iPhone-Kaufberatung: Vom 4s bis zum iPhone 7 Plus

Seite 8: iPhone 6s mit Taptic Engine

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Im September 2015 eines von zwei Spitzenklassemodellen in Apples Sortiment, ist das iPhone 6s wiederum eine ganze Ecke besser als das iPhone 6. Den Unterschied zwischen beiden erkennt man nur auf der Rückseite: Das neue hat ein „S“ aufgedruckt. Größe und Display-Auflösung sind unverändert geblieben, erstmals kam als Farbe Roségold hinzu. Anfangs gab es Modelle mit 16, 64 oder 128 GByte Speicherkapazität. Aktuell verkauft Apple das iPhone 6s noch mit 32 GByte (649 Euro) und mit 128 GByte (759 Euro).

Das Gehäuse wird erstmals aus dem 7000er-Aluminium gefertigt, dem gleichen Material, aus dem auch die Apple Watch Sport besteht. Das Blech ist obendrein an einigen Stellen etwas dicker und das 6s damit etwas verwindungssteifer als das iPhone 6. Freilich dauerte es nicht lange, bis die ersten Witzbolde es dennoch wieder vor laufender Kamera mit roher Gewalt verbogen, um Klicks für ihren Youtube-Channel zu sammeln. Für normale Nutzung ist das Gerät aber locker stabil genug.

Das iPhone 6s ist etwas schwerer als das 6. Gut 30 Gramm gehen auf das Konto zweier gänzlich neuer Features. Das eine, Apple nennt es 3D Touch, erlaubt ähnlich wie bei der Watch bestimmte Abkürzungen und Aktionen bei stärkerem Druck auf den Bildschirm. Möglich wird dies durch eine zusätzliche Schicht mit kapazitiven Sensoren unter dem Retina-Display, die den Anpressdruck der Finger in feinsten Abstufungen messen.

Das andere Feature, die Taptic Engine, hat Apple ebenfalls von der Watch übernommen: Eine Art Miniatur-Schrittmotor gibt haptisches Feedback in Form von Vibrieren oder Klopfen, abhängig von bestimmten Situationen. Apple kombiniert beide zu einer neuen Dimension in der Touch-Steuerung, die für die Zukunft der App-Bedienung mindestens so bedeutend sein könnte wie seinerzeit der Multitouch.

Ein wesentliches Element von 3D Touch sind die sogenannten Quick Actions. Dabei handelt es sich um kontextsensitive Handlungen, die erscheinen, wenn man stärker – nicht länger – etwa auf ein Icon auf dem Home Screen drückt. Dann klopft die Taptic Engine leicht gegen das Display, der restliche Bildschirminhalt verschwimmt, als läge er hinter Milchglas, und ein kleines Menü mit im jeweiligen Kontext sinnvollen Funktionen erscheint. Stehen gerade keine Quick Actions zur Verfügung, klopft die Taptic Engine dreimal hintereinander leicht an den Bildschirm.

Über solche Abkürzungen gelangt man beispielsweise vom Homescreen aus – ohne vorherigen Aufruf der jeweiligen App – direkt zu den neuesten Aufnahmen oder zu den Favoriten der Fotos-App, zum Selfie-Modus, zur Zeitlupen- oder der Video-Aufnahmefunktion der Kamera-App. Das Mail-Icon erlaubt einen Schnellzugriff auf die Optionen "Alle", "VIP", "Suchen" sowie "Neue E-Mail" und das der Karten-App bietet an, den Heimweg zu beschreiben, den Standort zu markieren oder zu senden sowie nach bestimmten Dingen in der Nähe zu suchen. Erwartungsgemäß erlaubt Apple die Nutzung der Quick Actions auch App-Entwicklern. So kann man etwa vom Home Screen aus ein Foto für Instagram schießen.

Innerhalb von Apps kennt 3D Touch zwei weitere Spielarten: Nach einem sanften Druck etwa auf eine Mail in der Liste aller Nachrichten öffnet sich eine Vorschau mit dem Absender und dem oberen Teil der Nachricht ("Peek"). Nun kann man die Mail per Wischgeste gleich löschen oder als gelesen markieren, ohne sie öffnen zu müssen. Über ein Wischen nach oben offerieren sich wiederum Quick Actions, etwa zum Verschieben oder Weiterleiten der Nachricht. Nimmt man den Finger stattdessen wieder vom Display, bleibt die Nachricht ungelesen. Drückt man fester ("Pop"), öffnet sich die Nachricht regulär.

Presst man in Safari innerhalb einer Webseite fester auf einen Youtube-Link, blendet iOS ein Fensterchen mit der Voransicht der Youtube-Seite des verlinkten Videos an. Nach noch stärkerem Druck öffnet sich die Webseite im Vordergrund. iMessage-Nutzer können per Peek schnell im Kalender nachschauen, ob das Treffen mit Freunden zur angepeilten Zeit stattfinden kann und ob die per Weblink vorgeschlagene Location eher Spaß oder Langeweile verspricht. In der Bildschirmtastatur kann man nach festerem Druck den Cursor im Text verschieben. Kurzum: 3D Touch stellt zwar keine echten neuen Funktionen bereit, bringt den Nutzer aber deutlich schneller ans Ziel und erleichtert die Einhand-Bedienung.

Aus Performance-Sicht ist es wieder das gleiche Lied: Der Prozessor und sein im A9-SOC integrierter Grafik-Kompagnon sind deutlich schneller als der A8. Die angenehm flott reagierenden 3D-Touch-Funktionen danken es. Er ermöglicht auch, dass die „Hey, Siri!“-Funktion auf Wunsch ständig zur Verfügung steht. Aktiviert man das in den Einstellungen, hört sie andauernd zu. Um Bedenken von Datenschützern auszuräumen, betonte Apple, dass die Auswertung und auch die Übertragung des zu transkribierenden Audioschnipsels in die Cloud erst dann beginnt, wenn der Besitzer "Hey, Siri" sagt – und nur so lange anhält, bis das jeweilige Kommando abgearbeitet ist.

In der dritten Auflage von Touch ID hat Apple vor allem die Erkennungsgeschwindigkeit weiter erhöht. Es genügt, den Finger nur kurz auf den Home-Button zu legen, um das iPhone zu entsperren. Zudem lässt sich der Sensor noch weniger durch verschwitzte oder nasse Finger irritieren.

Der Bildschirm des iPhone 6s mit 3D Touch erlaubt durch festeres DrĂĽcken "Quick Actions".

Den Arbeitsspeicher hat Apple erstmals bei einem iPhone auf 2 GByte erhöht. Damit dürfen mehr Apps als bislang gleichzeitig offen bleiben, ohne im Hintergrund kaltgestellt zu werden. Safari muss Tabs nicht mehr so oft neu laden, wenn man den Browser aus dem Hintergrund holt. Die wegfallenden Wartezeiten beschleunigen die Bedienung des iPhones noch einmal enorm.

Die neue iSight-HD-Kamera bringt einen 12-Megapixel-Sensor mit und schießt scharfe, detailreiche Fotos in natürlichen Farben, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen – besonders, wenn die HDR-Funktion einspringt. Panorama-Aufnahmen gelingen nun mit bis zu gigantischen 63 Megapixeln Auflösung. Bei Erscheinen im September 2015 war es die beste Smartphone-Kamera.

Die FaceTime-HD-Kamera, die auf der Vorderseite über dem Display sitzt, hat ebenfalls ein Upgrade bekommen, und zwar auf einen 5-Megapixel-Sensor. Bei schlechten Lichtverhältnissen springt das Display als Blitz-Ersatz ein. Apple nennt das "Retina Flash" – der Bildschirm leuchtet kurzfristig bis zu dreimal so hell wie normal. Dabei emuliert er die True-Tone-Funktion des rückseitigen LED-Blitzes und passt seine Farbe an das Motiv an, damit etwa Gesichter nicht so grell ausgeleuchtet erscheinen. Das funktioniert gut und macht insbesondere in dunklen Szenen einige Aufnahmen überhaupt erst möglich.

Eine gänzlich neue Funktion hat Apple unter dem Namen Live Photos eingeführt: Drückt man den Aufnahmeknopf, zeichnet die App anstelle eines Standbildes sehr viele Fotos schnell nacheinander auf – heraus kommt eine Sequenz, die anderthalb Sekunden vor dem Auslösen beginnt und drei Sekunden dauert. Dabei handelt es sich wohl gemerkt nicht etwa um Videomaterial, sondern um Fotos, die mit dem Originalton kombiniert werden. Das Ganze fängt nicht nur wichtige Momente wie das Winken eines Kindes oder das prächtige Rauschen eines Wasserfalles ein, sondern auch die Stimmung drumherum. Die Sequenz spielt die Fotos-App ab, wenn man fester aufs Display drückt. Man kann sie auch auf den Sperrbildschirm legen – oder aufs Ziffernblatt der Apple Watch.

Videos werden wahlweise in 4K-Auflösung aufgezeichnet – ebenfalls ein Novum. Das entspricht 3840 mal 2160 Pixeln, allerdings nur mit 30 Bildern pro Sekunde. Standardmäßig bleibt es bei 1080p-Clips mit 30 oder 60 fps . Die geraten dank des verbesserten Sensors ebenfalls deutlich besser als bei der Vorgängergeneration.

Auch das Funkmodul ist abermals schneller geworden. Im Mobilfunknetz überträgt das iPhone 6s per LTE-A Daten mit bis zu 300 MBit/s, im WLAN maximal mit 866 MBit/s brutto – beides sind freilich Idealwerte, die man allenfalls vorübergehend und bei LTE nur mit teuren Mobilfunkverträgen erzielt.

Der Akku besitzt weniger Kapazität als beim iPhone 6, hält aber in der Praxis genauso lang durch. Die Akkulaufzeit des iPhone 6 unterscheidet sich nur marginal abhängig vom eingesetzten Prozessor (Samsung oder TSMC) – Mac & i berichtete online. Bei einigen Modellen von iPhone 6s hatte Apple Akkus verbaut, die vorschnell ausfielen. Hierfür gibt es ein Austauschprogramm.

Erstmals hat Apple im Gehäuse eine Membrane verwendet, die das iPhone kurzzeitig wasserdicht macht. Man sollte es nicht gerade zum Schwimmen mitnehmen, aber wenn es mal in eine Pfütze fällt, geht es nicht gleich kaputt.