Motorola trotz Umsatzschwunds knapp in der Gewinnzone
Mit einem überraschenden, wenn auch kleinen Quartalsgewinn gibt der siechende US-Handy-Riese ein Lebenszeichen von sich und kündigt neue Android-Smartphones für das Weihnachtsgeschäft an.
Der angeschlagene US-Telekommunikationsriese Motorola hat es auf seinem Sanierungskurs überraschend zurück in die Gewinnzone geschafft. Trotz weiteren Umsatzschwunds konnte der Konzern dank der Einnahmen aus der Beilegung eines Rechtsstreits und anderer Einmaleffekte für das zweite Quartal einen Gewinn von 26 Millionen US-Dollar (18,4 Millionen Euro) oder 0,01 US-Dollar pro Aktie ausweisen, teilte das Unternehmen am heutigen Donnerstag vor Handelsstart der New Yorker Börse mit. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern einen Gewinn von 4 Millionen US-Dollar (0,00 US-Dollar pro Aktie) erwirtschaftet. Der Umsatz brach von 8,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr deutlich auf 5,5 Milliarden US-Dollar (3,8 Milliarden Euro) ein.
Dafür war maßgeblich die siechende Handysparte verantwortlich. Obwohl Motorola im zweiten Quartal 14,8 Millionen wieder etwas mehr Handys auslieferte als noch im ersten Jahresabschnitt, brach der Handyabsatz im Vergleich zum Vorjahr (28,1 Millionen) um nahezu die Hälfte ein. Der Konzern schätzt den eigenen Marktanteil im Quartal auf 5,5 Prozent, im Vorjahr kam noch jedes zehnte Handy von Motorola. Die Handysparte verursachte einen operativen Verlust von 253 Millionen US-Dollar, etwas weniger als die 346 Millionen US-Dollar des Vorjahres. Im ersten Jahresabschnitt hatte der Bereich operativ über eine halbe Milliarde US-Dollar Verlust gemacht.
Auch die anderen Konzernaktivitäten verzeichneten einen spürbaren Umsatzrückgang. Im Bereich Networks Mobility nahm Motorola 2 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 2,7 Milliarden US-Dollar) ein und erzielte einen operativen Gewinn von 153 Millionen US-Dollar. Die Sparte Enterprise Mobility Solutions sorgte bei Umsätzen von 1,7 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 2 Milliarden US-Dollar) für einen operativen Gewinn in Höhe von 227 Millionen US-Dollar.
Ohne die Einmaleffekte erwirtschaftete das Unternehmen einen leichten Verlust von 0,01 US-Dollar pro Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Wall Street. Auch der Handyabsatz lag deutlich über den Prognosen der Analysten, die mit rund 14,1 Millionen Handys im Quartal gerechnet hatten. Neue Smartphones sollen zudem im US-Weihnachtsgeschäft für Impulse sorgen. "Wir haben Vereinbarungen mit Netzbetreibern und bleiben auf Kurs, unsere neuen Smartphones für das Feiertagsgeschäft auf den Markt zu bringen", erklärte der Chef der Handysparte und Co-CEO Sanjay Jha. Darunter sollen zwei Geräte mit dem Betriebssystem Android sein.
Das einigermaßen überraschende Ergebnis gilt als Zeichen für die erfolgreiche Restrukturierung des Konzerns, der seine Handysparte immer noch auslagern will, davon aber wegen der gesamtwirtschaftlichen Lage vorübergehend Abstand genommen hat. Motorola hat in den vergangenen Monaten über 7000 Arbeitsplätze gestrichen. Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit einem Ergebnis von minus 0,01 bis plus 0,01 US-Dollar pro Aktie. Die Aktie des Konzerns zog vom Schlusskurs des gestrigen Abends (6,57 US-Dollar) nach Handelsstart deutlich an und legte zeitweise über 12 Prozent auf bis zu 7,40 US-Dollar zu.
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Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Motorola in US-Dollar |
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| Quartal | Umsatz |
Nettogewinn/ -verlust |
| 1/00 | 8.450 Mio. | 514 Mio. |
| 2/00 | 8.800 Mio. | 449 Mio. |
| 3/00 | 9.493 Mio. | 598 Mio. |
| 4/00 | 10.060 Mio. | 335 Mio. |
| 1/01 | 7.752 Mio. | -533 Mio. |
| 2/01 | 7.500 Mio. | -759 Mio. |
| 3/01 | 7.410 Mio. | -1.400 Mio. |
| 4/01 | 7.320 Mio. | -1.240 Mio. |
| 1/02 | 6.181 Mio. | -184 Mio. |
| 2/02 | 6.700 Mio. | -2.300 Mio. |
| 3/02 | 6.370 Mio. | 111 Mio. |
| 4/02 | 7.546 Mio. | 174 Mio. |
| 1/03 | 6.043 Mio. | 169 Mio. |
| 2/03 | 6.163 Mio. | 119 Mio. |
| 3/03 | 6.830 Mio. | 116 Mio. |
| 4/03 | 8.023 Mio. | 489 Mio. |
| 1/04 | 8.561 Mio. | 609 Mio. |
| 2/04 | 8.700 Mio. | -203 Mio. |
| 3/04 | 8.624 Mio. | 479 Mio. |
| 4/04 | 8.840 Mio. | 654 Mio. |
| 1/05 | 8.160 Mio. (*) | 692 Mio. |
| 2/05 | 8.825 Mio. | 933 Mio. |
| 3/05 | 9.420 Mio. | 1.750 Mio. |
| 4/05 | 10.430 Mio. | 1.202 Mio. |
| 1/06 | 10.013 Mio. | 686 Mio. |
| 2/06 | 10.880 Mio. | 1.380 Mio. |
| 3/06 | 10.603 Mio. | 968 Mio. |
| 4/06 | 11.792 Mio. | 624 Mio. |
| 1/07 | 9.433 Mio. | -181 Mio. |
| 2/07 | 8.732 Mio. | -28 Mio. |
| 3/07 | 8.811 Mio. | 60 Mio. |
| 4/07 | 9.650 Mio. | 100 Mio. |
| 1/08 | 7.448 Mio. | -194 Mio. |
| 2/08 | 8.082 Mio. | 4 Mio. |
| 3/08 | 7.480 Mio. | -397 Mio. |
| 4/08 | 7.136 Mio. | -3.576 Mio. |
| 1/09 | 5.371 Mio. | -231 Mio. |
| 2/09 | 5.497 Mio. | 26 Mio. |
| (*) Nach Abspaltung der Halbleiter-Sparte | ||
(vbr)