Regierung wirbt fĂĽr Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt
Eine Kampagne der Bundesregierung will auch mit Hinblick auf den Fachkräftemangel das große wirtschaftliche Potenzial von Migranten stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.
Im Schatten der Ausschreitungen im sächsischen Mügeln hat die Bundesregierung eine Kampagne für die Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt gestartet. "Vielfalt ist ein Erfolgsfaktor", sagte die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer (CDU), am Donnerstag in Berlin. "Für Fremdenhass und Rechtsextremismus darf es keinen Raum in Deutschland geben", kommentierte sie die Vorfällen in Mügeln, wo ein Mob acht Inder über den Marktplatz gehetzt und verprügelt hatte.
Die Kampagne will auch mit Hinblick auf den Fachkräftemangel das große wirtschaftliche Potenzial von Migranten stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Damit wolle man ein Gegengewicht zu Vorurteilen und Klischees setzen. Angesprochen würden vor allem auch Unternehmen und öffentliche Verwaltungen.
Die Kampagne ist Teil des am 12. Juli beschlossenen Nationalen Integrationsplans. "Die Menschen, die zu uns kommen, sind ein Gewinn für unser Land", sagte Böhmer. Untersuchungen zeigten, dass Regionen mit vielen Zuwanderern erfolgreicher seien. Die 15 Millionen Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund seien auch Konsumenten. Allein die 2,5 Millionen türkischen Zuwandererfamilien verfügten über eine Kaufkraft von 17 Milliarden Euro - so viel wie das Saarland.
Der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Heinrich Tiemann, verwies darauf, Integration gelinge am besten im Erwerbsleben. Nach einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) haben es in Deutschland Zuwanderer erheblicher schwerer als Einheimische, auf dem Arbeitsmarkt eine angemessene Beschäftigung zu finden. Dies sei zum Teil auf das geringere Bildungsniveau und Sprachschwierigkeiten, aber auch auf versteckte Diskriminierung zurückzuführen.
Die Integrationskampagne kostet vier Millionen Euro. Auf Plakaten werben drei Migranten - eine Ärztin, ein Bäcker und eine Kommissarin - für die Integration in Deutschland. Zugleich startete Böhmer den Wettbewerb "Kulturelle Vielfalt in der Ausbildung". Bewerben können sich deutsche Unternehmen, Behörden und öffentliche Einrichtungen. Den Siegern winken Geldpreise und Einladungen nach Berlin.
Zu den gegenwärtigen Klagen vieler Branchen und besonders der IT-Firmen über angeblichen Facharbeitermangel siehe auch den Hintergrundbericht in c't:
- Gefühlter Mangel, Wie viele Informatiker braucht die Wirtschaft?, c't 16/07, S. 78
Zu dem Thema siehe auch:
- Immigranten sorgen in den USA fĂĽr Innovation in Wissenschaft und Wirtschaft
- Hochschulverband kritisiert Abbau von Professorenstellen
- Bericht: Fachkräfte-Mangel kostet jährlich 20 Milliarden Euro
- Gesellschaft für Informatik rät zum "antizyklischem Studium"
- Öffnungspläne für den Arbeitsmarkt unter Beschuss
- Die Bundesregierung hegt Öffnungspläne für den deutschen Arbeitsmarkt
- Studie: Informatik-Absolventen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt
- Fachleute gesucht: Gute Job-Aussichten in der Unterhaltungselektronik
- IT-Spezialisten sind immer noch Mangelware
- Microsoft plant Jobvermittlungsbörse für Partner
- Interesse an neuen Medien lässt Jugendliche IT-Berufe wählen
- Silicon Saxony startet Fachkräfte-Netzwerk
- IT-Verband sieht Verschärfung des Fachkräftemangels
- Disput zwischen Bildungspolitikern ĂĽber Zuzug von Facharbeitern
- OECD rät Deutschland zur vereinfachten Zuwanderung für Fachkräfte
- Zuzug ausländischer Fachkräfte soll erleichtert werden
- Fachkräftemangel verhindert Gründung von mehr Hightech-Start-ups
- Wirtschaft und Gewerkschaften beklagen Fachkräftemangel
Siehe auch:
- heise jobs, Stellenanzeigenbörse sowie aktuelle Berichterstattung und Hintergrundartikel zum Arbeitsmarkt, der Ausbildungssituation und den Gehaltsstrukturen der Hightech-Branchen
(dpa) / (jk)