchrĂ€glage und trifft prĂ€zise die Linie, auch leichtes Nachkorrigieren nimmt sie nicht ĂŒbel.
Vorn arbeitet eine voll einstellbare Uspide-down-Gabel von Showa, hinten kommt an der SP im Gegensatz zur Standard-Hornet ein edles, voll einstellbares Ăhlins-TTX36-Federbein zum Einsatz. Beide Komponenten funktionieren exzellent auf der Rennstrecke, auf LandstraĂen sind sie aber oft zu hart, wenn Löcher und Wellen im Asphalt auftauchen â da nĂŒtzen auch Federwege von 119 mm vorne und 139 mm hinten nicht viel. Hier wĂŒrde ich mir ein sanfter ansprechendes DĂ€mpfungsverhalten wĂŒnschen. Die von uns getestete CB 1000 Hornet SP rollt auf Dunlop Sportmax Roadsport 2, die sie gefĂŒhlt ein wenig trĂ€ger machen, eine UmrĂŒstung auf handlichere Reifen wĂŒrde der Honda sicher guttun.
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Brachial mit glasklarem Druckpunkt
An den beiden radialen Bremszangen aus Brembos Stylema-Programm mit schwimmend gelagerte 310-mm-Scheiben am Vorderrad gibt es hingegen nichts zu kritisieren. Sie gehören zur Referenzklasse und verzögern brachial, mit glasklarem Druckpunkt. Die elektronischen Assistenzsysteme arbeiten absolut zuverlĂ€ssig, das ABS und die Schlupfregelung erweisen sich als feinfĂŒhlig und steigern das SicherheitsgefĂŒhl. Zwar lĂ€sst sich die Schlupfregelung auch deaktivieren, was aber in Anbetracht von 157 PS nicht empfehlenswert ist. Die CB 1000 Hornet SP schafft auf der Autobahn bis zu 230 km/h â ohne jeglichen Schutz ein zweifelhaftes VergnĂŒgen.
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Preis verlockend
Der Reihenvierzylinder konsumierte wĂ€hrend des Tests im Schnitt 5,5 Liter Sprit auf 100 km, was bei der Leistung in Ordnung geht. Damit kĂ€me die CB 1000 Hornet SP theoretisch 309 km weit, bis der Tank trocken fĂ€llt. In Anbetracht ihrer Ausstattung mit Ăhlins-TTX36-Federbein und Brembo-Stylema-Bremsen ist ihr Preis von 11.700 Euro fast ein SchnĂ€ppchen. Es gibt die SP ausschlieĂlich in mattschwarz mit golden eloxierten RĂ€dern. Honda hĂ€lt eine ganze Menge an Extras parat, so z. B. ein Sportpaket fĂŒr 565 Euro mit Bugspoiler, kleinem Windschild, Soziussitzabdeckung und Tankprotektor. Honda bietet die optisch ansprechende und leistungsstarke CB 1000 Hornet SP zu einem Kampfpreis an und gewĂ€hrt zudem sechs Jahre Garantie.
(fpi)